Mittwoch, 25. April 2018    04:35

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„Nicola“ – eine funktionierende Veteranin unter den Windmühlen

Der Anblick ist beeindruckend und die ursprünglich mechanische Technik ist erstaunlich. Gemeint sind die Windmühlen mit ihren imposanten Flügeln, die sich malerisch in das Landschaftsbild der Schleiregion einfügen. Einst dominierten sie im windreichen Küstenland und erleichterten als die ersten schweren Maschinen, das Handwerk der Müller. Heute gibt es nur noch wenige, die ausschließlich mit „Windkraft“ Korn malen. Die Holländermühle Nicola ist eine der letzten funktionsfähigen Windmühlen von einst 1.600 Windmühlen in Schleswig-Holstein. Majestätisch steht sie am Schleiufer der Kreisstadt Schleswig, so als sei dies von jeher ihr Platz gewesen. Doch die Mühle, mittlerweile ein Wahrzeichen der Schleistadt, stammt ursprünglich aus Legan. Im Jahre 1861 wurde die Windmühle unter dem ursprünglichen Namen „Margarethe“ errichtet, war bis zum vorigen Jahrhundert im Betrieb und musste dann der modernen Technik der Industriemühlen weichen. Der Zahn der Zeit nagte an der Mühle. Sie verfiel bis zu dem Zeitpunkt, als Nicola und Arndt Jansohn sie aus dem Dornröschenschlaf erweckten.Das Ehepaar hatte schon immer einen Faible für historische Windmühlen. Den Stein ins Rollen brachte ein Pfingstausflug zum Deutschen Mühlentag im Jahr 2010. „Wir besuchten eine Mühle in Bargum und waren fasziniert. Der „Mühlen-Virus“ hatte uns infiziert und vier Wochen später hatten wir eine“, erklärt Arndt Jansohn zurückblickend und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Vielleicht kommt ja auch die Liebe zu alten Mühlen, weil mein Großvater Müllermeister in Ostpreußen war.Obwohl von der Mühle nur noch der Achtkant - das heißt das Holzgerüst - vorhanden war, kaufte Jansohn die Ruine mit dem Ziel, die fehlenden Teile rekonstruieren zu lassen und die Mühle an einem geeigneten Standort wieder aufzubauen.Der erste Gedanke, die Mühle in Morsum auf Sylt zu errichten scheiterte an baurechtlichen Vorgaben. Glück für die Schleistadt, denn das „Team Vivendi“ schenkte dem frischgebackenen Mühlenbesitzer ein 6.000 Quadratmeter großes Grundstück direkt am Schleiufer. Im Gegenzug wurde die Mühle Bestandteil einer Stiftung, die es sich zur Aufgabe macht, das historische Kulturdenkmal als “funktionierendes Museum” der Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen.Nachdem die Mühle, die mittlerweile auf den Vornamen von Arndt´s Ehefrau „Nicola“ getauft wurde, im September 2010 abgebaut wurde, erfolgte ein Jahr später der Transport der Mühlenteile nach Holland, wo man sie komplex sanierte. Zusätzlich wurden die fehlenden Bauteile durch Rekonstruktionen ersetzt. Im April 2013 erfolgt dann der letzte Schritt mit dem Wiederaufbau auf das mittlerweile hergestellte Sockelgeschoss. Die Mühle ist jedoch nicht nur „Museum“ und kann an den Wochenenden besichtigt werden, sondern sie ist eine der wenigen Mühlen, die in Abhängigkeit von den Windverhältnissen regelmäßig “Bioland” Brotgetreide mahlt, und zwar von Arndt Jansohn persönlich. „Unser Mehl ist wesentlich energiehaltiger und vitaminreicher als das von der Industrie angebotene Mehl“, betont er. „Das Korn wird schonend durch den Mühlstein gebrochen, anstatt wie heute üblich gequetscht.“ Das gesunde Vollkornmehl kann man nach einer ausgiebigen Erkundung der Mühle von den Besuchern erworben werden. Zusätzlich beliefert Arndt Jansohn Gastronomiebetriebe mit seinem nach alten Handwerk hergestellten Produkt.

Text: Andrea Weide Foto: Jörg Weide