Montag, 20. Mai 2019    18:46

«Zurück zur Startseite

Traumschiffe, dicke Pötte und Natur

Zum Greifen nah beim Radeln am Nord-Ostsee-Kanal

Wo bleibt das Traumschiff? Gespannte Erwartung bei Kanalkilometer Null, Schleuse Brunsbüttel, und sieben Uhr abends ist durch. Nur das Kreuzfahrtschiff ist noch nicht durch. Dabei sollte es jetzt einfahren von der Elbe in den Nord-Ostsee-Kanal. Schiffe gucken ist der schönste Zeitvertreib in Brunsbüttel, und der Zettel mit den gemeldeten Traumschiff-Passagen – das mit Abstand  beliebteste Stück Papier vom nahen Tourismus-Büro – hatte die „Saga Sapphire“, unterwegs von Dover nach Dänemark, doch angekündigt durch die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Luxusliner sind recht selten, aber schön, spektakulär und damit Höhepunkt; „normale“ Schiffe sind allemal spannend und immer einen kleinen Stopp wert. Der Nord-Ostsee-Kanal, mit fast hundert Kilometern Länge zwischen Elbe und Kiel und mit mehr als 30.000 Schiffspassagen pro Jahr - mehr als im Suez- oder Panama-Kanal - ist eine Sehenswürdigkeit. Der hauptsächlich am Ufer entlangführende Radweg ist ein tolles Stück Fahrradtour. Von Brunsbüttel bis zum Gieselau-Kanal, der Verbindung zur Eider, sind es schöne und spannende 40 Kilometer Dithmarschen. An der Strecke queren kostenlose Fähren den Kanal. Wer mag, kann gleich hier zu Beginn mit der Fähre in den Brunsbütteler Süden übersetzen, um ein paar hundert Meter kanalaufwärts wieder zurückzukehren – die Route führt nun durch Ländlichkeit. Die Kanalbrücken sind von unten spektakulär, monumental und – vor allem die Eisenbahnbrücke bei Hochdonn - von einem einzigartigen ästhetischen Reiz. Der Kanal ist ein moderner Verkehrsweg, das Land links und rechts davon oft Natur pur. Die Karten verzeichnen Routen, die abseits des Kanals zu kleinen, sehenswerten Städten wie Burg führen oder durch Naturschutzgebiete wie das um den Kudensee. Ein Fernglas gehört auf dieser Tour gewiss ins Gepäck. Es ist stilles, schönes Radeln auf dem Plattenweg am Ufer. Die Poller geben einen komfortablen Picknicktisch ab. Hummeln summen, Löwenzahn setzt gelbe Akzente ins Grün, Gänse lärmen. Der Uferweg ist eine gut zu befahrende, gefällige Strecke, grün und gemütlich. Hier riecht es nach wilden Rosen, dort nach Waldmeister und manchmal nach dem Rauch von Holzfeuer, bei den großen Silos der Genossenschaften nach Getreide. Sogar eine kleine, verschwiegene Badestelle gibt es hinter Hochdonn – mit Sandstrand und Treppe in die Bucht am Kanal. Hinter der Straßenbrücke zwischen Albersdorf und Hademarschen lohnt ein Abstecher zum Steinzeitpark Dithmarschen nahe Albersdorf. Wie die Menschen hier vor Tausenden Jahren gelebt haben, ist dort rekonstruiert - ein ganzes Steinzeitdorf, das das Leben vor 5000 Jahren zeigt. Regelmäßig werden hier Mitmachaktionen angeboten. Der Weg führt in einen lichten Wald mit Eichen und Buchen in gefälliger, sanfter Hügellandschaft. In der malerischen Niederung des Flüsschens Gieselau mit den Erlen und Röhrichten leben Kröten und seltene Unken, Wasseramseln jagen am Fluss. Wer Glück hat, sieht den Eisvogel gleich einem fliegenden Edelstein umherschwirren. Mitten im Wald steht eines der fast 50 Meter langen Gräber aus der Jungsteinzeit; Bernsteinschmuck und Steinwerkzeuge haben Forscher hier gefunden, solche Dolmen waren Kollektivgräber – Leichnam um Leichnam wurde hier bestattet. Es sind nicht die frischen Böen allein, die ein wenig Gänsehaut in dieser mystischen Atmosphäre schaffen. Stehen noch urzeitlich anmutende Koniks in der nebelverhangenen Aue der Gieselau, ist das Bild grauer Vorzeit perfekt.Zwischen Schafstedt und Hohenhörn fließt der Mühlenbach, der Abend senkt sich langsam über seine Niederung; feuchte, saftige Wiesen, aus denen der Nebel steigt, ein Rehbock läuft über die Wiesen, Baumreihen begrenzen, darüber eine späte Sonne mit milchigem Licht, Blätter knistern verhalten im sachten Wind. Vollkommene Ruhe liegt über diesem Ort. 

Text: Dithmarschen Tourismus e. V., Fotos: Dithmarschen Tourismus e.V./photocompany