Samstag, 14. Dezember 2019    11:52


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Friseure sind die Profis für »Colour, Cut & Style«

Im Salon gibt es deshalb immer Abwechslung.

Der Friseurberuf ist in seiner Vielfalt ein außergewöhnlicher Beruf. Friseure sind Handwerker, aber im Selbstverständnis oft auch Künstler. Wer kreativ ist und gerne mit Menschen arbeitet, für den ist Friseur ein echter Traumberuf. Mit dem nötigen Ehrgeiz kann man sich zum Meister weiterbilden - man hätte dann gute Chancen einen eigenen Salon zu eröffnen. Aber auch als Maskenbildner, Frisuren- und Modeberater bei Film, Fernsehen oder Theater kann man eine Anstellung bekommen.
Friseure brauchen eine ganze Menge an Wissen, Geschick, Trendgespür und Einfühlungsvermögen. Längst ist es nicht mehr bloß in regelmäßigen Abständen der immer gleiche Haarschnitt, für den Kunden aller Altersklassen in die Salons kommen. Vielmehr geht es darum, den Typ zu unterstreichen und hier und da mit passendem Schnitt und Farbe ein wenig Veränderung zu erreichen. „Kein Handwerks-Beruf ist so nah am Kunden wie wir.  Wir haben die Ehre und dürfen Menschen dabei unterstützen ihren Typ zu finden und sind wirkliche Künstler des Handwerks. Die Vielfalt macht unseren Beruf einzigartig“, schwärmt Kathrin Bindbeutel, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetik-Innung Flensburg. Natürlich sei der Beruf auch körperlich anstrengend und manchmal stressig, aber „er ist und bleibt trotzdem der schönste Beruf der Welt“, so Kathrin Bindbeutel.

Als Friseur muss man sich fast täglich neuen Herausforderungen stellen. Manche Frauen wollen ihr Haar entkraust haben, andere kommen mit einem Foto ihres Lieblingsstars und wollen „genau den Schnitt“, der gar nicht zu ihrer Gesichtsform passt. Ihnen müssen dann ausführlich die Vor- und Nachteile eines Stylings erläutert werden. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen wird ein Kompromiss „ausgehandelt“. Wieder andere haben überhaupt keine Vorstellung, möchten nur „irgendwas Flippiges“. Ein guter Friseur kann auf den ersten Blick an Gesicht, Kleidung und Auftreten einer Person ihren individuellen Typ bestimmen, passende Vorschläge liefern und diese dann auch umsetzen.

Oberste Priorität ist Kundenzufriedenheit. Für manche bedeutet das auch, sich während des Stylings nett zu unterhalten oder sich Last von der Seele zu reden - ein Friseur ist gewissermaßen manchmal auch „Therapeut“. Als Friseur schneidet man also bei Weitem nicht nur Haare.  Anlass zur Sorge bereitet der Branche aber der Nachwuchsmangel. Die Anzahl der angebotenen Friseur-Lehrstellen - und damit der Bedarf an Friseurnachwuchs – übersteigt die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Diese Situation ist natürlich zum Teil dem demografischen Wandel geschuldet, denn das gesamte Handwerk, nicht nur die Friseure, konkurrieren um die immer weniger werdenden Schulabgänger. Aber ist das wirklich schon die ganze Misere? „Es ist nicht leicht zu sagen, woran es liegen könnte“, sagt Kathrin Bindbeutel. Die vielzitierte „schlechte Bezahlung“ schließe sie als Hauptgrund aus. Schließlich bekämen Friseur-Gesellen mit dem neuen Tariflohn so viel wie nie zuvor. Auch der Lohn der Auszubildenden werde mit einer Mindestausbildungsvergütung angepasst, so dass auch hier in den nächsten Jahren eine erhebliche Steigerung zu erwarten sei. Vielmehr sieht sie die negative Presse über ihren Berufsstand als einen der möglichen Gründe für den Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. „Sei es Lohn, Rente oder Urlaubstage, immer wieder wird der Beruf des Friseurs als Negativ-Beispiel dargestellt. Warum sollten also Eltern ihrem Kind heute noch raten Friseur zu werden? Jahrelang wurde es der Gesellschaft eingetrichtert, wie schlecht es Friseure haben. So hat das Image des Friseurs erheblich gelitten“, meint Kathrin Bindbeutel.   

So könnte ein Arbeitstag in einem Friseursalon aussehen:
Der Laden öffnet, die ersten Kunden erscheinen. Für heute sind feste Termine geplant, trotzdem füllen die Friseure ihren Zeitrahmen aber bewusst nie komplett aus, weil immer wieder Leute spontan vorbeikommen und es „rundherum kürzer“ möchten. Über den Tag klingelt ständig das Telefon, Termine müssen geplant, koordiniert und die Kundenkartei gepflegt werden. Es werden Haare, gewaschen, geschnitten, gefärbt und Frisuren gestaltet. Zum Herrenfach gehört es zudem, Bärte zu rasieren, zu pflegen und zu formen. Wenn zwischendurch eine Tönung einwirkt, kann der Friseur den Wartenden Getränke und Zeitschriften anbieten. Eine Kundin möchte zusätzlich zur neuen Frisur ein passendes Make-up, außerdem werden Haar- und Hautpflegemittel sowie Kosmetikartikel verkauft. Am Ende des Tages wird die Abrechnung gemacht und die Arbeitsgeräte sowie der Salon werden gereinigt.
 

 Text: Jörg Kasischke; Fotos: AdobeStock