Donnerstag, 20. Februar 2020    22:36

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Das Gefangenenlager von Frøslev

Am Rande des über 1.000 Hektar großen Waldes von Frøslev, in der Nähe von Pattburg und dicht an der Grenze, liegt das ehemalige Gefangenlager Frøslev aus dem Zweiten Weltkrieg. Es ist heute Gedenkstätte und Museum und beherbergt eine moderne Nachschule, eine freie Schulform für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und in Dänemark sehr beliebt. (Jede „Efterskole“ ist als Internat angelegt und widmet sich einem speziellen Schwerpunkt. Anm. d. Red.). Unter deutscher Besatzungsmacht wurde das Lager 1944 errichtet, um dänische Gefangene, die meist Widerstandsbewegungen angehörten, vor deutschen Konzentrationslagern zu bewahren. Dennoch wurden von etwa 12.000 Internierten während der Besatzungszeit rund 1.600 Gefangene in ein Konzentrationslager überführt.

Im Herbst 1943 deportierte die deutsche Besatzungsmacht eine wachsende Anzahl Dänen in Zuchthäuser und Konzentrationslager in Deutschland. Der Protest der dänischen Behörden blieb ohne Erfolg, aber es gelang ihnen, nach Verhandlungen Anfang 1944 ein Internierungslager auf dänischem Grund zu errichten. Im August 1944 trafen die ersten 750 Gefangenen ein. Unter der Leitung der deutschen Sicherheitspolizei – Kommandant war ein SS-Hauptsturmführer – organisierte die dänische Ordnungspolizei die Aufsicht, Unterbringung, Verpflegung und medizinische Versorgung der Gefangenen. Die Verhältnisse waren im Vergleich zu den Konzentrationslagern südlich der Grenze gut, es herrschten weder Hunger noch Krankheit, es gab keine Brutalität zwischen Gefangenen oder Gefangenen und Gefangenenleitern, da sie nicht um ihr Überleben kämpfen mussten. Das Lager spiegelte im besonderen Maße Dänemarks Sonderstatus im deutsch besetzten Europa wider.

Nach der Befreiung 1945 erhielt das Lager den Namen „Fårhuslager“ und wurde Straflager für so genannte Landesverräter, die mit der deutschen Besatzungsmacht zusammengearbeitet oder auf deutscher Seite an Kriegshandlungen teilgenommen hatten. Im Lager selbst änderte sich nicht viel, da die ersten Monate nach Kriegsende das Gefangenenpersonal dasselbe blieb, auch die Lagerstrukturen und Abläufe änderten sich nicht. Die Gefangenen waren nun aber im großen Maße Angehörige der Deutschen Minderheit in Nordschleswig, etwa 3.000 an der Zahl, die nach 1945 interniert wurden. Von ihnen hatten sich im Krieg viele in einem Loyalitätskonflikt befunden, da sie nach der neuen Grenzziehung 1920 gegen ihren Wunsch zu Dänemark gehörten. Bis nach der Jahrtausendwende wurde über das Thema in der Bevölkerung in Südjütland kontrovers diskutiert, auch im Bezug zu Gedenkstätte und Museum des Frøslevlagers, das aus der Sicht eines Teils nur als Gedenkstätte der dänisch gesinnten Betroffenen und Hinterbliebenen diente. Die Regierung betonte, dass die Verurteilten nach dem Gesetz für ihre Taten, nicht für ihre Gesinnung verurteilt worden waren. Aber um die gesamte Geschichte des Lagers zu veranschaulichen, wurde im Jahre 2012 eine permanente Ausstellung zum „Fårhuslager“ im Museum etabliert.

Das Museum ist Teil des dänischen Nationalmuseums. Es verfügt über drei Ausstellungsgebäude, dem Hauptwachturm und zwei ehemaligen Häftlingsbaracken: H4, in der das „Frøslevlager“ von 1944 bis 45 und H6, in der das „Fårhuslager“ von 1945 bis 49 dargestellt wird.  

Öffnungszeiten bis Ende März: Dienstag bis Freitag, 9:00 bis 16:00 Uhr, Samstag und Sonntag, 10:00 bis 15:00 Uhr. Anschrift: Lejrvejen 83, 6330 Padborg, Dänemark. Mehr Informationen: natmus.dk

Text: Yvonne Boisen, Fotos: Nationalmuseum