Montag, 14. Oktober 2019    05:33

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„Lüch op“ – das größte Straßenboßelturnier Schleswig-Holsteins blickt auf eine 25-jährige Tradition zurück

 

Der Verband Schleswig-Holsteinischer Boßler (VSHB) wurde 1894 gegründet. Im gleichen Jahr taten sich auch in Wilster Boßler zusammen und gründeten den „Boßelverein Stadt und Kirchspiel Wilster von 1894“. Das 125jährige Bestehen feierten die Wilsteraner Boßler erst kürzlich mit befreundeten Vereinen aus dem In- und Ausland. Dazu reisten befreundete Boßler sogar aus Nordrhein-Westfalen, der Schweiz und den Niederlanden an. Die Boßler sind eine große Familie, man kennt sich. Sportlich führt das Boßeln aber eher ein Schattendasein und wird nur in wenigen Teilen Europas gespielt, vor allem in Irland, Italien, der Schweiz und den Niederlanden. Eine der Hochburgen in Deutschland befindet sich neben Ostfriesland entlang der Westküste Schleswig-Holsteins in den Kreisen Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland. Boßeln, in einigen Regionen auch als „Klootschießen“ bekannt, ist eine Sportart, die in unterschiedlichen Formen gespielt wird. Ziel des Spiels ist es, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen.

„Immer beliebter wurde in Schleswig-Holstein das Straßenboßeln, das seine Wurzeln in Ostfriesland hat“, erzählt Frank Rademann, erster Vorsitzender des Boßelvereins Wilster. Das Straßenboßeln ist einfach durchzuführen und kann auch von Hobbyboßlern schnell erlernt werden. Sportliche Erfolge stellen sich allerdings auch hier erst mit entsprechender Übung oder mit Talent ein. In Schleswig-Holstein gehört der Schlachtruf „Lüch op“ zum Boßeln wie die Boßelkugel. Lüch op bedeutet so viel wie „Heb auf“. Selbst beim Boßelgruß gibt es regionale Unterschiede. In Ostfriesland heißt es „Fleu herut“ und in Nordrhein-Westfalen ruft man sich ein „Lott jonn“ zu.

Um das Boßeln bekannter zu machen, entschieden sich die Wilsteraner Boßler während ihres 100-jährigen Jubiläums im Jahre 1994 dazu, ein Straßenturnier auszurichten. In den ersten Jahren wurden befreundete Boßelvereine und die Freiwilligen Feuerwehren der Region eingeladen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Turnier zu einem immer größeren Event, an dem zahlreiche Vereins- und Hobbymannschaften teilnahmen. Der Schützenverein Wilster und die Altliga-Fußballer des SV Alemannia Wilster sind beispielsweise Stammgäste. „Mitglieder anderer Vereine zum Boßeln zu bringen und einander kennenlernen - genau das ist der Antrieb für uns, dieses große Turnier jedes Jahr auszurichten“, berichtet Rademann weiter.

Austragungsort des „Nortorfer Straßenboßelturniers“ ist die Gemeinde Nortorf bei Wilster. Das Turnier hat sich zum größten Straßenturnier Schleswig-Holsteins entwickelt und feiert in diesem Jahr das 25. Jubiläum. Teilnehmen können Junioren-, Damen-, Männer- und auch Mixed-Teams mit drei bis vier Aktiven. Das Turnier beginnt am Sonnabend (26. Oktober) um 9:00 Uhr beim Feuerwehrgerätehaus Nortorf. Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro und ist vor Ort zu bezahlen. Anmeldungen nimmt Helmut Schröder, Telefon und Fax 04823/1843 bis zum 21. Oktober entgegen. Die Organisatoren fiebern dem Jubiläumsturnier entgegen und freuen sich auf viele teilnehmende Mannschaften.

Text und Fotos: Ulf Güstrau