Dienstag, 23. Januar 2018    21:00


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Gefiederte Gäste an der winterlichen Futterstelle

Wenn sich die Natur zur Ruhe begeben hat, ist das Nahrungsangebot für die Vögel in unseren Gärten besonders knapp. Jetzt können wir Menschen ein bisschen unterstützend eingreifen, indem wir Futterstellen anlegen. In Supermärkten und Geschäften für Tierbedarf gibt es alles, was das Vogelherz begehrt - vom Kilobeutel Sonnenblumenkerne bis zum Riesenmeisenknödel. Vogelfütterung am Fenster, auf dem Balkon oder auf der Terrasse kann zu einem bunten, faszinierenden Naturschauspiel werden, da man die Tiere aus nächster Nähe beobachten kann. Auch Kinder lernen auf diese Weise einfach und spielerisch, beispielsweise eine Kohlmeise vom Sperling oder einer Amsel zu unterscheiden. Der NABU weist jedoch darauf hin, dass das winterliche Futterangebot nicht unbedingt dem Schutze bedrohter Vögel dient; denn es profitieren robuste Arten, die sich in der kalten Jahreszeit bei knappem Futterangebot schon eher selbst weiterhelfen können und die auch in strengen Wintern nicht nennenswert dezimiert werden.

Grundsätze für das richtige Füttern

Die Hauptfütterungszeit ist zwischen Anfang November und Mitte März. Liegt Schnee, ist das Futterangebot besonders kümmerlich und die Futterstelle wird dankbar angenommen. Meisenringe und -knödel können – möglichst katzensicher – in Büschen oder an Baumästen aufgehängt werden. Sinnvoll ist es zudem Stellen zu wählen, an denen das Futter nicht nass werden und verderben kann. Es gibt Aufhängevorrichtungen, bei denen der Meisenknödel „überdacht“ ist – dieses tellerartige Dach bietet einen minimalen Witterungsschutz. Sonnenblumenkerne mögen viele Vögel: Meisen, Sperlinge, Grün- und Buchfinken, seltener Bergfinken sowie vielleicht hin und wieder Dompfaffen und Kernbeißer sind hier anzutreffen. Besonders Meisen – in der Nähe von großen Bäumen auch Kleiber - lieben ein Gemisch aus Fett und Kernen. Entweder es wird als winterliche Familienaktion selbst hergestellt, oder man kauft es fertig. Weichfutterfressern wie Rotkehlchen, Amseln oder Zaunkönigen kann ein Gemisch aus – ungeschwefelten - Rosinen, Haferflocken und Kleie angeboten werden. Amseln lieben Äpfel, die sie so weit aushöhlen, bis nur noch die Schale übrig ist. Niemals sollten Brot- und Kuchenkrümel oder gar gesalzener Speck ausgelegt werden: Das ist „Menschenfutter“ und völlig ungeeignet für winzige Vogelmägen.

Die richtige Futterstelle

Futterhäuschen, reichlich verziert oder aus dekorativem Birkenholz gefertigt, sind ein Hingucker auf Terrassen. Manchmal ist auch keine andere Möglichkeit vorhanden, als ein Futterhaus mit Saugnäpfen an der Fensterscheibe zu befestigen. Hier ist aber immer die Gefahr von Verunreinigungen durch Vogelkot gegeben. So können sich Salmonellen verbreiten. Ein traditionelles Futterhäuschen sollte regelmäßig mit heißem Wasser gereinigt werden, beim Säubern sollten aus hygienischen Gründen Handschuhe getragen werden. Das Häuschen sollte nur so viel Futter enthalten, wie gefressen wird – lieber öfter frisch „nachlegen“. Manche Vögel mögen ihre Mahlzeit eher in Bodennähe aufpicken, unter anderem gehören Amseln dazu. Der Futterspender sollte nicht direkt auf dem Boden sondern etwas erhöht stehen, weil auch andere Tiere, wie Mäuse oder Ratten, sich daran gütlich tun könnten. Futterreste sollten nie herumliegen, sondern stets beseitigt werden.
Am hygienischsten sind Futterspender aus Kunststoff zum Aufhängen, die nach der Füttersaison gereinigt werden. Die Kerne rutschen nach Bedarf aus dem Spender in eine Schale, aus der die Vögel sie entnehmen können: die Tiere können sich nicht in das Futter hineinsetzen oder darin herumhüpfen. Verunreinigungen sind also weitestgehend ausgeschlossen. Ein katzensicherer Platz sollte selbstverständlich sein, auch Raubvögel, wie Sperber, sollten nicht ungehinderten Anflug auf den Futterspender haben. Wenn gleichzeitig ein freier Blick auf die Futterstelle gegeben ist, wird die Vogelbeobachtung zum Vergnügen.  

Winterfutter selbstgemacht

Schon im Herbst kann die ganze Familie darauf hinarbeiten, später im Jahr selbst Futterglocken herzustellen. Dazu können bei Spaziergängen durch die stimmungsvolle Herbstlandschaft Hagebutten, Schlehen, Vogelbeeren oder ein paar Bucheckern gesammelt und getrocknet und später mit Sonnenblumenkernen vermischt werden.

Benötigt werden:

500 Gramm bis ein Kilogramm reinen Rindertalg Ein alter Kochtopf oder eine KonservendoseDie im Frühherbst selbstgesammelten und getrockneten Beeren und Bucheckern Ein paar gehackte Haselnüsse, Sonnenblumenkerne Kleine Blumentöpfe, eine Kokosnuss-Schale oder andere halbkugelige Gefäße, an deren oberem Ende eine Schlaufe zum Aufhängen durchgezogen werden kann. Bei der Verwendung von Blumentöpfen wird das Wasserabzugsloch durch die Schlaufe nicht ausgefüllt. Beim Befüllen mit dem flüssigen Talg sollte der Topf zunächst fest in Alu- oder Plastikfolie eingewickelt werden, bis der Talg ausgehärtet ist. Sinnvoll ist es, einen Zweig als kleine „Kletterstange“ mit einzugießen. Den Talg in der Konservendose im Wasserbad oder in dem alten Kochtopf schmelzen. Abkühlen lassen und warten, bis der Talg wieder sämig wird. Sonnenblumenkerne mit Nüssen und Beeren mischen und unter den Talg rühren. Die Masse in die Formen füllen und aushärten lassen. Fertig ist das selbstgemachte Winterfutter – die Vögel werden es danken.

Text: Sonja Wenzel, Fotos: pixabay.com