Dienstag, 16. Juli 2019    22:18


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Vom Leben auf dem Ponyhof

In Habernis erleben jugendliche Reiter als Gäste ihr besonderes Ferienglück

Da kommen sie. Neugierig schauen die Ponys zu den Menschen, die mit Stricken, Halftern und guter Laune die Koppel betreten. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, bestimmt dreißig Leute sind es, die zielsicher eines der Tiere ins Visier nehmen und sich nähern. Die Ponys sind fleißige Arbeiter. Sie kommen gerne mit. Gleich werden die tierischen Kollegen kleine und große Reitschüler durch die Halle und über das Dressurviereck tragen oder mit den Fortgeschrittenen ins Gelände gehen. Alltag auf dem Lindenhof in Habernis. Abteilungs-Stunden und Ausritte stehen hier fast täglich auf dem Programm – an manchen Tagen sogar bis in die Abendstunden hinein. Die Reiter stammen aus der Umgebung oder sind von weither angereist, um auf dem Lindenhof Ferien zu machen. So bekommen die Tiere es immer wieder mit neuen Gesichtern und ganz unterschiedlichen Reitleistungen zu tun. „Deshalb achten wir sehr sorgfältig darauf, wie es ihnen geht“, sagt Julia Lauscher, die Chefin auf dem Lindenhof. Große Koppeln, Kraftfutter, regelmäßige Besuche von Arzt, Hufschmied oder Osteopath sowie ein fester Pfleger für jedes Pony als beständiger Partner sind ihr wichtig. Freiwillig und regelmäßig lassen die Lauschers ihren Hof von der Deutschen Reiterliche Vereinigung (FN) prüfen. „Dieser Betrieb verpflichtet sich zur fachgerechten Pferdehaltung“, steht auf einem Schild zu lesen. Was die größte Qualität des Lindenhofs ist? „Zeit zu haben“, sagt Julia Lauscher lächelnd: Zeit für die Familie, für Ponys, Zeit für sich, zum Entspannen. „Bei uns entschleunigen alle.“ Das gilt selbst für Hofbetreiber und Betreuer – mit Einschränkungen allerdings, denn an manchen Tagen gibt es so viel zu tun, dass sie kaum zur Ruhe kommen. Dennoch: Eine Sommerwoche als Ferien-Betreuer auf dem Lindenhof zu verbringen, ist für viele junge Reiterinnen ein Vergnügen, auf das sie sich lange freuen. Ponys versorgen, mit Ferienkindern spielen, den Reitunterricht begleiten, gemeinsam Kaffee trinken, Zeit haben für Pausen und zum Tüddeln – das ist für sie ein Leben nah am Paradies. Immer drei oder vier Jugendliche teilen sich das Betreuerzimmer mit zwei Etagenbetten und die anfallende Arbeit für freies Logis, kostenlose Ausritte und ziemlich gutes Essen. Meistens sind sie selbst erfahrene Reitschülerinnen und kennen die Ponys und ihre Eigenarten. Sie behalten sogar den Überblick über die vielen Kinder und Ponys, die Julia Lauscher und Reitlehrerin Tanja Lausen scheinbar spielend in verschiedene Gruppen für den Unterricht und die Ausritte einteilen. Das kann anfangs schon mal verwirrend sein: Wer war nochmal „Max“ oder geht es um „Maggy“? Äh, wo steht „Liza“ und hatte „Elly“ jetzt die kurze Mähne oder war das „Lotte“? Und wenn Mette in der ersten Stunde auf „Billy“ reitet, wie kann Mette dann auch in der zweiten Stunde auf „Billy“ sitzen? Ach so, hier gibt es zwei Mettes! Okay, dann ist es klar. Nach der Einteilung geht es los zur Koppel. Immer zwei Kinder für ein Pony: putzen, satteln, trensen, dazwischen kuscheln. Die Betreuerinnen helfen geduldig. „Sitzt der Sattel richtig?“ „Kannst du mal den Gurt nachziehen?“ „Ich brauch’ noch ‘nen Reithelm“, sind die Klassiker vor dem Unterricht. In der Stunde ist es meistens: „Kann mal jemand neben dem Pony laufen?“ Oder: „Hältst du eben, ich muss auf die Toilette?“.... es gibt viel zu tun – und bleibt dennoch meist entspannt. An das hektische Leben fernab vom Ponyhof denkt auf dem Lindenhof zu Ferienzeiten wohl kaum jemand.

Text und Fotos: Sonja Wenzel