Samstag, 18. November 2017    20:21


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Die Dänen feiern Mortensaften am 10. November

Viele Dänen feiern den „Mortensabend“ traditionell
mit Gänse- oder Entenbraten am Abend vor dem Martinstag.

Der Morten, den die Dänen feiern, hieß eigentlich Martin und war Bischof von Tours. Martin von Tours lebte im vierten Jahrhundert im Römerreich, das zu der Zeit das heutige Ungarn umfasste, wo er im Jahr 336 geboren wurde. Als 15-Jähriger schloss er sich dem römischen Heer an. Sein Leben endete in Gallien, wo die Gerüchte um ihn ihren Anfang nahmen. Er hatte ein warmes Herz für die Armen und Kranken und wurde bekannt als Heiliger. Die bekannteste Legende um ihn handelt davon, dass er einen Bettler traf, der in großer Not am Stadttor der französischen Stadt Amiens saß. Die Menschen gingen achtlos an ihm vorbei, aber Martin hielt an, um ihm zu helfen. Er war selbst nur ein armer Soldat, dem nichts außer einem Schwert und einem Umhang gehörte. Er nahm sein Schwert und teilte seinen Umhang in zwei Teile und gab dem Bettler die eine Hälfte. Nachts sah Martin in einem Traum den auferstandenen Jesus vor sich, der ihm sagte, dass er es gewesen sei, mit dem er seinen Umhang geteilt habe. Kurz danach verließ Martin das Heer und wurde mit ungefähr 20 Jahren Mönch. Er ging zurück nach Ungarn und versuchte seine Landsleute zum Christentum zu bekehren, aber die Legende besagt, dass er nur seine Mutter bekehren konnte und dass er verfolgt und zurück nach Gallien vertrieben wurde, wo er sich in einem Kloster in Poitiers niederließ. Dort lebte er fromm und zurückgezogen und wieder stand er in dem Ruf ein heiliger Mann zu sein. Er hatte einen so guten Ruf bei der Bevölkerung in Tours, dass sie ihn zum Bischof ernennen wollten. Aber der bescheidene Martin fühlte sich dessen nicht würdig und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänse aber schnatterten aufgeregt und laut und verrieten somit sein Versteck, woraufhin er gefunden und gezwungen wurde das Amt des Bischofs anzunehmen. Als Strafe verkündete Martin, dass alle Haushalte mindestens einmal im Jahr eine Gans schlachten und sie an dem Tag verspeisen müssten, an dem er von den Gänsen verraten worden war. Martin starb in Candes in Frankreich am 8. November 397 und wurde in Tours am 11. November beigesetzt. Über seinem Grab wurde eine Kirche gebaut, die Basilika St. Martin, eine der größten Wallfahrtskirchen des Mittelalters. Sein Beisetzungstag wurde ein Feiertag, St. Martinstag, der überall in Europa mit verschiedenen Traditionen gefeiert wird. In Dänemark wurde die Geschichte erstmals im Jahre 1616 schriftlich erwähnt. Die Tradition hat dort bis heute überlebt mit dem dänischen Namen „Morten“. In den vergangenen Jahrhunderten hat sich der Tag wahrscheinlich zum einen durchgesetzt, weil die Menschen zu Beginn der Fastenzeit noch einmal kräftig speisen wollten, zum anderen, weil in den Tagen im November großes Schlachten üblich war, da man nicht alle Tiere über den Winter füttern konnte. So wurde an diesem besonderen Feiertag noch einmal frisch zubereitetes Fleisch gegessen, bevor es für den Winter eingepökelt wurde. Heutzutage essen die Dänen auch Ente zum Mortensaften, mit brauner Soße, Kartoffeln, Rotkohl und Preiselbeer- oder Tranebeerkompott.

Text: Yvonne Boisen, Foto: Alfred Rethel