Mittwoch, 25. April 2018    04:36


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Ausstellung „Abenteuer extrem – die Welt ist es wert um sie zu kämpfen“

Die Nospa präsentiert in ihrer Reihe nos.FOTOMENTA den preisgekrönten Fotografen und Filmemacher Robert Marc Lehmann
Eine Kegelrobbe aalt sich im Wasser und hebt wie zum Gruß eine Flosse; ein Sumatra-Nashorn, eines der letzten seiner Art, lugt scheu durch das Geäst des Dschungels; verwaiste junge Orang-Utans hocken brav in einer Schubkarre in ihrer Aufzuchtstation; Basstölpel und ihre Küken liegen mit verdrehten Hälsen auf ihrem Brutfelsen - elend zugrunde gegangen im Gewirr bunter Plastiknetze…
Mehr als 60 zum Teil großformatige Fotografien des Kielers Robert Marc Lehmann (35) sind noch bis zum 10. April in der Nospa-Regionaldirektion Sylt in der Westerländer Maibachstraße zu sehen. Doch es geht nicht allein um eindimensionales „Angucken“: Die Bilder springen ihre Betrachter an, sie rütteln auf und verstören, sie sind eindrucksvoll und anrührend, wunderschön und schrecklich zugleich. Denn Lehmann schaut durch den Sucher seiner Kamera besonders dort eindringlich hin, wo andere längst weggesehen haben. Die Fotos sind ein konzentrierter Auszug aus verschiedenen Expeditionen über einem Zeitraum von fünf Jahren, in denen Lehmann viele Länder bereiste – stets mit einem regionalen Bezug: „Die Probleme unserer Welt liegen vor den Haustüren.“

Lehmann ist Meeresbiologe und Forschungstaucher, Fotograf und Filmemacher sowie Vortragsredner in einer Person. In seinen Fotografien geht es ihm nicht darum, einem wissenschaftlichen Publikum das zu zeigen, was es ohnehin schon weiß, sondern der breiten Öffentlichkeit klarzumachen, dass unser Planet wunderschön, aber auch zart und zerbrechlich ist; dass es „kurz vor knapp“ ist und die nächste Dekade darüber entscheidet, ob unsere Erde ins Abtrudeln geraten wird oder doch noch für die kommenden Generationen aufgefangen werden kann. Die Welt steht auf der Kippe und die heranwachsende Generation ist nach Lehmanns Worten „die letzte, die in der Lage ist, das Ruder herumzureißen“ – also geht er in Schulen mit Vorträgen. Und er erreicht viel damit: „Kinder sind der Humus für gute, neue Ideen, sie sind voll Tatendrang und wollen sofort etwas ändern, sie starten ihre eigenen Umwelt-AGs, Projekte für eine plastikfreie oder eine ‚grüne‘ Schule.“ Die Schultern zu schubsen und zu sagen ‚ich kann eh nix ändern‘ reicht nicht. Lehmann: „Die Menschen beginnen sich immer mehr für ein Umdenken zu öffnen. Die Einkaufsliste ist der Stimmzettel für die Welt, denn viele alltägliche Entscheidungen sind einfach und tun nicht weh: Wattestäbchen aus Recyclingmaterial, Zahnbürste aus Bambus, Schokocreme von einem Anbieter, der kein Palmöl verwendet.“

„Ich bin fasziniert und begeistert von den Fotos. Mit kleinen Gesten können wir viel erreichen“, erklärt Nospa-Vorstandsmitglied Olaf Küther im Rahmen eines Pressegesprächs mit Lehmann. Zustande gekommen ist die Ausstellung und Multimedia-Show durch einen Kontakt mit dem Kurator der Nospa, Dr. Holger Rüdel. Viel Arbeit steckt in dem Projekt – von der Bestimmung des Ausstellungsortes über die Wahl der Fotos bis hin zur Zusammenstellung des begleitenden Katalogs: „Dieser ist fast wie mein erstes Buch. Ich bin stolz und dankbar dafür“, so Lehmann. Die Ausstellung ist eines jener ambitionierten Projekte, die die Nospa im Rahmen des regionalen Kultursponsorings unterstützt. Die „nos.FOTOMENTA“ ist ein Teil des gesellschaftlichen Engagements der Nospa, die im vergangenen Jahr für Projekte aus den Bereichen Kultur, Sport und soziales Engagement knapp 950.000 Euro zur Vergügung gestellt hat.

Zur Information

Die Ausstellung ist hernach vom 25. April bis zum 8. Juni in den Räumen der Nospa Regionaldirektion Schleswig im Stadtweg zu sehen. Robert Marc Lehmann blickt bereits auf eine beeindruckende Karriere zurück: National Geographic zeichnete ihn im Jahre 2015 als „Fotograf des Jahres“ aus. Das Magazin „Tauchen“ kürte ihn jüngst zum „Mensch des Jahres“. Im letzten Jahr erhielt er den Deutschen CineMare Meeresfilmpreis. Der Schutz der Meere liegt ihm besonders am Herzen, deshalb filmt er gern unter Wasser. Begegnungen mit Haien und Walen sind dabei fast schon an der Tagesordnung.

Text und Fotos: Sonja Wenzel