Montag, 28. Mai 2018    09:29


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Elke Carl - eine echte Nordfriesin mit Humor und Disziplin

Dieser Spruch, der golden gerahmt die Gäste in ihrem Hause begrüßt, begleitete sie ein Leben lang. Sie pflegte ihre Mutter und ihre Schwiegermutter, sie war für ihre Tochter Annelie da, als diese an Krebs erkrankte. „Ich habe meine Tochter im Arm gehalten, als sie im Jahre 2009 verstarb“, so Elke Carl.  Im Februar des Jahres 1934 wurden Elke und ihr Zwillingsbruder Reinhold in der Süderstraße in Husum geboren. Der Vater, der sich eigentlich als Schlosser auf der Husumer Werft selbstständig machen wollte, fiel im Zweiten Weltkrieg. Damals waren die Zwillinge sechs Jahre alt. „Meine Mutter war allein mit fünf Kindern, meine Brüder und ich mussten gehorchen und parieren“, erinnert sie sich. Nur so war es der Mutter möglich, die Kinder großzuziehen. Sehr früh schon übernahm Elke, die einzige Tochter im Haus, Verantwortung für ihre Familie. Sie erklärt: „Meine Mutter war oft krank, einmal kam sie aus dem Krankenhaus und wir hatten die Lebensmittelmarken aufgespart, um sie wieder aufzupäppeln. Es war eine schwere und doch schöne Zeit.“  Mit 14 Jahren verließ Elke Carl die Schule und verdiente beim Bäcker in der Bahnhofstraße als Verkäuferin ihr erstes Geld. Mit 21 Jahren lernte sie ihren späteren Mann kennen: Hans-Peter Carl, ebenfalls gebürtiger Husumer. Sie verliebte sich auf den ersten Blick in den blonden Mann, dessen äußeres Erscheinungsbild ganz im Gegensatz stand zu den dunkelhaarigen Männern ihrer Familie. Im Februar des Jahres 1956 wurde Hochzeit gefeiert. Die beiden machten sich selbstständig und fuhren mit zwei Fischwagen über Land. Ein Fischgeschäft mit eigener Räucherei wurde in Osterende eröffnet und für kurze Zeit waren sie Besitzer von „Obsens Hotel“, bis sie das Restaurant „Blinkfüer“ übernahmen. An eine bestimmte Zeit erinnert sie sich besonders gerne: „Als unsere beiden Kinder noch klein waren, hatte ich sie trotz der vielen Arbeit immer bei mir.“ 

Paula-Maria Karsten aus Schobüll hat viel erlebt mit ihrer Freundin Elke. Sie sagt: „Elke ist immer hilfsbereit und hat für jeden ein offenes Ohr. Geht nicht - gibt‘s nicht. Elke ist eine starke Frau mit Humor und Disziplin.“ Jetzt sitzt sie in ihrem gemütlichen Wohnzimmer in der Hafenstraße. Es duftet nach frisch gebrühtem Kaffee. Im Haus eine wohltuende Ruhe, ganz im Gegensatz zu dem regen Treiben vor dem Haus in Husums beliebter Flaniermeile. „Ich sitze gerne mit meiner Freundin am Fenster und beobachte die Menschen“, sagt die 84-Jährige. Ihr Leben lang war sie unter Menschen, im Jahre 1976 übernahmen sie und ihr Mann das Restaurant „Blinkfüer“ von der Schwiegermutter. Dank der gastfreundlichen Art von Elke Carl und ihrer Kochkünste entwickelte sich das kleine Restaurant im Hafen zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Gäste. „Nachdem mein Mann im Jahre 1999 verstarb, habe ich das Restaurant acht Jahre lang allein geführt und dann verpachtet.“ Und weil jetzt ein Pächterwechsel anstand und sie das Restaurant in der Übergangsphase nicht schließen wollte, hat sie sich kurzerhand wieder selbst an den Herd gestellt - mit 83 Jahren und der Hilfe ihres Enkels Dennis und ihres Sohnes Peter. „Es hat Spaß gemacht, alle Stammgäste waren wieder da, wie in alten Zeiten“, schwärmt Elke Carl.   

Text und Foto: Bärbel Sommer