Montag, 18. Januar 2021    02:02

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Die imposanten Treppengiebelhäuser von Friedrichstadt

Ihr atemberaubender Anblick fasziniert jedes Mal aufs Neue – an dieser architektonischen Meisterleistung kann man sich gar nicht satt sehen. Aufgereiht wie an einer Perlenkette bestimmen die neun wunderschönen Treppengiebelhäuser das Bild auf der Westseite des Marktplatzes in Friedrichstadt, das „Klein Amsterdam“ des Nordens zwischen Eider und Treene. Die Häuser scheinen auf den ersten Blick so gar nicht hierher zu passen und prägen dennoch das Ortsbild entscheidend mit. Jedes Jahr dienen sie vielen Tausenden von begeisterten Besuchern als äußerst beliebtes Fotomotiv. Von der Steinbrücke des Mittelburggrabens aus hat man einen großartigen Blick auf die Treppengiebelhäuser.

Neben ihrer imposanten Schönheit ist die Einzigartigkeit dieses prägnanten Architekturstils das besondere an ihnen. Die Gestaltung des Giebels ist der Form einer Treppe nachempfunden, bei der die Stufen auf der einen Seite zur Spitze hinaufführen und auf der anderen Seite wieder hinab. Der Treppengiebel – auch Stufengiebel, Staffelgiebel oder Katzentreppe genannt – diente als Ausdruck wohlhabender Kaufleute, um ihren Reichtum zu demonstrieren. Ursprünglich stammt das beeindruckende Giebeldach aus der romanischen Architektur in Flandern (Belgien) des 12. Jahrhunderts, später dann auch aus dem Rheinland des 13. Jahrhunderts. Das Treppengiebeldach breitete sich in den folgenden Jahrhunderten über die Niederlande, Dänemark, Norddeutschland bis hin nach Schottland und Süddeutschland aus.

Das unverwechselbare Ensemble der holländischen Kaufmannshäuser stammt noch aus der Zeit der Stadtgründung vor fast 400 Jahren. In den Giebeln gut zu erkennen sind die typischen Hausmarken – kleine Ornamente, die einst auf den Beruf oder eine Eigenart des Hausbesitzers hinwiesen wie unter anderem Seerose, Adler, Sternenhimmel, Mühle oder Fische. Im gesamten Altstadtkern findet man diese Hausmarken an verschiedenen Häusern wieder.

Der gottorfsche Herzog Friedrich III. gründete 1621 Friedrichstadt (dänisch: Frederiksstad, nordfriesisch: Fräärstää, plattdeutsch: Friesstadt, Frieestadt, Friechstadt, niederländisch: Frederiksstad aan de Eider) an der Eider-Treene-Niederung an der Mündung des Nebenflusses Treene in die Eider. Nachdem sein Vater Herzog Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf 1573 hier die Treene hatte künstlich abdämmen lassen, so dass sie ihrem ursprünglichen Flussbett nicht mehr folgen konnte, wurde die in der Marsch gelegene Fläche bewohnbar.

Herzog Friedrich III. hatte es sich damals zum erklärten Ziel gemacht, eine starke Außenhandelsmetropole an der Nordseeküste zu erschaffen, um die herzoglichen Kassen zu füllen. Sein Land sollte zum Mittelpunkt einer Handelslinie von Spanien über Russland nach Ostindien aufgewertet werden. Dafür holte er niederländische Bürger nach Friedrichstadt – wohl wissend, dass Holland damals Welthandelsmacht war und seine Bürger führende Wasserbauer sowie die besten Händler Europas ihrer Zeit. Die Niederländer blieben lange die dominierende Bevölkerungsgruppe. Durch ihre Ansiedlung wurde das Stadtbild entscheidend geprägt. Heute ist Friedrichstadt ein hochrangiges Kulturdenkmal.

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Text: Claudia Egert