Mittwoch, 21. November 2018    05:23

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Das Expeditionsschiff "Feuerland": Sigmar Schwabe auf den Spuren des "Fliegers von Tsingtau"

"Der Aufklärungspilot Gunther Plüschow (1886-1931) veröffentlichte im Jahre 1916 sein erstes Buch: "Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau". Darin beschreibt er seine abenteuerliche Flucht aus China während des Ersten Weltkriegs, mit der er verhinderte, dass sein Flugzeug und wertvolle Unterlagen in den Besitz des Feindes gelangten. Mit diesem Buch wurde er zu einer berühmten Persönlichkeit in Deutschland. Der Buch-Klassiker fiel dem gebürtigen Dithmarscher Sigmar Schwabe, Zahnarzt in Hennstedt, vor mehr als 30 Jahren in die Hände. "Das Buch hat mich dermaßen fasziniert, ich wollte mehr erfahren über den Abenteurer Plüschow", erzählt Schwabe. Seitdem bereist er mit seiner Familie die Orte, an denen sich Plüschow zu Lebzeiten aufgehalten hat.  "Überall sind wir auf die Spuren von Plüschow gestoßen, sei es eine Straße in Ushuaia in Argentinien, die nach ihm benannt wurde, oder das Plüschow-Denkmal am Lago Argentino in Patagonien", verrät Schwabe. Er ist dermaßen fasziniert von der Persönlichkeit Plüschows, dass er in seiner Freizeit Vorträge hält über das abenteuerliche Leben des Mannes hält. In Deutschland gelang es Plüschow, einen 16 Meter langen Segelkutter zu erwerben, der in einer Büsumer Werft  vom Stapel lief und den er "Feuerland" nannte sowie ein Heinkel-Wasserflugzeug, das er auf den Namen "Tsingtau" taufte.Von Büsum aus begann seine Reise mit der Überquerung des Atlantiks, mit an Bord der „Feuerland“ war seine fünfköpfige Besatzung. In Punta Arenas in Chile nahmen er und sein Freund, der Flugzeugmachaniker Ernst Dreblow, das Wasserflugzeug in Einzelteilen in Empfang, bauten es zusammen und begannen mit den Aufklärungsflügen in der Region. Plüschow war der erste Mensch, der Feuerland und Kap Hoorn mit seinem von der einheimischen Bevölkerung inzwischen in "Silberkondor" umbenannten Wasserflugzeug überflog und in der Bucht von Ushuaia (Argentinien) landete. Sein Abenteuer in Patagonien dauerte zwei Jahre, danach veröffentlichte er in Deutschland das Buch "Silberkondor über Feuerland" und brachte einen geografischen Dokumentarfilm zur Aufführung, einzigartig zu damaliger Zeit. Er kam im Januar des Jahres 1931, gemeinsam mit seinem Freund Dreblow, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.Das Wasserflugzeug wurde dabei vernichtet, was bleibt ist die „Feuerland“ als historisches Expeditionsschiff, das 1927 in Büsum als hochseetaugliches Transportschiff vom Stapel lief und jetzt nach einer abenteuerlichen Rückkehr in der Flensburger Museumswerft auf seine Restaurierung wartet. Der "Förderkreis Expeditionsschiff Feuerland e.V." setzt sich ein für die Finanzierung der denkmalgerechten Restaurierung des historischen Expeditionsschiffes. "Mit der Gründung des Förderkreises am 20. Dezember 2006 erfolgte die Eintragung der Feuerland in das Denkmalbuch für Kulturdenkmale aus geschichtlicher Zeit. Die Feuerland ist Teil der faszinierenden Geschichten des deutschen Abenteurers Gunther Plüschow und sollte als zeitgeschichtliches Denkmal erhalten bleiben", sagt Schwabe als Gründungsmitglied des Förderkreises, der noch Unterstützer und vor allem Sponsoren sucht.

Text und Fotos: Bärbel Sommer