Mittwoch, 01. April 2020    04:26

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Knicks sind ein wichtiges Element unserer Landschaft

Seit Generationen wird Schleswig-Holstein wie ein Gittermuster von den „Wallhecken“ durchzogen. Diese von Menschenhand angelegten, schmalen Gebüsch- und Baumstreifen werden im Allgemeinen „Knick“ genannt. Sie sind nicht nur ein interessantes Landschaftselement, sondern darüber hinaus von großem ökologischen Wert: Sie schützen einerseits den Boden vor Erosion und bieten andererseits bis zu 7.000 Tierarten eine Heimat – eine enorme Artenvielfalt. Dabei können, wie vom NABU Schleswig-Holstein zu erfahren ist, auf einem Kilometer Knick weit über 1.000 Tierarten leben.

Die Geschichte der Knicks

Die ältesten Knicks sind rund 250 Jahre alt. Ihren Ursprung haben sie in den so genannten „Verkoppelungsgesetzen“ des dänischen Königs Christian VII aus den Jahren 1766 bis 1770. Diese legten den Grundstein für eine Agrarstrukturreform in den ehemaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Bis dahin bewirtschafteten die Bauern das Acker- und Weideland gemeinschaftlich. Doch nun wurde das Land aufgeteilt und den Bauernfamilien gewisse Parzellen zur Nutzung zugewiesen. Die neuen Landinhaber waren verpflichtet, ihre eigenen Flächen von denen der Nachbarn abzugrenzen. Knicks bestehen klassischerweise aus Gehölzen, die die Bauern an den Waldrändern vorfanden, wie unter anderem Haselnuss, Schlehe, Weißbuche, Brombeere, Heckenrose, Erle, Weide oder Pfaffenhütchen.

Damals gab es noch keine Drahtzäune, und lange Zäune aus Holz waren viel zu aufwändig und unwirtschaftlich. So war die Anpflanzung von Gebüschhecken die einzige Möglichkeit, um Wildschaden bei junger Saat auf dem dahinter liegenden Feld abzuwenden. Außerdem boten sie Schutz vor benachbarten Weidetieren. Die Gesamtlänge der Knicks ist immer weiter zurückgegangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es noch schätzungsweise 80.000 Kilometer Knick, die das Land durchzogen. Heute sind es noch rund 46.000 Kilometer. Viele Knicks sind beim Bau neuer Straßen und Häuser verschwunden oder haben unter dem Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Maschinen gelitten.

Knickpflege im Winterhalbjahr

Knicks unterliegen einem besonderen Schutz, der im Landesnaturschutzgesetz geregelt ist. Würde man die verbliebenen Knicks sich selbst überlassen, würden sie irgendwann zu lockeren Baumreihen auswachsen, die dem dahinter liegenden Land keinen Schutz und der Tierwelt nicht mehr die idealen Lebensbedingungen bieten könnten. Deshalb werden sie alle zehn bis 15 Jahre "auf den Stock" gesetzt: Bäume werden auf den Stubben herunter geschnitten. Seitlich herausragende Zweige der Büsche werden „geknickt“. Dabei wird darauf geachtet, dass "Überhälter" stehen bleiben. Das sind den Knick überragende, meist ältere, stattliche Bäume wie Eichen oder Rotbuchen. Zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar dürfen Knicks bearbeitet werden. Auf jeden Fall sollte das Laub abgefallen sein.

Ein fachmännisch „auf den Stock gesetzter“ Knick sieht zunächst etwas armselig aus. Doch der Schein trügt: die Pflanzen treiben in der nächsten Vegetationsphase dicht, kräftig und hoch aus den Stubben wieder aus. Außerdem werden nicht alle Knicks gleichzeitig geschnitten: Stets sind ältere Knicks, die vor Jahren ausgeputzt wurden, neben frisch auf den Stock gesetzten Buschreihen zu finden. Früher wurde mit Axt und Säge gearbeitet, heute werden Maschinen zur Knickpflege eingesetzt. Wichtig sind glatte Schnittflächen, weil in Risse und gespaltene Äste Feuchtigkeit eindringen kann und sich in der Folge Fäulnisbakterien breitmachen und die Pflanze zum Absterben bringen können.

Text: Sonja Wenzel, Foto: Naturpark Hüttener Berge