Freitag, 27. Mai 2022    19:55

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Fischgenuss mit gutem Gewissen

Wer beim Einkauf aufpasst, kann es sich schmecken lassen

Wenn ein leckeres Stück Fisch in der Pfanne brutzelt, schwelen auch manchmal Unsicherheit und Unbehagen mit. Zu drastisch sind die Nachrichten über den Zustand der Weltmeere und die schwindenden Fischbestände. Kann man sich da noch ungetrübt auf ein Fischgericht freuen? Die gute Nachricht: Man kann. Beim Einkaufen mit gutem Gewissen ist aber ein wacher Blick erforderlich und der Mut, auch mal im Handel nachzufragen.

Grundsätzlich sind zwei Handelsschienen zu unterscheiden: In den Supermärkten und Discountläden gibt es fast nur tiefgefrorenen Fisch. Dabei ist es ratsam, auf die diversen Gütesiegel zu achten. Die wichtigsten haben wir im Infokasten auf dieser Seite dargestellt. Wer in speziellen Fischgeschäften einkaufen oder sich sein Mittagessen direkt am Kutter holen will (möglich in Maasholm, Husum und Büsum), sollte sich bei fehlender oder unzureichender Kennzeichnung nicht scheuen, genau nach Herkunft und/oder Fangmethode zu fragen. Ziemlich genau die Hälfte des Fisches im Handel, in Tiefkühltruhe oder Frischetheke, kommt aus Zuchtstationen, die andere Hälfte aus dem offenen Meer, hier oben meist aus Nord- oder Ostsee. Fisch aus den Zuchtbecken stand lange in dem Ruf, wie Puten oder Rinder aus der Massentierhaltung randvoll mit Antibiotika oder Hormonen zu stecken. Die mit Gütesiegel versehenen Angebote unterliegen in der Regel scharfen Bestimmungen, Antibiotika dürfen zum Beispiel nur unter medizinischer Überwachung und nur an erkrankte Tiere verabreicht und nicht mehr an alle ausgestreut werden. Dennoch könnte Einiges verbessert werden: In vielen Zuchtbetrieben wird der Nachwuchs aus dem Meer geholt und im Becken ausgesetzt. Viele Zuchtfische sind Raubfische, verdrücken reichlich Frischfisch aus dem Meer, ein Kilo Thunfisch auf dem Tisch entspricht ungefähr 20 Kilo Futter. Wenn Sie bei Zuchtfisch aus der Frischetheke Zweifel an der Güte haben, greifen Sie lieber zu TK-Produkten mit Siegel – der Verlust an Frische und Geschmack ist, wenn überhaupt, minimal. Und wie sieht es mit dem Fisch aus dem Meer aus?

Entscheidend ist die Gefährdung der einzelnen Fischarten und aus welchem Fanggebiet sie kommen. Manchmal sind einzelne Gebiete besorgniserregend leergefischt, die Fischart ist in anderen Regionen aber noch ungefährdet präsent.

Für eine erste Übersicht, hier ein Blick auf unsere beliebtesten Speisefische: Lachs (19,2 % Marktanteil) als Wildfang aus Alaska gut, aus Kanada und westliche Ostsee noch o.k., aus Aquakultur Norwegen auch. Alaska Seelachs (18,3 %) Wildfang aus USA noch o.k., aus Japan und der westlichen Beringsee nicht mehr zu empfehlen. Hering (17,4 %) Wildfang aus östlicher Ostsee, Nordsee und Norwegen gut, aus der westlichen und zentralen Ostsee bedenklich. Thunfisch/Bonito (11,5 %) weltweiter Wildfang noch o.k., Gelbflossenthun, Weißer Thun, Blauflossenthun nur in Ausnahmen. Dorsch/Kabeljau (4,5 %) Wildfang aus NO-Arktis und westlicher Ostsee noch o.k., NW-NO-Atlantik nicht mehr zu empfehlen. Rotbarsch (1,5 %) generell bedroht und nicht zu empfehlen Karpfen und Forelle: Unbedenklich, guten Appetit!

Damit haben wir gut zwei Drittel unsere Speisefisch eingeordnet, eine Orientierung ist aber nicht ganz einfach. Hilfreich ist der kleine Einkaufsführer WWF Fisch (PDF und APP) sowie die Infoseite im Internet (https://fischratgeber.wwf.de/). Alsdann: Guten Appetit mit reinem Gewissen. Text: Peter Mathy, Foto: Müllerchen/Wikipedia