Montag, 10. Mai 2021    06:11

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DER HERINGSZAUN IN KAPPELN

Aufschwung für den Stammhalter

Man sieht nicht allzu viel von ihm, gefühlt nur etwa eine Handbreit über dem Wasser, aber er ist das Wahrzeichen von Kappeln an der Schlei. Im Vergleich mit anderen Wahrzeichen wie dem Kölner Dom oder dem Eiffelturm wirkt der Heringszaun eher unauffällig und bescheiden. Noch bescheidener sah er allerdings Anfang dieses Jahres aus. Der Zahn der Zeit hatte tüchtig an ihm genagt, er selbst sah auch aus wie eine löchrige und verbogene Zahnreihe. Aber das ist Geschichte: Nun steht er wieder - zumindest zum größten Teil - stramm und ansehnlich vor der Kappelner Skyline im Schlick der Schlei, und das war ein gehöriges Stück Arbeit. Nicht allein, die fast 1000 mächtigen und wasserresistenten Eukalyptusstämme unweit der Klappbrücke einzurammen, nein, die Renovierung vom Plan in die Tat umzusetzen und vor allem die Finanzmittel dafür aufzubringen, war ein langer und zäher Kampf.

Der eine Trichter des Heringszauns, der in den letzten zwei Monaten schon fertiggestellt wurde, schlug schon mit 521.000 Euro zu Buche, Kappeln konnte glücklicherweise auf 440.000 Euro Förderung des Landes und der EU zurückgreifen. Immerhin steht das pfählerne Monument als letzter seiner Art in Deutschland unter Denkmalschutz. Um den zweiten Trichter zu finanzieren, dessen rudimentäre Reste noch neben dem Neubau stehen, fehlen noch gut 300.000 Euro. Stadt, Sponsoren und vor allem der Verschönerungsverein Kappeln setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, diese mächtige Summe zusammenzutragen. Nicht zu vergessen: Derzeit fehlen natürlich auch coronabedingt die Einnahmen durch den Tourismus. Ulrich Bendlin von der Bauverwaltung der Stadt erklärt: „Der zweite Trichter soll und wird kommen, wahrscheinlich aber nicht mehr in diesem Jahr. Bis dahin wird der alte Zaun, der unter Denkmalschutz steht, durchhalten müssen. Aber wir setzen alle alles daran, dass auch er erneuert wird.“

Die zwei Trichter stehen auch sinnbildlich für den Zwist und Zwiespalt um die Heringsfischerei an der Schlei. Als Schleswig 1280 die Stadtrechte bekam, sicherten sich die Schleswiger gleich auch die alleinigen Fischereirechte für die gesamte Schlei. Vorrangig für ihre Fischersiedlung Holm, die noch heute ein sehenswertes Relikt der alten Zeiten ist. Das stieß natürlich den Grundbesitzern an diesem Ostseearm, den sogenannten „Schleijunkern“, übel auf. Sie waren der Meinung, zu ihren Grundbesitzen würden auch die angrenzenden Gewässer zählen. So erstritten sie sich das Recht, zumindest Fangzäune zu errichten.

Im 17. Jahrhundert schmückten die Schlei bis zu 40 Zäunen, die bisweilen sogar die Schifffahrt auf der Schlei behinderten und bedrohten. Das wurmte wiederum die Schleswiger, denn ihr Interesse galt vorrangig dem Ostseehandel, dem damaligen Garanten für Wohlstand. Außerdem waren sie allein zuständig für die Verkehrssicherheit auf der Schlei, mussten für Betonnung, Aufrechterhaltung und Lotsendienste sorgen. Dieser lokale „Fischereikrieg“ wurde erst durch ein richterliches Urteil im Jahr 1924 beendet, seither haben die Schleswiger nur noch Fangrechte bis Sieseby (etwa auf der Schleihälfte), den Rest teilen sich Arnis, Kappeln & Co.

Eingangs dieser Geschichte verglichen wie das Kappelner Wahrzeichen mit dem Kölner Dom, dessen Bau 1248 begonnen und erst 1880 vollendet wurde. Die Geschichte des Fischereistreites seit der Schleswiger Stadtgründung bis zur gerichtlichen Einigung umfasst fast den gleichen Zeitraum. Also muss sich der Kappelner Heringszaun in Sachen Geschichtsträchtigkeit in keinster Weise verstecken ...

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