Montag, 14. Oktober 2019    04:58

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Ruth Hartwig-Kruse von Nordstrandischmoor

Seit einem Jahr im Amt: Die Bürgermeisterin der Halbinsel Nordstrand

Die Gemeinde Nordstrand möchte gern, dass die Gäste sich wohl fühlen und wirbt mit dem Slogan: „Meine Insel an Land“. Nun sind es nicht nur die Urlauber, die dieses zauberhafte Eiland für sich entdecken und immer wieder an die Nordsee kommen, es ist auch die Bürgermeisterin, die diesen Ausspruch für sich in Anspruch nimmt: Ruth Hartwig-Kruse, vor 55 Jahren auf der Hallig  Nordstrandischmoor geboren. Vor der Küste Nordstrands hat sich ihr bisheriges Leben hauptsächlich abgespielt, sie hat vier Kinder bekommen, sie ist vierfache Oma und leitete den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Diese Verantwortung hat sie jetzt an ihren ältesten Sohn und an ihre Schwiegertochter übertragen. "Erst seitdem ich zur Bürgermeisterin gewählt wurde und viel Zeit auf Nordstrand verbringe habe ich entdeckt, wie schön es hier eigentlich ist", sagt Ruth Hartwig-Kruse mit einem herzlichen Lächeln. Das betriebswirtschaftliche Denken hat sie beibehalten und prüft jede Ausgabe der Gemeinde genau.

Vor gut elf Jahren ließ sich Ruth Hartwig-Kruse für die Gemeindewahl aufstellen. "Damals wurde beschlossen, dass nur politisch gewählteVertreter für die Biosphäre Halligen arbeiten dürfen. Dieses Amt wollte ich auf keinen Fall aufgeben, und ich bin auch heute noch als eine von zwei Vorsitzenden aktiv", erklärt die Bürgermeisterin. Für sie war es damals keine Option, einmal die Geschicke der Gemeinde mit gut 2.250 Einwohnern zu leiten. Aber seitdem sie dieses Ehrenamt übernommen hat entdeckt sie, wie viel Gestaltungsmöglichkeiten es doch gibt. Sie ist damals der SPD beigetreten, doch sie sieht die Parteizugehörigkeit eher nebensächlich und erklärt: "Wir arbeiten parteiübergreifend, die CDU, die SPD, die Grünen und die Wählergemeinschaft, wir diskutieren viel und entscheiden immer im Sinne der Gemeinde." Geduld zählt nicht unbedingt zu ihren Stärken - manchmal muss sie einfach warten, bis alles unterschriftsreif ist, aber was unbedingt zu ihren Stärken zählt, verrät ihr Kollege, der Nationalpark-Ranger Frerk Petersen: "Ruth ist eine Frau, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Es fällt ihr nicht schwer, Entscheidungen zu treffen, und bei Problemen findet sie immer eine Lösung. Wir sprechen natürlich Plattdeutsch miteinander und sie kennt keine schlechte Laune." Und jeder, der ein Anliegen hat, das die Gemeinde betrifft, darf sich gerne bei ihr zu einem persönlichen Gespräch anmelden - eine offene Sprechstunde gibt es nicht - dafür ganz viel Zeit für die Menschen vor Ort.

Ruth Hartwig-Kruse ist auf der Hallig aufgewachsen. Für sie war es immer ganz natürlich, mit der kleinen Lore gut 15 Minuten über den Lorendamm durch das Wattenmeer zu fahren, bis sie das Festland erreichte. "Zum Glück gibt es auf Nordstrand nocheine Schule, den Kindergarten und viele kleine Unternehmen, wie unsere beiden Supermärkte, eine KfZ-Werkstatt, einen Friseur und ein Bauunternehmen. Wir haben einen Zahnarzt und einen Arzt. Das Thema macht mir Sorgen. Nordstrand sucht verzweifelt einen zweiten Arzt, leider ziemlich erfolglos. Wir haben eine so schöne Natur zu bieten. Nordstrand ist eine Perle", schwärmt die Bürgermeisterin. Sie schätzt den Zusammenhalt in der Gemeinde, in der die verschiedenen Vereine zum geselligen Leben beitragen. Als gutes Beispiel nennt sie die 12. Nordstrander Musiktage, bei denen die Einheimischen gemeinsam mit den Gästen feiern. Vom 15. Juli bis zum 12. August treten jeden Montag an unterschiedlichen Orten verschiedene Bands auf. Mit Livemusik, Bratwurst und Bier "schnackt" es sich doch gleich viel besser.

www.nordstrand.de

 

Text und Fotos: Bärbel Sommer