Donnerstag, 17. Januar 2019    06:17

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Duo "VILOU"

Musik voll von Kreativität, Bewegung und ständiger Veranderung

Draußen das Licht der klaren Wintersonne, drinnen ein Sofa mit bunten Kissen, eine Frau mit zwei Bongotrommeln und ein Mann mit einer Gitarre; draußen der kalte Ostwind, der in kurzen, harten Stößen welkes Laub vor sich herwirbelt, drinnen die glockenklare Stimme der Frau, die ihren Gesang mit sachtem, rhythmischem „Tapp-Tapp“ auf den Bongos untermalt und dazu dezent und einfühlsam auf der Gitarre begleitet wird; ein kurzer Blick zwischen den beiden reicht für die Verständigung. „Vilou“ nennt sich das Duo,  eine Verschmelzung der Namen: Kristofer Vio und Marie-Lou, er ursprünglich aus dem polnischen Szczecin (Stettin) stammend, sie aus Berlin. Kristofer Vio ist auf allen Instrumenten zu Hause, die „entweder Saiten oder Tasten“ haben. Marie-Lou war Lehrerin an der Nordseeschule in Sankt Peter-Ording. „Vor der Schule steht der Berliner Bär – so habe ich mich immer zu Hause gefühlt“, lächelt die Frau mit der schweren, dunklen Haarmähne. Kristofer Vio, intensiv blaue Augen unter breiter Stirn, kam in den 1980-er Jahren erstmals nach Sankt Peter-Ording und musizierte dort in der Saison mit einer polnischen Kurkapelle. Später war er 13 Jahre lang als Musiker in Hamburg tätig. 

Begegnet sind sie sich in Sankt Peter: Marie-Lou tanzte Salsa, Kristofer machte dazu die Musik. „Zuerst dachte ich, er sei Musiklehrer, der nebenbei ein wenig musiziert – mehr nicht“, erzählt sie humorvoll von den ersten Schritten Seite an Seite. Tatsächlich aber war es sehr viel mehr: Zwar gibt Kristofer Vio tatsächlich Musikunterricht; aber er hatte jahrelang schon einen Plan: „Ich war auf der Suche nach einer Sängerin für ein Musikprojekt, aber je besser die Sängerinnen waren, umso mehr waren sie eingebunden in viele Projekte und hatten keine Zeit. Aber hier, am Ende der Welt, habe ich eine gute Sängerin kennengelernt, die viel Zeit hatte“, führt er aus. Marie-Lou, mit Affinität zu Rock, Pop und Jazz, war selbst auf der Suche nach einer eigenen Band: „So ist irgendwann ‚Vilou‘ entstanden“, sagt das Künstlerehepaar. 

Beim Jazz-Festival auf Föhr im Jahre 2014 habe sie mit Kristofer Vio und einer Band bei zwei Liedern mitgewirkt und sei „vor Lampenfieber bald gestorben“. Zur eigenen Hochzeitsfeier gaben die frischgebackenen Eheleute ein Konzert. Irgendwann habe er gesagt: „Wenn du neben mir auf der Bühne stehst, fress‘ ich einen Besen.“ Den Besen musste er „fressen“, es half alles nichts: Der Wirt hatte klugerweise einen Mini-Besen aus Brotteig gebacken… 

Marie-Lou und Kristofer Vio sind offen nach allen Seiten: Sie spielen gern als Duo, aber fast noch lieber mit größeren Bands und live Instrumenten, beispielsweise auf Festivals. Oft greifen sie als Duo auf Playbacks zurück, die von Kristofer handgemacht sind: „Er hat die Playbacks zu einer eigenen Kunst erhoben, und mit ihnen im Hintergrund kann ich mich ganz auf mich selbst und den Gesang konzentrieren“, so Marie-Lou. Kristofer verkörpert das Element „Erde“, sie das „Feuer“ – Gegensätze ziehen sich an – und beide, zwischen denen 18 Lebensjahre liegen, haben ein Motto für ihren gemeinsamen musikalischen Weg: „Vilou ist ein Beispiel dafür, dass die unergründlichen Wege, die wir gehen müssen, die Niederlagen und Schicksalsentscheidungen schließlich doch sinnvolle Puzzleteile eines Gesamtbildes ergeben und Etappen sind auf dem Weg zur Erfüllung der eigenen Träume.“ Oder: „Wunder geschehen nur, wenn man fest an sie glaubt.“ 

Entstanden ist vor einiger Zeit die CD „Übermalt - Vilou & the Gipsy Gentlemen“ mit den Musikern Andreas Grünewald, Andreas Bünning, Nils Conrad und Ulf Meyer. Die begleitenden Fotos schoss Shirin Baouche. „Für diese wunderbare Zeit des gemeinsamen Musikmachens danken wir allen Künstlern sehr.“ 

„Übermalt“ wartet mit klugen Texten zum Zuhören auf, ist handgemacht und intim, ein wenig Soul, ein wenig Bossa Nova, aber ganz viel Chanson, geeignet für Kaminfeuer und eine Flasche Rotwein. Marie-Lou ist auch Musik-Gestalttherapeutin und sieht die heilsame Komponente der Musik. „Wenn wir mit dem Publikum in Kontakt kommen und die Zuhörer einen Weg ins eigene Innere finden – dann haben wir ein Ziel erreicht.“  

Text und Foto (rechts): Sonja Wenzel