Dienstag, 22. September 2020    16:39

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DER FRIESENNERZ

Wer hat ihn erfunden?

Wie gut, dass man dem Schietwetter mit der richtigen wind- und wasserdichten Kleidung trotzen kann. Unverzichtbar ist zum Beispiel der nach wie vor bei vielen beliebte, strapazierfähige, gelbblaue "Friesennerz", auch "Ostfriesennerz" genannt, komplettiert mit Hut und Gummistiefeln. Auch wenn technische Textilien dafür sorgten, dass der Run auf den Friesennerz abflaute, ist er nach wie vor ein treuer Allrounder für die gesamte Familie von Küste und Festland - ein Kultobjekt für seine Liebhaber, deren Leidenschaft dafür von Generation zu Generation weitervererbt wird. Das flotte Retro-Flair sorgt für wohlige Kindheitserinnerungen. Dazu gehört, im luftdichten Friesennerz zu schwitzen - auch wenn man längst erwachsen ist.

Der Mann, dem wir diesen modischen Klassiker zu verdanken haben, stammt aus dem hohen Norden. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um einen Friesen, sondern um den Dänen Jan E. Ansteen Nielsson aus Hørve, unweit von Kopenhagen. Der Gründer des Sportbekleidungsunternehmens Jeantex (1958) kreierte im Jahre 1965 die Wenderegenjacke. So heißt der Friesennerz eigentlich richtig - ganz bewusst in leuchtend gelber Färbung als dauerhaft wasserdichte, wetterbeständige Kleidung und Standardausrüstung für Berufsfischer und Segelsportler. Gelb dient seit jeher den Fischern als Signalfarbe, mit der sieauf hoher See auch bei Nebel und in der Dämmerung besser zu erkennen sind.

Mit seiner großzügigen Kapuze, die Kopf und Kragen warmhält und den zwei unübersehbaren, geräumigen Seitenklappentaschen für alles, was man braucht oder unterwegs findet, fällt der traditionell gerade, fast knielange und sehr weit geschnittene, ungefütterte Friesennerz auf. Im Winter passt noch ein dicker Pulli darunter. Unverkennbar auch der verblendete Reißverschluss mit Druckknöpfen, die dafür sorgen, dass der Wind draußen bleibt. Wetterfest verschweißte oder vernähte und außerdem verklebte Nähte sorgen für die notwendige Wasserfestigkeit. Für eine gute Luftzirkulation dienen Ösen unter den Ärmeln. Einst mit synthetischem Kautschuk beschichtet, besteht das Außenmaterial seit 1985 aus dem kostengünstigeren, atmungsaktiven PVC. Da kommen weder Wasser noch Luft durch. Das Innenmaterial wiederum ist aus weichem Polyester. Die Bezeichnung Friesennerz entstand erst später - wahrscheinlich als liebevoll gemeinte Anspielung auf das Schietwetter an der Küste und weil er dort deswegen viel wertvoller ist als ein Pelzmantel. Den Friesennerz wissen im Übrigen auch Radfahrer, Fußgänger, (Watt-)Wanderer und Hobbyangler sehr zu schätzen.