Donnerstag, 14. November 2019    19:47


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Restaurant Tauwerk in Kappeln setzt auf junges Personal

Neuer Pächter, neuer Name und das Besondere: ein neues Personal-Konzept. Anfang des Jahres übernahm Michel Helmchen das ehemalige Clubrestaurant des Arnisser Segelclubs (ASC) „Landgang“ in Kappeln. Das Restaurant wurde renoviert, umgestaltet und umbenannt in „Tauwerk“. Im maritimen Ambiente, mit einem tollen Blick auf den Yachthafen, empfängt Michel Helmchen seine Gäste täglich dienstags bis sonntags von 9 :00 bis 21:00 Uhr. Mit dem eigenen Lokal sei für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, sagt der 34-jährige Gastronom, der zuvor als Küchenchef in einem Kappelner Betrieb 13 Jahre berufliche Erfahrung sammeln konnte. Mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Gastronomie setzt Michel Helmchen auf junges Personal. Er hat dafür ein eigenes Konzept entwickelt und es auch der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Flensburg vorgestellt. Seine Idee, ein Restaurant vorwiegend mit Schülern und Studenten zu betreiben und ihnen so nicht nur einen Job zu bieten, sondern gleichzeitig etwas für den dringend benötigten Nachwuchs in der Gastronomie zu tun, ist während seiner Zeit bei seinem früheren Arbeitgeber entstanden. „Im Sommer hatten wir dort immer viele Schüler, die oft engagierter gearbeitet haben als das Fachpersonal“, erinnert sich Helmchen. Einige seien über Jahre dabei geblieben, der eine oder andere habe sich anschließend für eine Ausbildung zum Koch oder im Service beworben. „Im Gastronomie-Gewerbe wird immer Personal gesucht, aber viele Interessierte lassen sich abschrecken von unbezahlten Praktika, in denen sie über Monate nur die Spülmaschine bedienen dürfen oder dem schroffen Ton, der angeblich zur Branche dazu gehört“, bedauert der Restaurant-Betreiber. Deshalb gehe er einen anderen Weg. Wer ein Praktikum im „Tauwerk“ macht, bekommt eine Einweisung von bis zu vier Stunden durch ihn oder sein Fachpersonal. Am ersten Tag kann der Praktikant das neue Wissen und Können sofort anwenden – gegen Bezahlung. Aber auch die, die einen Job suchen, um sich das Taschengeld aufzubessern, ermuntert Michel Helmchen. „Im Tauwerk können sie sich ausprobieren und die Hemmungen verlieren“, sagt er, und so entdecke vielleicht der eine oder andere, dass ihm die Arbeit im Gastro-Gewerbe liegt. Durch verschiedene Seminare direkt im Restaurant wird der Nachwuchs geschult. Sie bekommen Einblick in die Arbeit in Küche und im Servicebereich sowie in die Aufgaben hinter dem Tresen, lernen Weinsorten kennen und wie man einen Fisch zerlegt. Aber auch Mimik, Freundlichkeit, Sauberkeit und der richtige Umgang mit den Gästen wird vermittelt. Wer gut ist und sich traut, kann auch schon als Schüler Verantwortung übernehmen und im „Tauwerk“ eine Schicht leiten. Wichtig sei dem Gastronom zudem ein gutes Arbeitsklima - wenn mal was schief läuft, gibt es keinen Ärger. „Man kann auch in der Küche ruhig bleiben, entspanntes Arbeiten ist uns wichtig“, sagt Helmchen. Zur Zeit beschäftigt er 28 Schüler und Studenten und weitere 7 Festangestellte, darunter die erfahrene Restaurantfachfrau Helga Janz und den 21-jährigen Chefkoch Alex Hein. Beide seien wichtige Schlüsselfiguren für sein Konzept. Während ihm Helga Janz mit ihrer langjährigen Erfahrung eine große Stütze im Umgang mit dem unerfahrenen Personal sei, stehe Alex Hein als Beispiel dafür, dass junge Menschen immer noch Gefallen an Berufen in der Gastronomie haben. „Außerdem hat er aufgrund seines Alters eine gute Verbindung zu den Schülern und Studenten“, so Helmchen. Dass das Konzept aufgeht, davon ist er überzeugt. Schon im ersten Jahr war das Restaurant „ziemlich oft ausgebucht“ und es hagelte Komplimente für sein „gut geschultes Personal“. Sogar für diverse Veranstaltungen in Kappeln werde sein Personal immer wieder angefragt. Helmchen lacht und zuckt mit den Schultern: „Alles Schüler und Studenten, die mit Freude und Engagement dabei sind.“ Natürlich gegen ordentliche Bezahlung, unter Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes und bei flexiblen Arbeitszeiten, denn die Schule oder das Studium haben Vorrang, so der Restaurant-Chef. Ziel sei es, dass möglichst viele von ihnen hinterher sagen:  „Cool, diesen Beruf möchte ich machen.“

Text und Foto: Jörg Kasischke