Montag, 10. Dezember 2018    13:37

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Claudia und Ralph Kerpa aus Langenhorn: Holz und Fotografie als kreative Spielwiese

Ein feiner Sandstrand fast bis zum Horizont, dahinter blaue Meeresbrandung; im Vordergrund ein roter Strandkorb mit gestreiften Polstern, ein Symbol für Ferien, Ausruhen und das Absenken der inneren Betriebstemperatur schlechthin: Farbige Momente, festgehalten mit der Kamera in der unendlichen Küstenlandschaft am Übergang vom Land zum Meer. Oder aber das genaue Gegenteil: Kontrastreiche, schwarz-weiße Herbststimmung am Wasser, das daliegt wie ein Spiegel oder das Gewirr der Schwimmkräne im Museumshafen von Övelgönne. „Das Schönste für mich ist ein gut ausgeleuchtetes Bild“, sagt Ralph Kerpa (53). Eigentlich sei die Fotografie in Schwarz-Weiß seine große Leidenschaft. Das Motiv entscheidet letztendlich darüber, ob das Foto farbig wird oder eher schwarz-weiß: „Bei Bildern in Schwarz-Weiß kann man noch mehr mitteilen, es ist eine Reduktion auf das Wesentliche.“ Und: „Jedes Bild ist garantiert nur einmal vorhanden und damit ein Unikat“, betont er. 

Gemeinsam mit seiner Frau Claudia (44) hat sich der gelernte Fotograf von Geesthacht in einen stillen, malerischen Winkel Nordfrieslands zurückgezogen, direkt in den alten Kern der Gemeinde Langenhorn, um hier in dem kleinen Atelier namens „Meerart“ mit angegliederter Werkstatt das Charakteristische der Region künstlerisch in Szene zu setzen, um Energie zu tanken und kreativ sein zu können. „Wir waren immer schon Richtung Westküste orientiert. Wir sind begeistert von den Menschen hier, von der reizvollen Mischung aus Einheimischen und Zugezogenen, offen und ehrlich und zu ihrem Wort stehend“, erzählen die beiden. Das Künstlerehepaar ist viel unterwegs: „Wir gehen jeden Tag mit geschärften Sinnen durch die Welt und finden stets etwas, was wir brauchen und verwerten können“, meint Claudia Kerpa. „Manchmal sehen wir etwas und wissen genau, was daraus werden kann, dann wiederum ‚parkt‘ etwas jahrelang in der Werkstatt.“ Die Strände geben viel her: Da ist das Fragment einer kleinen Luke mit Scharnieren, wahrscheinlich von einem Schiff, eine kleine Kostbarkeit, die, aufgearbeitet, versiegelt und mit Wachs überzogen, zu einem künstlerischen Objekt wird. Auch Schwemmholz ist, zwar zart und brüchig, noch zu etwas nütze: daraus entstehen die Füße für originelle Lampen. Seine Bilder rahmt Kerpa allesamt eigenhändig in seiner Holzwerkstatt. Dafür verwendet er meistens Holz, das er „vor dem Ofen rettet“, mitunter ist es auch eine auseinandermontierte Einwegspalette, deren aufgearbeitete Planken mit kleinen „Schacken“ und Unebenheiten ein Bild noch origineller in Szene setzen können. In jedem Falle stecken in allen Bilderrahmen, in allen Objekten viele „Voraus“-Gedanken, „die man im Kopf sammelt und irgendwann wieder hervorholt“, so Claudia Kerpa. Es ist ein „Upcycling in kleinen Chargen“, nie alltäglich, immer ein wenig exotisch, nie verschwindend in einer großen Masse, nie beliebig und immer auf dem Weg zu einem Ziel, denn „als Künstler ist man nie fertig“, betonen beide. Viel Kraft und Energie, jeden Tag frisch und fröhlich zu beginnen und mit Spannung zu erwarten, was er bringt, tanken die beiden aus ihrem Blog, der sich mit Themen rund um die Nord- und Ostsee sowie Hamburg und seinen Hafen befasst. „Hier haben wir auch Landschaften gewissermaßen auf digitalem Papier eingestellt. Es ist schön, wenn man die Menschen teilhaben lassen und mitnehmen kann auf eine kreative Spielwiese“, lächelt Ralph Kerpa. Und das Atelier in Langenhorn ist ein Begegnungsort, um Kunstinteressierte in die reale Welt zu holen. 

Text und Foto: Sonja Wenzel