Samstag, 20. Oktober 2018    06:54


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Kürbis - groß, dicke "Panzerbeere"

Wer hätte das gedacht? Der Kürbis wächst traditionell am besten auf dem Kompost, überwuchert diesen mit dekorativen, großen Blättern und hübschen gelben „Tütenblüten“ – und seine oftmals überdimensionalen Früchte, die im Herbst heranreifen, gehören – botanisch gesehen - zu den Beeren! „Panzerbeere“ nennen einige Botaniker den Kürbis, was gelinde gesagt „originell“ ist; denn nicht selten muss der stolze Besitzer seine gelben Früchte mit der Schubkarre fortschaffen… Der Kürbis braucht es sonnig, warm und nährstoffreich. Unter diesen Voraussetzungen ist der Kürbis genügsam und weitgehend resistent gegen Schädlinge und Krankheiten. Manche Kürbissorten können sogar als schöner Blickfang auf der Terrasse oder auf dem Balkon in Töpfe und Kübel gepflanzt werden. Freilich empfiehlt es sich dann, auf Sorten zurückzugreifen, die sich an Rankgittern  emporhangeln können und nur kleine Früchtchen ausbilden. Ursprünglich kommten Kürbisse aus Mexiko oder Südamerika. Archäologische Samenfunde haben bewiesen, dass die Menschen schon vor rund 8.000 Jahren begonnen haben, den Kürbis für den Verzehr zu züchten. 

Großer Artenreichtum

Die Gattung „Cucurbita“ ist ungeheuer vielfältig. Zunächst sind da die Gartenkürbisse oder „gewöhnlichen Kürbisse“ mit rund 400 Sorten, darunter sowohl Speise- als auch Zierkürbisse. Eine Besonderheit ist dabei der „Ölkürbis“, dessen Fleisch ungenießbar ist, der aber sehr nützliche Kerne hat: Ohne Schale, dafür aber von einem Silberhäutchen umgeben, werden diese zum gesunden Knabbern angeboten, oder man verwendet sie zur Gewinnung von Kürbiskernöl. Der Riesenkürbis stammt aus Südamerika, Moschuskürbisse wachsen in den Tropen und werden in der japanischen Küche delikat zubereitet. Eichelkürbisse gliedern sich ebenfalls in viele verschiedene Sorten auf und haben einen leicht pfeffrigen, nussigen Geschmack. Sie werden gern in der amerikanischen Küche verwendet. „Buttercups“ sind flache, runde, leicht grünliche Früche, die ebenfalls nussig schmecken und auch in unseren Breiten gern zubereitet werden. Die birnenförmigen „Butternuts“ mit ihren vielen Sorten sind von nussig-buttrigem Geschmack. Gibt man sie etwa 20 Minuten in flott kochendes Wasser, lassen sie sich anschließend aufschneiden. Sie zergehen, mit etwas Butter angerichtet und zu einer Scheibe kräftigen Brotes genossen, auf der Zunge. Weitere Kürbisse sind die „Hubbards“ mit der Sorte „Roter Hokkaido“ und Spaghettikürbisse. Manche Kürbissorten lassen sich bis zu einem dreiviertel Jahr lagern, wenn sie einen trockenen, kühlen Platz haben. Sommerkürbisse hingegen sind für den Frischverzehr bestimmt und sehr zart in Fleisch und Geschmack. 

Nur ein Augenschmaus: Zierkürbisse

Wer im Herbst seine Heim saisonal dekorieren möchte, greift gern auf die farbenfrohen Zierkürbisse zurück, die aber ungenießbar sind. Meistens haben sie wenig Fruchtfleisch und enthalten obendrein einen Bitterstoff, das Cucurbitacin. Diese Substanz verursacht Magenkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen. Aus dem „normalen“ Gartenkürbis werden die zu Halloween üblichen Gruselgesichter geschnitzt. In Amerika ist dies der „Pumpkin“, oder auch „Halloween-Kürbis“, dessen Fruchtfleisch gut essbar ist. Auch der „Rote Hokkaido“ wird zum Schnitzen genommen, sein Fleisch wird in der Küche verwendet. Dekorative Schmuckobjekte sind auch die aus Afrika stammenden, weiß blühenden „Kalebassen“ oder im Volksmund „Flaschenkürbisse“ genannten Gewächse. Sie sind nicht essbar, doch wurden sie früher in der Heilkunde eingesetzt.  

Info:Kürbisse können extrem „dicke Dinger“ werden: Im Oktober des Jahres 2006 wurde in Rhode Island (USA) der bislang weltweit schwerste Kürbis mit knapp 682 Kilogramm gewogen. Ein Jahr zuvor brachte ein Kürbis in Belgien stolze 476 Kilogramm auf die Waage. Zwei deutsche Exemplare wogen 456 und 429 Kilogramm. 

Text: Sonja Wenzel, Fotos: Fotolia