Dienstag, 16. Juli 2019    22:28


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SG Flensburg-Handewitt ist Deutscher Meister 2019

Die SG Flensburg-Handewitt hat das im vergangenen Jahr Erreichte bestätigt. Am Pfingstwochenende gewann die Mannschaft von Maik Machulla mit 27:24 beim Bergischen HC und feierte die deutsche Meisterschaft 2019. Im Juni 2018 hatte der nördlichste Bundesligist nach 14 Jahren Wartezeit den wichtigsten Vereinstitel der Bundesrepublik zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte eingefahren. Nun gelang die schwierigste Aufgabe, die Titelverteidigung. Dabei imponierten das Machulla-Team und der Trainer selbst. Denn sechs erfahrene Akteure hatten die SG Flensburg-Handewitt im vergangenen Sommer verlassen und wurden durch sechs Neuzugänge ersetzt. Doch diese schlugen ein, als wären sie schon seit Jahren im Team. „Es sind zwar sechs Spieler weggegangen, doch die, die noch da sind, sind alle deutscher Meister geworden. Das leben sie uns jeden Tag, ob beim Training oder im Spiel, vor“, so die Aussage von Neuzugang Johannes Golla nach einem 10:0 Punktestart und mit dabei kaum erwarteten Siegen bei den Füchsen Berlin und im Derby gegen den Topfavoriten THW Kiel. Der im vergangenen Herbst gerade einmal 20-jährige Golla, schaffte mit seiner überzeugenden Premierensaison bei der SG Flensburg-Handewitt den Weg in die deutsche Nationalmannschaft. Zudem spielte er im Verlaufe der Serie mit vier Weltmeistern und vier Vizeweltmeistern zusammen. Denn Lasse Svan, Rasmus Lauge, Anders Zachariassen und Neuzugang Simon Hald holten im heimischen Herning den WM-Titel und somit Gold mit Dänemark. Magnus Röd, feierte mit den drei SG-Neuzugängen Torbjörn Bergerud, Magnus Jöndal und Göran Sögard Johannessen den Gewinn der Silbermedaille. Die Bundesligasaison war mit diesen Akteuren sowie den weiteren Leistungsträgern die beste der Vereinsgeschichte der SG Flensburg-Handewitt. In 34 Partien feierte das Machulla-Team 32 Siege und musste nur zweimal das Parkett einer Halle mit einer Niederlage verlassen. Und diese fielen beim SC Magdeburg (23:24) und beim THW Kiel (18:20) auch noch äußerst knapp aus. So stand am Ende die hochverdiente deutsche Meisterschaft mit 64:4 Punkten vor dem Erzrivalen THW Kiel. Die Zebras blieben der SG mit 62:6 Punkten bis zum Schluss auf den Fersen. Doch die SG Flensburg-Handewitt gab sich vor allem in den letzten vier Partien nach dem Derby in der Landeshauptstadt keine Blöße mehr, und so durfte der scheidende Kapitän Tobias Karlsson am Pfingstsonntag (9. Juni) die Meisterschale als erster im Düsseldorfer ISS-DOME in die Höhe recken. „Ich bin so stolz und froh darüber, was wir als ganze Mannschaft geschafft haben. Ein Dank gilt dabei auch Maik Machulla, der uns immer perfekt vorbereitet hat. Wir haben jedes Spiel im Detail abgearbeitet. Ich bin froh, dass ich zwei Jahre so mit Maik zusammenarbeiten durfte“, so der Schwede fünf Tage nach seinem 38. Geburtstag und dem perfekten Geschenk zum Karriereende. „Es ist schon krass, in meinem ersten Jahr den Titel zu gewinnen. Ich bin unheimlich stolz. Wir haben das ganze Jahr so gut gespielt. Jetzt bin ich nur glücklich, dass wir deutscher Meister sind“, fasste Linksaußen Magnus Jöndal, der in der wichtigen Endphase gegen den Bergischen HC zwei Siebenmeter nervenstark verwandelte, den Erfolg zusammen. „Ich kann das alles noch gar nicht beschreiben. Jetzt fällt erst mal richtig viel Druck ab. Ich werde die deutsche Meisterschaft wohl erst in den nächsten Tagen realisieren“, so Johannes Golla wenige Minuten nach Spielende auf dem Parkett des ISS Dome. Holger Glandorf strahlte nach dem Abpfiff ebenfalls über das ganze Gesicht. „Es ist unglaublich, was die Mannschaft geleistet hat. Die Meisterschaft im vergangenen Jahr hat uns diesmal Gelassenheit gegeben. Wir haben die Neuen schnell integriert, und sie haben alle ihren großen Beitrag zum Erfolg geleistet. Ich musste so lange warten, um deutscher Meister zu werden und nun bin ich es zum zweiten Mal hintereinander geworden. Ich darf in der nächsten Saison zu