Samstag, 24. August 2019    20:36

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Eine Schule wird zum Traumhaus

Als Frauke Peters im Jahre 1997 das Wasserkooger Schulgebäude kaufte, hatte sie sich sofort in den roten Backsteinbau verliebt. Ein wenig von der Straße zurückliegend, verbirgt sich das weitläufige Haus hinter hohem Buschwerk. Es ist auf der einen Seite flankiert von einem großen Garten voll ehrwürdiger Apfelbäume und auf der anderen Seite von über und über blühenden Rosenbüschen, die bis an die Unterkante der Fenster reichen. Die „neue Schule“ von Wasserkoog wurde im Jahre 1949 erbaut. Damals war der Bau eines Schulhauses notwendig, denn in der Gemeinde lebten rund 60 Kinder im schulpflichtigen Alter, bedingt durch den Flüchtlingsstrom des Zweiten Weltkriegs. „Der Raum, in dem wir hier gerade sitzen, dient jetzt als Esszimmer für größere Gruppen und gehörte früher, so wie die Küche, zur Lehrerwohnung“, erklärt die Eigentümerin. Die Flügeltür zu einem hohen, hellen Saal steht offen, vom Esszimmer führen ein paar Stufen hinab: „Das war früher das Klassenzimmer, in dem drei Schulklassen gleichzeitig unterrichtet wurden.“ Heute können in dem mit original orientalischen Elementen möblierten, rund 65 Quadratmeter großen Raum Seminare oder andere Veranstaltungen durchgeführt werden.

„Das Besondere an diesem Haus ist, dass für die Renovierung der Räume kein fertiger Entwurf vorlag. Es ist gewachsen, je nachdem, welche Materialien verfügbar waren und wie wir sie verwenden konnten“, sagt Frauke Peters. Es gibt aber noch eine weitere Besonderheit: Die Gestaltung der Räume hat sie zu einem großen Teil mit Handwerksgesellen, die sich auf der Walz befanden, bewerkstelligt. Zustande gekommen sind die Kontakte zu wandernden Handwerkern über eine Bekannte, die als Tischlerin selbst auf der Walz war. Ein Glaser, der sich auf die alte Kunst der Bleiverglasung verstand, hat in einem der Schlafzimmer des Obergeschosses mit viel Geschick eine Fensterrosette aus buntem Glas in eine Außenwand und in eine Tür ein „geflügeltes Herz“ aus Glas eingelassen. Es kamen Zimmerleute, die einige irreparable Balkenständer durch Ulmen, die ohnehin gefällt werden mussten, ersetzten: Jetzt zieren diese Bäume fast in ihrem Originalzustand den Aufenthaltsraum im oberen Stockwerk und verleihen ihm ein außergewöhnliches Ambiente. Der geborstene Linoleum im Saal wurde durch Dielen ersetzt; unter einem zerschlissenen Teppichboden im Esszimmer gewahrte Frauke Peters eine Überraschung: Wunderschöne alte Dielen wurden freigelegt. „Die Böden haben wir mit Olivenseife gescheuert. Damit verschwindet jeder Fleck. Die Dielen brauchen nie wieder geölt oder gewachst zu werden.“ Ein Maurergeselle, der den Bau von Bögen beherrschte, konzipierte eine Stirnwand des Saals als weiße Mauer mit vielen kleinen, rundbogigen Nischen und modellierte die Waschtische in den Badezimmern ebenfalls als kleine Kunstwerke mit gotisch anmutenden Spitzbögen. Einmalig ist in dem im Keller befindlichen Bad, neben dem Ausgang zum Garten, der große Badezuber. Er ist mittlerweile „außer Betrieb“; aber er eignet sich, ausgepolstert mit schönen Kissen und Decken, herrlich als Refugium zum Lesen und Träumen. Alle Kanten in den Räumen wurden gefällig abgerundet: seien es Fensterleibungen oder die Übergänge von Wänden zur Decke. Tischler bauten breite Fensterbänke aus Ulmenholz und beschafften historische Zimmertüren. In der Küche, deren Boden mit   gelb-orange geflammten Fliesen aus Dänemark belegt wurde, hat Frauke Peters die Küchenschränke aus den hölzernen Verkleidungen von Heizkörpern bauen lassen, die sie bei einem Aufenthalt in Wien fand. „In diesem Haus hat sich ein Stück Baugeschichte verewigt“, lächelt sie und umfasst mit zufriedenem Blick das Gesamtkunstwerk „Neue Schule“. Mit viel Überlegung ist sie zu Werke gegangen und hat vor dem Umbau zunächst einen Feng Shui-Experten zu Rate gezogen. Sie machte keine Kompromisse und verließ sich nur auf Naturbaustoffe ohne chemische Zusätze: So wurden beispielsweise nur Kalkfarben verwendet. Sie ließ nach Wasseradern um das Haus fahnden und richtete die Zimmer entsprechend ein. Die Umbauphase ist ihr in angenehmer Erinnerung geblieben: „Wir haben jeden Tag an weiß gedeckter Tafel gegessen, erzählt, gelacht und viel gesungen.“ Vielleicht hallt die gute Stimmung der damaligen Umbauzeit bis heute nach, denn: „Viele Gäste empfinden den Aufenthalt hier wie ein Nachhausekommen“, so Frauke Peters. Die „Neue Schule“ mit den Aufenthaltsräumen, der großzügigen Küche, die der Mittelpunkt des Hauses ist, mit der bequemen Badestube, all den kleinen Rückzugswinkeln und gemütlichen Schlafräumen im Obergeschoss kann vermietet werden: an große Familien, die Ferien machen wollen, an Hochzeitsgesellschaften oder Seminargruppen, die in entspannter Atmosphäre Neues lernen und sich auf Unbekanntes einlassen möchten.  

Text und Fotos: Sonja Wenzel