Samstag, 18. August 2018    05:18


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Eine Österreicherin in Friedrichstadt 

Das Traumhaus von Hanna von Kunhardt steht im Holländerstädtchen

Ganz leise plätschert der Brunnen im Garten von Hanna von Kunhardt. Aus der Ferne erklingt das Läuten einer Kirchturmglocke. Der kleine Garten hinter dem holländischen Backsteinbau aus der Gründungszeit von Friedrichstadt ist eine grüne Oase, mit urigen Obstbäumen, von denen die Kirschen schon genascht werden können, die Birnen und die Äpfel brauchen noch etwas Zeit zum Reifen und es gibt jede Menge historischer Rosen. Das Traumhaus von Hanna von Kunhardt steht nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt mit seinen bekannten Treppengiebelbauten. Aber es war der Garten, in den sie sich auf den ersten Blick verguckte. "Es war ein von Unkraut überwuchertes Brachland, das ich gerne zu neuem Leben erwecken wollte", verrät Hanna von Kunhardt. Als sie das Haus zum ersten Mal betrat, war es eine Baustelle und es schien ihr zuzuflüstern: Kauf mich!" Letztendlich konnte die katholische Religionslehrerin mit ihrer künstlerischen Veranlagung ihren Mann Peter, den Diplom-Ingenieur, der eher auf Zahlen und Fakten steht, von ihrem Traumhaus überzeugen. "Wir lieben unser Schlösschen und fühlen uns hier zu Hause", sind sich beide einig. Bis zur Pensionierung von Hanna von Kunhardt lebten sie am Tegernsee. "Wir sind in den hohen Norden gezogen, weil ich einen neuen Start nach den Jahren der Tätigkeit in meinem geliebten Beruf brauchte. Dabei hat sich für mich mit meinem kleinen Lädchen ein völlig neuer Berufszweig aufgetan", freut sich Hanna von Kunhardt. Als junge Lehrerin fand die Österreicherin in Süddeutschland ihren Lebensmittelpunkt, doch ihre Heimat trug sie immer im Herzen. 

Typisch für Friedrichstadt ist die holländische Bauweise mit ihren hohen und schmalen Gebäuden, die sich eng aneinander schmiegen. Im Erdgeschoss des Hauses in der Westermarkstraße befindet sich rechts vom Eingang ein kleines Büro, von dem aus der Peter von Kunhardt seiner Arbeit als zertifizierter Sachverständiger nachgeht. Über den Flur geht es von der gemütlichen Wohnküche direkt in den Garten hinter dem Haus. Eine Treppe führt ins erste Obergeschoss zum Wohn- und Schlafbereich des Ehepaares und eine weitere Treppe führt ins Dachgeschoss, in dem sich Hanna von Kunhardt ein Atelier eingerichtet hat. Sie hat sich den alten Klosterarbeiten verschrieben und ihre Kunstwerke verzieren die Wände des alten Handelshauses, das nicht immer ein Wohnhaus war. Peter von Kunhardt hat sich intensiv mit der Geschichte des Hauses befasst. Er sagt: "Es wurde im Jahre 1621 als Packhaus gebaut und erstmalig 1660 urkundlich erwähnt, als der damalige Bürgermeister von Friedrichstadt das Haus kaufte. Esaias Plovier ließ das Packhaus später zu einem Wohnhaus umbauen, die Mauersteine sind identisch mit den Steinen aus der Gründungszeit. In den 1970-er Jahren erwarb Professor Wendhausen aus Kiel das Gebäude und erneuerte es komplett. Seine Erben haben das Haus für uns vor dem Einzug frisch renoviert."

Vor dem Haus blühen duftende Rosen, eine kleine Bank lädt ein zum Verweilen und auch den schmalen Zwischengang zum Garten hat Hanna von Kunhardt künstlerisch gestaltet. Der Weg führt direkt in die grüne Oase mit dem kleinen Gartenhäuschen, das sie zu einem kleinen Lädchen für österreichische Spezialitäten umfunktionierte. "Mein Leben lang habe ich gerne mein Wissen an die Kinder weiter gegeben und jetzt möchte ich den Menschen im Norden die Vorzüge unserer steirischen Spezialitäten präsentieren", erzählt die temperamentvolle Österreicherin. Mit der Gestaltung ihres Gartens möchte Hanna von Kunhardt ihre Heimat Österreich in Friedrichstadt zum Ausdruck bringen. "In  meiner musikailschen, österreichischen, geschichtlichen Vorstellung sollten diese Rosen "Amadeus Mozart" und Constanze Mozart" eine verbindende Brücke zu meiner Heimat Österreich sein. 

Text und Fotos: Bärbel Sommer