meinem Karriereende noch einmal in Nordhorn spielen, dort wo alles begann. Das wird richtig emotional, weil dann die ganze Familie und so viele Freunde dabei sind. Aber jetzt will ich eigentlich noch nicht darüber nachdenken“, so der 36-Jährige mit Freude über den erneuten Titel und den Bundesligaaufstieg seines früheren Clubs HSG Nordhorn-Lingen. Aus dem Rheinland startend, auch an einem Ort namens Glandorf vorbei, ging die im ISS DOME gestartete Party dann weiter in Richtung Heimat. Am späten Abend gab es einen rauschenden Empfang im deutschen Haus in Flensburg, wo die Fans schon siegestrunken auf ihre Helden warteten. Und auch die über 2.500 nach Düsseldorf mitgereisten Fans, ließen sich nach ihrer Rückkehr die Party in der Heimatstadt nicht entgehen. Nicht nur der Empfang im deutschen Haus sorgte für Stimmung wie in der „Hölle Nord“, sondern auch am Tag darauf war mindestens dieselbe Anzahl an Fans auf dem Südermarkt versammelt, um ihre Helden noch einmal zu feiern. Am Pfingstmontag, kurz vor 13 Uhr, zeigten sich die schon sichtlich abgekämpften deutschen Meister auf dem Podest und präsentierten die Meisterschale. Und sie gaben noch einmal alles. „The Voice of Danmark“, Lasse Svan präsentierte heiser aber glücklich den von den Fans geforderten Song über die „lille missekat“, den er schon im deutschen Haus inszenierte. Bei jedem Titel der SG Flensburg-Handewitt präsentiert der Rechtsaußen diesen Song, zu dem alle Fans und Spieler, ob textsicher oder nicht, mitwippen. Dabei konnte er sich auf seinen „Chor“, um seine dänischen Mitspieler Rasmus Lauge, Anders Zachariassen und Simon Hald, verlassen. Der 42-jährige Meistertrainer Maik Machulla, der erst im vergangenen Sommer vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen war und als „Rookie“ die Meisterschale nach langer Zeit an den nördlichsten Bundesligastandort holte, beschrieb das Husarenstück. „Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft“, war der Satz, der ihm am meisten über die Lippen ging. Sein kongenialer Co-Trainer und früherer Mitspieler bei der HSG Nordhorn-Lingen, Mark Bult, hob das Kollektiv hervor. „Wir sind stolz, was wir alle gemeinsam mit der Mannschaft geschafft haben. Vielen Dank auch an euch Fans. Ihr seid die Besten“, so der Niederländer. Beim ungezwungenen Stadtfest, für das sich die SG Flensburg-Handewitt immer wieder verantwortlich zeigt, stammelte der routinierte Kapitän Tobias „Tobbe“ Karlsson mit zunehmender Dauer ins Mikrofon, „Ich bin so dankbar“ - wohlweislich, dass es außer seinem Abschiedsspiel am 10. August sein letzter Auftritt als Handballer in der Fördestadt war. Für zusätzlichen Jubel sorgte dann Göran Sögard Johannesen. Der starke norwegische Spielmacher, der mit viel Pech durch eine Verletzung und einen Unfall in seine Zeit bei der SG Flensburg-Handewitt startete, überließ dem ebenso gut gelaunten und glücklichen SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke die frohe Botschaft am Südermarkt. „Göran wird von vielen Topclubs in der Welt umworben. Aber er hat seinen Vertrag bei uns bis 2023 verlängert“, so Schmäschke unter dem Jubel der über 2.500 Fans. Schon vor der Partie beim Bergischen HC und der noch nicht feststehenden Meisterschaft hatte Johannessen seine Unterschrift unter das neue Arbeitspapier geleistet. Neben Lasse Svan, der bis zum Jahre 2022 bei der SG bleibt und dann neben Clubgrößen wie Jacob Heinl, Jan Holpert und Lars Christiansen dienstältester Spieler der SG Flensburg-Handewitt ist, bleibt auch Marius Steinhauser bis 2023. Der Rechtsaußen wurde zum vierten Mal in Folge deutscher Meister. Nach zwei Titeln mit den Rhein Neckar Löwen, gelang ihm dieses Husarenstück nun auch mit der SG. Dies bringt ihm auch den Zusatz „Nichtmeisterschaftsgarantie“ für den THW Kiel ein. So brachte es Torhüter Benjamin Buric, unter „Benko, Benko“ Sprechchören auf den Punkt. Nach wenigen Wochen zuvor geäußerten „Wir sind zu 80 Prozent deutscher Meister“ sagte der Bosnier unter dem Jubel der Fans: „Wir sind jetzt zu 100 Prozent deutscher Meister.“

Text: Jös, Fotos: Nolte