Dienstag, 04. Oktober 2022    04:43


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„Lüttje erfindet ein Fahrmobil“

Ein liebenswertes Bilderbuch von Caroline Panozzo

Da ist das Kind „Lüttje“, das gern ein Fahrrad hätte; nur ist dieses bei näherer Betrachtung teilweise recht unpraktisch, weil es beispielsweise ganz schön kippelig ist; übel ist auch, dass man sich so gar nicht entspannt daran anlehnen kann... Doch Lüttje stößt auf einen Haufen Schrott mit allerlei brauchbaren und verlockenden Gegenständen, aus denen man nicht nur ein Fahrrad, sondern ein höchst originelles Vehikel basteln kann – freilich nur mit „gemütlichen“ Bauteilen. Und zum Glück sind die beiden Individuen Schnorch Radele und Ulli Bautenzug der „Schrauberei“ anheimgefallen und unterstützen Lüttje bei der Konstruktion eines ultimativen „Fahrmobils“, wo sie nur können. „Lüttje erfindet ein Fahrmobil“ stammt aus der Feder der Flensburger Buchillustratorin Caroline Panozzo - ein charmantes Bilderbuch, gewürzt mit einem „Hauch Chaos und sympathischem Kuddelmuddel“, wie die Autorin selbst sagt bei der Vorstellung des Bilderbuchs als Crowdfunding-Projekt. Die 27-Jährige stammt aus Angeln und ist durch und durch Künstlerin. Ihre ersten Gehversuche mit Stift und Papier machte sie bereits als Kleinkind. Kunst und Musik sind seit jeher ihre Lebens-Schwerpunkte. An der Uni Flensburg begann sie noch im Jahr ihres Schulabschlusses 2014 Kunst und Philosophie – später ersetzt durch Musik – zu studieren und schloss 2018 mit dem Bachelor of Arts (Bildungswissenschaften, Schwerpunkt Sekundarschulen) ab. Anschließend begann sie ihren Masterstudiengang für Lehramt Musik und Kunst. Caroline Panozzo ist vielseitig tätig als Chorleiterin, Kunst- und Musiklehrerin im Bereich „Darstellendes Spiel“, aber ganz besonders als freischaffende Künstlerin. Immer wichtiger jedoch werden für sie die Bereiche Illustration und Grafikdesign. Das Bilderbuch ist geeignet ab einem Lebensalter von fünf Jahren. Caroline Panozzo hat es unter dem Blickwinkel der „Gender Diversity im Bilderbuch“ entwickelt – ebenfalls Thema ihrer Masterarbeit, die übrigens nominiert wurde für den Preis der besten Abschlussarbeit. „Bilderbücher sind immer noch geschlechtsspezifisch – doch die Geschlechteridentität im Bilderbuch kann die kindliche Entwicklung durchaus beeinflussen“, sagt sie im Telefongespräch. Sie hat über dieses Thema geforscht und sich eingehend mit Menschen auseinandergesetzt, die „nicht im binären Geschlechtersystem“ verhaftet sind. „Die handelnden Figuren habe ich anhand meiner Forschungsergebnisse gestaltet“, so die Künstlerin weiter. Mit sprachlicher Wendigkeit und Erfindungsgeist ist es ihr gelungen, beispielsweise keine geschlechter-spezifischen Pronomen zu verwenden: „Das war nicht immer einfach – manchmal habe ich mir mit einem Perspektivwechsel geholfen“, erzählt sie von ihrer Arbeit. „Lüttje erfindet ein Fahrmobil“ ist ein geschlechterneutrales, vorurteilsfreies und darüber hinaus vergnügliches Guck- und Leseerlebnis. Da gibt es noch eine weitere Botschaft, die freundlich herüberkommt, ohne dass ein erhobener Zeigefinger mahnend wedelt: Gegenstände sollten nicht einfach weggeworfen, sondern weiterverwendet, vielleicht repariert oder umfunktioniert werden – wer weiß: Vielleicht entstehen so mit Pfiffigkeit und Fantasie ähnliche individuelle Gebilde wie „Lüttjes Fahrmobil“.