Samstag, 24. August 2019    19:32


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Eselsohren an der Förde

Es ist ein großer Traum, der sich für Frauke Hansen in diesem Jahr erfüllt hat: Seit Ferienbeginn bietet sie mit den “Eselfreunden Dollerupholz“ geführte Eseltouren an der Flensburger Förde an.

Schon so lange habe sie sich das gewünscht, berichtet die Diplom-Sonderpädagogin. „Mit Eseln - überhaupt mit Tieren – und Menschen zu arbeiten.“ Schon 2008 hatte sie am Institut für soziales Lernen mit Tieren in Wedemark ihre Berufsbegleitende Weiterbildung zur tiergestützten Intervention abgeschlossen, und doch sah es lange Zeit so aus, als würde sich ihr großer Wunsch niemals erfüllen. Kaum einer in ihrem Umfeld konnte mit der „Eselei“ etwas anfangen: „So ein Angebot war vor noch gar nicht so langer Zeit total ungewöhnlich.“

Endlich, vor drei Jahren habe sie sich trotzdem getraut. „Ich habe einfach gedacht, wenn ich darauf warte, dass für mein Projekt alles passend ist, dann wird es nie was.“ Die heute 40-Jährige begann im Internet die Kleinanzeigen nach Eseln zu durchforsten und verliebte sich kurz darauf in „Bella“. Noch heute glänzen ihre Augen, wenn sie beschreibt, wie sie die inzwischen 19-jährige Eselstute zum ersten Mal sah: Auf einem Foto war das, vor knallblauem Himmel, Liebe auf den ersten Blick. „Ich wusste, das hier ist richtig.“ Seitdem ist viel passiert. Erst, so erinnert sich Frauke Hansen, wollte es nicht recht vorangehen. Als Gesellschaft für „Bella“ und auch, um ein gutes Angebot mit Tieren machen zu können, suchte sie nach einem zweiten Esel. Aber die neue Stute „Fibi“ und „Bella“ verstanden sich nicht, und schließlich wurde auch noch die Unterbringung der Eseldamen zum Problem. Dort, wo sie anfangs untergekommen waren, konnten sie nicht bleiben. 

„Ich war kurz davor, frustriert aufzugeben.“ Und dann, plötzlich, entwickelte sich alles wie von selbst: Frauke Hansen bekam Unterstützung von verschiedenen Seiten, von Menschen, die das Esel-Projekt gut finden und die es fördern. Dankbar berichtet sie von der Koppel in Dollerupholz, dem liebevoll gezimmerten Stall, den Gerätehütten unter Obstbäumen, die sie nutzen darf, von den vielen Menschen, die täglich ein Auge auf die Esel haben und bei der Versorgung helfen, von zufriedenen drei Eseln, neugierig, zugewandt, „echte Sympathieträger“, die sich inzwischen zusammengefunden haben. Sie erzählt von Fibi, die in Schweden ein schönes neues zu Hause gefunden hat, von Grisella, einer 19 Jahre alten grauen Schönheit, die im Mai dazukam, und der 14-jährigen Emma, die im Herbst auf der Eselkoppel einzog. Von Anfang an verstanden die drei Eseldamen sich gut – und brachten sogar Menschen zusammen, ganz verschiedene Typen, aber alle mit einem großen Herz für Tiere: die „Eselfreunde Dollerupholz“. Wie Frauke Hansen selbst packen sie ordentlich an, wenn es darum geht, das Zuhause für die Tiere zu verschönern, den kleinen Stall, die Anlagen darum herum. Gemeinsam gehen sie mit den Eseln spazieren, arbeiten Touren aus und haben die Langohren auf ihre Aufgabe als Wanderbegleiter vorbereitet. „Tja“, sagt Frauke Hansen und sie scheint es selbst kaum zu glauben: „Und nun haben wir als Team tatsächlich angefangen so zu arbeiten, wie ich es mir seit Jahren erträume – verrückt, oder?“

 Im Internet: www.eselfreunde-dollerupholz.de

Text und Foto: Anette Schnoor