Samstag, 18. August 2018    05:18

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Urnenfreund in Mohrkirch

„Ich war schon ein wenig elektrisiert, als ich vom Urnenfund auf dem Weizenfeld hinter meinem Hof hörte.“ Johannes Callsen ist immer noch fasziniert von den Fundstücken, die Archäologen vom Archäologischen Landesamt freigelegt haben. „Und das wenige Hundert Meter von meinem Küchenfenster entfernt“, berichtet er.

Für ihn ist es nicht nur ein besonderer Fund, weil er auf seinem Ackerland freigelegt wurde, sondern weil es dem Heimatforscher Joahnnes Callsen ein weiteres Puzzlestück zur Geschichte des Familienhofes Langdeel liefert. Bereits als Kind hat er sich mit der Geschichte seiner Familie beschäftigt, später das Kloster Mohrkirchen erforscht, darüber ein Buch geschrieben und sich neben seinen politischen Ambitionen immer der Heimatforschung verbunden gefühlt. „Da ist so ein Fund natürlich etwas ganz besonderes“, schwärmt er und versucht, die gefundenen Urnen geschichtlich einzuordnen.

Im Jahre 1778 haben seine Vorfahren im Mohrkircher Ortsteil Langdeel eine Landwirtschaft aufgebaut. Die einst dem Kloster gehörenden und später vom Herzog bewirtschafteten Äcker und Wiesen wurden durch die Parzellierung aufgeteilt. Bereits sein Großvater berichtete von Tonscherben, die er beim Pflügen gefunden hatte, diesen aber wenig Bedeutung beigemessen hat. Auch von Hügelgräbern, die dort einst sichtbar  waren, wurde berichtet. Durch Ausgrabungen und gefundene Einzelstücke wird vermutet, dass vor 2000 Jahren nördlich des jetzt gefundenen Urnenfriedhofes eine Siedlung gelegen haben könnte. Wahrscheinlich sind die Siedler mit den Angeln und Sachsen nach Britannien übergesetzt. 

Als Johannes Callsen 2016 von der Planung der SH Netz erfuhr, dass auf seinem Land ein 110.000 Volt Hochspannungskabel verlegt werden soll, war ihm sofort klar, dass hier etwas gefunden werden könnte. So war es dann auch. Als die Bagger anrückten und vorsichtig das Erdreich abnahmen, wurden sehr schnell etwa 40 Tonurnen sichtbar. So kurz unter der Erdoberfläche, dass in der Vergangenheit der Pflug den oberen Urnenring erreichte. Das Archäologische Landesamt sicherte die Urnen und hat sie nach Schleswig transportiert, wo sie fachkundig aufgearbeitet werden. Einige Urnen enthielten sogar Beigaben wie Perlen. Der Fund in Mohrkirch wird vom Archäologischen Landesamt als beachtlich bewertet, zumal die abgetragene Fläche von acht Meter Breite relativ klein ist. 

Dieser, selbst für Fachleute, beachtliche Urnenfund unterstreiche die lange Geschichte dieser Region um Mohrkirch, so Callsen. Da ist der 2000 Jahre alte Urnenfund, zu der sicher eine Siedlung in der Nähe gehört hat - wie das im Jahre 1391 gegründete Kloster Mohrkirchen sowie der 1778 gegründete Bauernhof der Familie Callsen in Langdeel.

Text und Foto: Andrea Weide