Dienstag, 16. Juli 2019    23:01

«Zurück zur Startseite

Raumgestaltung mit Glasmosaik

Es scheint, als fange sich das Licht in den funkelnden Glassteinen und werde tausendfach glitzernd zurückgeworfen: Das Mosaik aus Bögen und Kreisen, symmetrisch und perfekt geformt aus winzigen Glas- und Spiegelplättchen, wirkt wie ein Motiv aus Tausend und einer Nacht, entstiegen einem Märchen, das in einem prunkvollen Sultanspalast spielt. Doch Hilke thor Straten ist immer noch nicht ganz zufrieden mit ihrem soeben fertig gewordenen Mosaik-Kunstwerk, das sie auf einer großen, rechteckigen Platte zusammengefügt hat: Hier und da findet sie mit geschultem Auge auf dem Mosaik noch eine kleine Schliere des Klebematerials, die sie jetzt sorgfältig mit einem feinen Schabewerkzeug entfernt. „Diese Arbeit ist mein innerer Kompass, etwas, das ich überall machen kann“, sagt sie. Die Initialzündung dazu erhielt sie bei einem Aufenthalt im australischen Melbourne vor rund 20 Jahren, auf der Suche nach beglückender, vollkommener Erfüllung des Lebens. Dort stieß sie auf Mosaike aus Glas, die „glitzerten und funkelten“: Sie begann sich mit großer Begeisterung und Überzeugung ausführlich mit der Technik zu befassen, die es braucht, um Glasmosaike anzufertigen. Bald überzeugte sie mit der Glut innerer Leidenschaft das Team eines Frisiersalons in Melbourne: „Daraus ist mein erster Interieurjob entstanden, nämlich die Ausgestaltung des Friseurgeschäfts mit Glasmosaik. Ich habe vierzehn Tage lang so gut wie Tag und Nacht gearbeitet.“ Die 42-jährige Nordfriesin ist Künstlerin durch und durch. Sie ist schmal und schlank, mit buntem Rock, prächtiger, dunkler Mähne, die Augen sind kräftig mit Kajal umrahmt. Sie ist umweht von einer fernöstlichen Aura, die nicht von ungefähr kommt: Insgesamt verbrachte sie dreieinhalb Jahre in Indien und ließ dort nicht nur die Pracht von Glasmosaiken in Tempelanlagen auf sich wirken; eine Zeitlang betätigte sie sich künstlerisch in der kulturell bedeutsamen Stadt Pushkar in Rajasthan. Sei es ein Gasthaus in Indien, ein Badezimmer in einer schicken Berliner Wohnung oder ein Loft in downtown San Francisco: Hilke thor Straten war überall in der Welt unterwegs, und immer war es die künstlerische Erschaffung von Objekten aus Glasmosaik, die sie faszinierte und an die sie glaubte. Ohne ihren um zwei Jahre jüngeren Lebensgefährten und künstlerischen Wegbegleiter Morten Keese kann Hilke thor Straten sich ihr Tun allerdings nicht vorstellen. Die beiden ergänzen sich perfekt: Morten, bärtig und ein „ruhiger Vertreter“, ist von Beruf Konstruktionsmechaniker. Er fertigt in handwerklicher Schmiedekunst die Rahmen für Hilkes Werke: Diese in Gemeinschaftsarbeit entstehenden Rauminstallationen sind ausschließlich detailreiche Einzelstücke. Sie verleihen neuen und alten Immobilien ein gewisses Etwas, einen individuellen, nirgendwo sonst zu findenden Pfiff, und sie bringen Tiefe sowie das faszinierende Spiel von Licht in einen Raum. Die beiden haben miteinander ihren „kreativen Frieden“ gefunden, beflügeln sich gegenseitig und lassen einander Platz für Ideen, Gedankenflüge und innere Herausforderungen. „Ich wollte schon immer kreativ sein und etwas erschaffen, was nicht von der Stange ist. Ich kann alle Formen herstellen, die man sich vorstellen kann, aus Holz oder Metall“, sagt Morten.

Text und Fotos: Sonja Wenzel