Dienstag, 19. November 2019    18:44

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Rote Straße und Friesische Straße in Flensburg: Stadtbummel auf historischen Wegen

Als „Flensburgs Schmuckkästchen“ wird sie angepriesen, als „Kleinod“ und „Shoppingmeile für besondere Geschäfte“: Die Rote Straße. Sie ist zwar gerade einmal 200 Meter lang. Die hier ansässigen Geschäftsleute verstehen sich jedoch bestens darauf, jeden noch so kleinen Winkel der Altstadtgasse zu nutzen: Klappstühle werden zu kreativ „besetzten“ Werbeträgern für hochwertiges Schuhwerk, Fenstersimse dienen als Präsentationsfläche für bunte Wollknäule, ein leuchtend angezogenes Beinpaar weist auf einen exquisiten Modeladen hin, und in nahezu jeder Ecke findet ein liebevoll bepflanzter Blumenkübel Platz. Die gesamte Straße liefert so besonders in den warmen Monaten ein farbenfrohes Fotomotiv. Ein Treffpunkt mit GeschichteZu den Attraktionen dieser kurzen Einkaufsmeile gehört, dass sie nicht nur eine besonders hübsch herausgeputzte Gasse ist, sondern auch Ein- und Ausgang zu fünf ganz unterschiedlichen Hinterhöfen: Braaschhof, Krusehof, Sonnenhof, Blumenhof und Roter Hof. Wo heute Gastronomen zum Verweilen und Geschäfte zum Stöbern einladen, war schon im 19. Jahrhundert immer etwas los, denn die Rote Straße liegt auf der Route des historischen Ochsenweges.Zwischen Wedel an der Elbe und dem dänischen Viborg verläuft dieser Handelsweg, auf dem Bauern und Kaufleute Jahrhunderte lang Vieh und Waren zu den großen Märkten um Hamburg herum brachten. In der Roten Straße handelten sie und spannten sie aus – und das nicht nur beim Bier, sondern auch ganz wortwörtlich: In den Höfen wurden die Pferde ausgespannt und konnten sich von den langen Reisen erholen.Die Kaufmanns- und Handwerkerhöfe von damals, von denen sich in der Flensburger Innenstadt zahlreiche weitere entdecken lassen, wurden später liebevoll restauriert. Entspannung, Handel und Gastronomie bieten sie ihren Besuchern auch heute – zu Pferd kommt jedoch niemand mehr, höchstens auf dem Drahtesel.Wer sich fragt, warum die Rote Straße rot ist, ist bereits auf der falschen Fährte. Der erste Bestandteil des Namens, der auf eine Farbe – oder womöglich ein gewisses Milieu – hinzuweisen scheint, hat einen ganz anderen Ursprung. Das „Rot“ kommt von „Rude". So hieß schon früh der Stadtteil, in den man stadtauswärts gelangte, wenn man durch das Tor ging, das die Rote Straße ursprünglich am südlichen Ende begrenzte. Anfang der 1870er Jahre wurde dieses „Rote Tor“ – Pendant des bis heute erhaltenen Nordertors am Ende der Norderstraße – jedoch abgerissen.Über kurz und langAm anderen Ende stößt die Rote Straße auf die Friesische Straße. Sie beginnt direkt am Südermarkt und zieht sich dann einen der von Flensburger Radfahrern oft verfluchten „Berge“ hoch. Mit rund 1,5 Kilometern Länge ist sie mehr als siebenmal so lang wie die Rote Straße. Auch die Friesische Straße geht auf einen historischen Weg zurück. Sie verlief ursprünglich vom Flensburger Südermarkt bis in das friesische Städtchen Leck – womit die Namensgebung um Einiges einfacher nachzuvollziehen ist als bei der Roten Straße. Auch entlang dieser zudem deutlich größeren Ausfallstraße gibt es Einiges zu entdecken. Grüner Start Richtung FrieslandGleich zu Beginn beweist das „Kleine Saathaus“ seit zehn Jahren, dass Gartenbedarf nicht nur in großen Gartencentern außerhalb der Innenstädte ein Zuhause hat. In dem kleinen Laden wird nicht nur allerlei Saatgut angeboten, Gartenfreunde können sich in dem gut sortierten Fachgeschäft unter anderem mit Erden, Düngern und Kleingartengeräten ausstatten. Bergan geht es „grün“ weiter: In dem nach dem Reformator Martin Luther benannten Lutherpark blüht im Frühling eine ganze Krokuswiese. Im weiteren Verlauf der Friesischen Straße säumen mehrstöckige Gebäude aus der Gründerzeit die Straße. Lädt die Rote Straße mit ihrer bunten Mischung aus Gastronomie und kleinen, feinen Geschäften zum Bummeln ein, liegt der Fokus in der Friesischen Straße auf den Fachgeschäften. So sind hier in den unteren Etagen der größtenteils aus Wohnhäuser genutzten Gebäude unter anderem ein Fotostudio, ein Farbenhändler und ein Elektrogeschäft zuhause.

Text und Fotos: Imke Voigtländer