Montag, 14. Oktober 2019    04:59


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Tiertherapie für Pferde

Immer schön die Balance wahren

„Am besten“, sagt Carolin Nenzel, „ist es ja, wenn eure Ponys von vornherein gesund bleiben.“ Und gesundheitlich gut vorzubeugen ist heute auch das Thema der Reiterinnen, die sich mit der Tier-Therapeutin verabredet haben. Alle in der achtköpfigen Gruppe sind neugierig darauf zu lernen, wie sie die Ponys unterstützen können, damit sie in ihrem Job als Reit- und Schulpferde gesund und fröhlich bleiben.

Da gibt es tatsächlich zum Teil Ungewöhnliches zu lernen. Carolin Nenzel zeigt den Kursteilnehmerinnen, wie sie die Pferde vor Beginn der Reitstunde richtig mobilisieren und im Anschluss dehnen können. Letztlich sei das ja nichts anderes als bei menschlichen Sportlern auch: Der Körper, die Muskulatur, sollen gut aufgewärmt sein, alles schon gut in Bewegung sein, bevor es richtig losgeht. Das mindert die Verletzungsgefahr. Na klar: Auch Pferde können schmerzhafte Zerrungen und Muskelverhärtungen erleiden. „Aber anders als wir Menschen sagen sie dann nichts.“ Die Herdentiere beißen die Zähne zusammen, um nicht von den anderen abgehängt zu werden. „Und das kann langfristig zu schädlichen körperlichen Veränderungen und chronischen Schmerzen führen. Wir Menschen merken das erst, wenn sich plötzlich das Verhalten oder der Bewegungsablauf sichtbar ändert. Die Pferde lahmen dann, beißen oder schlagen vielleicht, ohne, dass sie es böse meinen. Es ist einfach ihre Art, sich vor Schmerzen zu schützen.“

Jetzt schauen die Tiere etwas verblüfft, als die Menschen sich nach unten beugen und ihre Hufe und Beine – eines nach dem anderen –   nehmen und nach vorn, zur Seite, nach hinten führen. Nicht alle Ponys in der Halle finden das auf Anhieb prima, aber nach einiger Zeit lassen es geschehen und scheinen die ungewöhnliche Behandlung tatsächlich zu genießen.

Schließlich geht es ans Reiten. Wieder gibt die Therapeutin einen überraschenden Denkanstoß: „Habt ihr euch mal überlegt, welche Folgen eure eigenen körperlichen Beschwerden für das Pferd haben, auf dem ihr sitzt?“ Nein, ehrlich gesagt, darüber hat sich hier noch niemand Gedanken gemacht. „Obwohl es natürlich naheliegend ist“, räumt eine Teilnehmerin ein. „Wenn ich schief auf dem Pferd sitze, muss das Pferd unter mir ja schief laufen, um einen Ausgleich zu schaffen.“

„Und genau das ist der Kern meiner Arbeit“, erklärt Carolin Nenzel etwas später. „Immer wieder das große Ganze zu betrachten. Reitpferde – aber natürlich auch andere Tiere – geraten, wie wir Menschen, schnell in muskuläre Dysbalancen. Das beeinflusst den Bewegungsapparat, und in der Folge bekommen wir organische oder sogar psychische Probleme.“ Mit sanften Methoden – etwa mit körperlichen Übungen, Akupunktur, Massagen und myofaszialer Tiefenbehandlung – hilft die Tiertherapeutin dann dem Körper, wieder in Balance zu kommen.

Woran merkt man, dass das Tier diese Unterstützung braucht? Carolin Nenzel lacht: „Die Besitzer kennen es ja und spüren meistens, wenn es Beschwerden hat. Aber am besten soll es soweit gar nicht kommen.“ Die Expertin rät deshalb, von vornherein regelmäßig vorbeugend etwas für die Körperbalance zu tun und sofort zu handeln, wenn es zu „Problemverhalten“ kommt. Tiere, die „schlechte Laune“ haben, geben zumeist einen Hinweis auf Schmerzen oder andere körperliche Probleme. Für alle Tierbesitzer, die unsicher sind, bietet die Tiertherapeutin praktische Hilfestellung an: „Bei Fragen: einfach anrufen.“ Im Internet:  https://www.carolin-nenzel.de/

Text und Fotos: Anette Schnoor