Freitag, 21. September 2018    02:35

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Wacken: »Szene 1, die erste« - Wie ein Film entsteht

Es ist heiß, 34 Grad im Schatten. Eine schwere, rote Staubwolke hängt über dem Gelände. Tausende, schwarz gekleidete Menschen pilgern zu den Bühnen, „faster, harder, louder“. Es ist Anfang August, das 29. Wacken Open Air wird gerade von seinen Gründern Holger Hübner und Thomas Jensen auf der riesigen Hauptbühne „Faster“ eröffnet. Hinter ihnen, in ihrem Schatten, steht Regisseur Michael David Pate mit seinem Kameramann. Er ist nervös, diesen Moment, den er mit der Kamera einfangen will, gibt es nur ein einziges Mal, Wiederholung ausgeschlossen. Die Bilder müssen stimmen. Vor ihm, unten, 75.000 Menschen in glühender Hitze. Die Metal-Fans stehen dicht gedrängt, bis zum Horizont. Manche tragen Mundschutz gegen den allgegenwärtigen Staub, mit schützenden Caps oder Shirts über dem Kopf. Dann, „Hallo Wacken“, ruft Holger Hübner von der Bühne und hebt, die Finger, zur „Pommesgabel“ verschränkt, seine Hand zum Gruß,  das Publikum jubelt. „Ein unbeschreiblicher Moment“, sagt Michael Pate später. Für die Filmemacher Michael Pate, Hauke Schlichting und Michael Lütje ist das Wacken Open Air an diesem Augustwochenende ein ganz besonderes Festival. Sie arbeiten an einem Kinofilm, „Rain or Shine“ ist der Arbeitstitel. Es wird ein abendfüllender Film über die Anfänge des Wacken Open Airs werden, über das Leben der beiden Macher Jensen und Hübner, damals, vor 29 Jahren, als die Wackener Kühe noch Kühe waren, die Äcker noch Äcker und nicht Pilgerstätte, „holy ground“, zig Tausender Heavy-Metal-Fans aus aller Welt. Nach jahrelanger Vorbereitung ist das dithmarscher Film-Team von „Take 25 Pictures“ nun hier, um die einzigartige Atmosphäre des gigantischen Festivals mit der Kamera einzufangen. 

Das Drehbuch ist längst geschrieben, die Finanzierung steht, an der Besetzung des Films wird noch in letzten Zügen gearbeitet. Auch Vordrehs haben schon statt gefunden: das Dorf ist menschenleer, die Dorfstraße, das Silo, Wahrzeichen Wackens, die Felder und die berüchtigten Wackener Kühe, die legendäre Kneipe „Zur alten Post“. Nun ist Michael Pate wieder unterwegs mit seinem Team, filmt überfüllte Straßen, das gigantische Festivalgelände, freakige Besucher. Währenddessen ist Produzent Hauke Schlichting mit Michael Lütje auf dem VIP-Gelände. Hier sind sie mit Geschäftskontakten und Schauspielern verabredet. Das Filmteam soll das Wacken Open Air authentisch erleben, erfassen, welch gigantische Veranstaltung aus einer Partyidee zweier Wackener Jungs vor 29 Jahren erwachsen ist. 

Heute begegnet Holger Hübner das erste Mal seinem Film-Darsteller, Nicolas Dinkel, ein spannender Moment für alle Beteiligten. Nach erstem zögerlichem Beäugen, erfährt Hübner von seinem jungen Darsteller von Lebensparallelen und gemeinsamen Interessen, das Eis ist gebrochen. Schlichting ist erleichtert, die Besetzung passt. Der Wacken-Film ist für Hauke Schlichting ein besondere Herzensangelegenheit, denn auch er ist treuer Wacken-Fan, fast ein Mann der ersten Stunden. Der Film ist nicht nur ein Kinoprojekt, sondern seine Leidenschaft. Auch im VIP-Zelt drückt die Hitze unerträglich. Von den Bühnen hämmert die Musik über das weite Gelände. Am Abend ist die Arbeit getan, jetzt feiert auch das Filmteam mit allen anderen, Ausnahmezustand, in dem 1600 Seelen Dorf Wacken im Kreis Steinburg.

Text und Fotos: Claudia Steinseifer / Lars Michaelsen