Montag, 10. Dezember 2018    15:14


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Ein Häuschen am Wald

Sabine Bruhn und Stefan Zatloukal leben ihren Traum

Das Häuschen am Wald ist ein echter Hingucker. "Viele Menschen halten an und fragen, ob sie es fotografieren dürfen", verrät Sabine Bruhn (47). Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, Stefan Zatloukal (59), entdeckte sie das Schmuckstück vor viereinhalb Jahren, als es zum Verkauf stand. Ein Hamburger Ehepaar hatte es in den 1990er Jahren liebevoll und hochwertig restauriert, doch sie nutzten es nur als Wochenenddomizil und wollten sich davon trennen. Es sollte mit dem gesamten Inventar veräußert werden. "Und wir waren auf der Suche nach einem neuen Zuhause in Deutschland", erzäht Zatloukal. "Zehn Jahre lang hatten wir in Griechenland gelebt und als Tauchlehrer gearbeitet und wir hatten nichts mitgenommen, außer unserem griechischen Kater Niki."

Das reetgedeckte Haus steht in der Gemeinde Nordhastedt im Ortsteil Osterwohld, am Rand des größten Dithmarscher Waldes, dem Riesewohld. Das Haus ist Baujahr 1807 und es war in einem furchtbaren Zustand, als das Hamburger Ehepaar es vor gut 30 Jahren erwarb. Das Häuschen wurde von Grund auf saniert, es erhielt ein neues Reetdach und Sprossenfenster mit grünen Rahmen. "Die Fußbodenfliesen stammen aus einem französischen Schloss", weiß die jetzige Besitzerin. Sie brauchte beim Einzug im und am Haus nicht viel zu verändern. Im Erdgeschoss befinden sich eine gemütliche Wohnküche und ein kleines Wohnzimmer, im Dachgeschoss liegen das Schlafzimmer und ein kleines Büro. Doch der verwilderte Garten wurde für das Paar zur Herausforderung. "Wir haben den Teich ausbaggern lassen und das kleine Gartenhäuschen davor mit einer Terrasse versehen, sodass wir dort die lauschigen Sommerabende genießen können", schwärmt Zatloukal. Sie haben einen neuen Zaun samt Friesenwall gesetzt, ein Carport gebaut und bunte Blumenbeete angelegt und damit ein gemütliches Zuhause geschaffen und einen Ort gefunden, an dem sie angekommen sind.Sabine Bruhn ist gebürtige Dithmarscherin, sie ist in Tielenhemme aufgewachsen und kennt das Leben im hohen Norden. Ihr Lebensgefährte stammt aus Hessen, dort arbeitete der gelernte Banker bis zum Jahre 2003 erfolgreich im Börsengeschäft. "Damals habe ich mir die Frage gestellt, ob ich das ein Leben lang machen möchte", sagt Zatloukal. Die Antwort war: "nein". Er kündigte seinen Job und wanderte nach Griechenland aus. Auf der Insel Zakynthos arbeitete er als Tauchlehrer in einer kleinen Tauchschule und lernt dort ein Jahr später Sabine kennen, eine Urlauberin, die einen Tauchkurs gebucht hatte. Bei ihrem zweiten Besuch auf der Insel im gleichen Jahr funkte es zwischen den beiden und die Dithmarscherin entschied sich für einen Neubeginn auf der griechischen Insel, ebenfalls als Tauchlehrerin, denn diese Ausbildung hatte sie vorsichtshalber schon mal gemacht. Während der ersten drei Jahre arbeiteten sie im Sommer in Griechenland und im Winter in einer Tauchschule auf den Philippinen. Doch die kleine griechische Tauchschule entwickelte sich und wurde dank der beiden deutschen Tauchlehrer mit dem Gespür für eine gute Marketingstrategie, im Jahre 2011 von Europas größter Tauchzeitschrif zur besten Tauchschule im Mittelmeer gekürt. "Wir haben gut verdient und konnten fortan den Winter nutzen und die Welt kennen lernen", sagt Zatloukal. Den Entschluss, nach Deutschland zurück zu gehen, haben sich beide wohl überlegt und bis heute nicht bereut.

Text: Bärbel Sommer, Fotos: Sabine Bruhn