Dienstag, 13. April 2021    05:26

« zurück zur Startseite

DER HISTORISCHE STOCKENSTIEG IM WESTEN DER HALBINSEL EIDERSTEDT

Ein faszinierender Fußweg vom Leuchtturm Westerheversand zum Deich

Eine sehr beliebte Wanderung vom imposanten Leuchtturm Westerheversand zum Deich ist die über den sogenannten berühmten Stockenstieg, auch Stockensteig genannt, abgeleitet zum einen vom friesischen Wort „Stock“. Dieses bedeutet soviel wie „Brücke über Gräben“. „Stieg“ wiederum ist die Bezeichnung für einen kleinen Weg.

Der 45 Zentimeter breite, insgesamt rund einen Kilometer lange und mit besonders hart gebrannten Lehmziegeln geklinkerte historische Fußweg durch das Salzwiesen-Vorland mit seinen herrlichen Strandfliedern und -astern sowie unter anderem etwa 20 Schmetterlingsarten darf mit Rücksicht auf die Zugvögel – die in den Salzwiesen Station machen – nur bei trockener Witterung und in den Sommermonaten vom 01. Juni bis 30. September benutzt werden.

Aufgrund der geringen Breite darf er seit 2001 wie bei einer Einbahnstraße zudem nur in einer Richtung begangen werden: vom Leuchtturm Westerheversand über insgesamt drei Holzbrücken über den Prielen durch das Salzwiesen-Vorland zum eingedeichten Festland (Leikenhusen/Westerhever). Da heißt es „Gänsemarsch“. Weil er so schmal ist, können sich zwei Personen nicht begegnen, ohne den Weg zu verlassen.

Strengstens untersagt ist das Befahren mit Fahrrädern oder Bollerwagen, denn jedes Abkommen von der schmalen befestigten Fläche schädigt die empfindlichen Salzwiesen. Sind die Fluten stärker, kommt es zur Überschwemmung des Stockenstiegs. Dann wird der Weg mitunter eine Zeit lang komplett gesperrt. Erst wenn er wieder trocken und sicher begehbar ist, wird er für das breite Publikum frei gegeben.

1929 war das Jahr der Entstehung des Stockenstiegs, lange nach dem Leuchtturmbau 1906/07. In vergangenen Zeiten gab es auf der Halbinsel Eiderstedt, die von Gräben durchzogen ist, zahlreiche solcher Wege. Angelegt von den Bewohnern der sogenannten Kirchspiele (Kirchspiel: ein zu einer Kirche gehörendes Gebiet) sollten diese Wege den Marsch trockenen Fußes zu den Kirchen oder Schulen über die häufig morastigen Niederungen ermöglichen, da es zu dieser Zeit noch recht wenig befestigte Feldwege gab.

Zum Verfall der Stiege kam es dann im Zuge des Ausbaus des Verkehrsnetzes seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Seit 1981 gibt es neben dem Stockenstieg einen aus anderer Richtung kommenden, schmalen Betonplattenweg. Bis dahin war der Stieg die einzige Möglichkeit, den Leuchtturm Westerheversand über einen befestigten Weg zu erreichen. 1992 wurde der Stockenstieg durch Eintrag in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein denkmalwürdig. Ist er doch das letzte, noch existierende Beispiel traditionellen friesischen Wegebaus und demnach ein geschütztes Kulturdenkmal, welches zum UNESCO Weltnaturerbe Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zählt.

Durch unzählige Sturmfluten, bei denen der Stockenstieg überschwemmt wurde, war der Weg so stark beschädigt, dass er unter großem Aufwand 1999 instandgesetzt wurde. Heutzutage übernimmt unter anderem der Förderverein „Tourismusverein Westerhever-Poppenbüll e.V.“ die Pflege und den Erhalt sowie die Beaufsichtigung des Stiegs. In früheren Zeiten taten dies die sogenannten „Stockrichter“.

... lesen Sie hier den vollständigen Artikel ...