Samstag, 24. August 2019    20:20


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Ein waschechter Schwabstedter Jung

Hans Jürgen Thomsen ist heimatverbunden, ein gebürtiger Nordfriese und leidenschaftlicher Koch. Der 40-Jährige Gastronom betont: „Ich bin nicht nur Nordfriese, sondern auch ein waschechter Schwabstedter Jung.“ Für die Frage, warum er Koch geworden ist, muss Thomsen weit ausholen. Er verweist auf das „Hotel zur Treene“, in dem wir gerade gemeinsam - und vor allen Dingen gemütlich - im Gastraum beisammensitzen: „Mein Vater hat dieses traditionelle Haus 1990 von meinem Großonkel, man könnte sagen, ‚angeboten‘ bekommen.“ Die Eltern Hilde und Hans-Heinrich Thomsen konnten sich die Übernahme gut vorstellen. Eines der drei Kinder würde den gastronomischen Betrieb mit Sicherheit übernehmen. „Die Voraussetzungen waren aber eher nicht von Vorteil“, blickt Hans Jürgen Thomsen zurück. „Mein Vater war Beamter und meine Mutter war Hausfrau. Beide haben sehr viel gearbeitet und sehr viel geschafft.“ Darunter habe das Familienleben zwar etwas gelitten, was Hans Jürgen Thomsen, als jüngstes Kind, überhaupt nichts ausgemacht hat: „Ich habe mitgeholfen, wo ich konnte – bin sozusagen zwischen ‚Pott und Pann‘ aufgewachsen.“

Der Grundstein für das Kochhandwerk war gelegt. Obwohl - es gab da noch eine Zwischenstation: „Unser damaliger Koch meinte, wenn ich eine Ausbildung zum Konditor machen würde, stünde mir die ganze Welt offen.“ Gesagt getan: Hans Jürgen Thomsen machte eine Ausbildung zum Konditor – nicht irgendwo, sondern bei der Lübecker Firma Niederegger. „Es sollte dann auch der beste Betrieb in Schleswig-Holstein sein“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Zwischendurch sei er immer wieder nach Hause gefahren, habe geholfen, wenn Not am Mann war. „Als dann feststand, dass ich den Betrieb übernehme, habe ich noch einmal das Kochhandwerk erlernt“, erzählt er weiter. „Natürlich wieder nicht irgendwo, sondern an einem der besten Häuser zu der Zeit – am ‚Alten Gymnasium‘ in Husum.“ Hier habe er viel gearbeitet, aber auch viel gelernt. Danach folgten eine Zeit bei einem Ein-Stern-Restaurant in Eutin und ein Abstecher ins Hamburger Hotel Atlantik. „Großstadt ist für mich als bekennender Schwabstedter überhaupt nichts“, sagt Hans Jürgen Thomsen mit einem erneuten Augenzwinkern. 

Bevor er dann endgültig den elterlichen Betrieb in vierten Generation übernommen hat, absolvierte er noch Ausbildung zum Küchenmeister an der Wirtschaftsakademie in Husum. Im Jahre 2007 kam es dann zum endgültigen Wechsel. „Seitdem ist hier nichts mehr wie es war“, betont der Küchenchef. „Ich habe ein neues Konzept erarbeitet und dies Stück für Stück mit viel Energie, Arbeit und Kosten umgesetzt. Dabei haben wir immer versucht den historischen Charakter des Hauses zu erhalten.“ Den Mut zur Veränderung und die Kreativität für Neues spiegelt sich auch in der Küche wieder. Alle Gerichte tragen die unverwechselbare Handschrift von Hans Jürgen Thomsen: „Die Küche ist meine Welt. Ich versuche immer wieder etwas Neues auszuprobieren.“ Kulinarische Pionierarbeit am Herd könnte man das nennen. Und er sei stolz, sagt er abschließend, diesen „alten Kasten“, wie er das Hotel an der Treene liebevoll nennt, mit Leben zu füllen und täglich eine regionale sowie saisonale Speisenkarte anzubieten.

Text: Andrea Weide, Fotos: Jörg Weide