Dienstag, 28. September 2021    03:07

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WAS HAT DER TEUFEL MIT DEM ROTEN HAUBARG ZU TUN?

Etwa drei Kilometer nördlich von Witzwort auf der Halbinsel Eiderstedt an der Westküste Schleswig-Holsteins steht der aus dem 17. Jahrhundert stammende, imposante „Rote Haubarg“ mit einem gewaltigen Reetdach. Schon von weitem gut erkennbar ragt er aus der flachen Marschlandschaft hervor. Die Größe des Hauses spiegelt den damaligen Reichtum der Marschbauern wider. Der erste „Rote Haubarg“, der 1759 einem Feuer zum Opfer fiel, hatte ein rotes Ziegeldach, daher der Name. Nach der Zerstörung wurde der Haubarg neu errichtet und mit Reet eingedeckt. Heute ist der Rote Haubarg ein historisches, öffentlich zugängliches Baudenkmal, in dem sich ein Café, ein Restaurant und der landwirtschaftliche Teil des Eiderstedter Heimatmuseums befinden.

Die geheimnisvolle, interessante Legende um die Erbauung des Haubargs besagt jedoch, dass es kein Geringerer als der Teufel selbst gewesen sein soll. Wie so oft spielte auch hierbei die Liebe zweier Menschen eine entscheidende Rolle. Ein armer, junger Bauernsohn, dessen Häuschen vormals auf dem Gelände des Roten Haubargs stand, verliebte sich unsterblich in die reiche Nachbarstochter. Ihr Vater war ein angesehener Schmied, der die Hand seiner Tochter aber nicht an einen armen Schlucker freigeben wollte. In seiner Not bat der Jüngling den Teufel um Hilfe. Dieser sollte ihm in der Nacht ein prächtiges Haus erbauen, noch bevor am nächsten Tag der Hahn krähte. Als Lohn versprach der Bauernsohn dem Teufel seine Seele.

Der Teufel wiederum ließ es sich nicht zweimal sagen und errichtete in Windeseile die Mauern. Der Bauernsohn bekam es bei diesem Anblick mit der Angst zu tun und lief eilig zu seiner Geliebten und deren Mutter, ohne jedoch vom Pakt zu erzählen. Der Schwiegermutter schwante dennoch Böses, was sich mit einem Blick aus ihrem Fenster bestätigte. Statt der armen Bauernkate stand plötzlich ein herrliches Anwesen dort, deren Dachbau soeben beendet war. Nun verlangte die Mutter eine Erklärung dafür und als sich der Bauernsohn zum Verkauf seiner Seele als Preis für das Anwesen bekannte, rannte die Mutter – so schnell ihre Füße sie tragen konnten – geradewegs in den Hühnerstall. Im buchstäblich allerletzten Moment verhinderte sie den riskanten Handel.

Wie sie das schaffte? 99 Fenster hatte der Teufel schon eingesetzt, nur eines fehlte noch. So kräftig sie konnte, schüttelte die Mutter den Hahn, bis er kräftig anfing zu krähen. Und zwar so laut, dass der Teufel erkennen musste, dass er, als er gerade dabei war, dass hundertste Fenster einzusetzen, das Spiel verloren hatte. Am Ende willigte der Vater nun doch in die Heirat ein. Bis heute fehlt übrigens die Fensterscheibe des hundertsten Fensters, da diese nach dem Einsetzen immer des Nachts zerbricht.

Von den mehr als 400 Haubargen aus vergangenen Zeiten gibt es nur noch um die 40. Diese traditionellen und überaus beeindruckenden Bauernhäuser, deren Bauform aus Holland stammt, haben bis zu 20 Meter hohe Reetdächer, unter denen sich neben den Wohnräumen und Ställen auch die Heuvorräte befanden, welche unter der Mitte des Daches gestapelt wurden. Mensch und Tier lebten jahrhundertelang unter einem Dach.