Samstag, 21. September 2019    17:14


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Filmprojekt zum 100-jährigen Jubiläum der Grenzziehung

Individuelle Einblicke in das Leben an der Grenze

Vi taler dansk! In Flensburg gibt es dänisches Theater, die Dansk Centralbibliotek, einen dänischen Bäcker und auch sonst zahlreiche dänische Einflüsse. Kein Wunder, schließlich gehörte Flensburg lange zum dänischen Staat. Nächstes Jahr feiert die Region das 100-jährige Jubiläum der Abstimmung, die zu dem Grenzverlauf geführt hat, wie wir ihn kennen.

Deutsch und dänisch – die beiden Nationalitäten spielen auch in der heutigen Region Sønderjylland-Schleswig eine große Rolle. In der politischen Diskussion dreht sich viel um wieder aufgelebte Grenzkontrollen und die Förderung der Minderheiten auf beiden Seiten. Fragt man die Menschen, die hier leben, berichten sie zudem von ihren ganz persönlichen Erfahrungen – wie Christa Nielsen.

Die „Bonus-Verwandten“

Die Rentnerin aus Leck ist „Oma“ einer Schülerin aus der Nähe von Gråsten (DK). Katrine, Tochter eines befreundeten Paares, hat sich eine „deutsche Oma“ gewünscht – und in Christa Nielsen gefunden. „Katrine ist meine ‚Bonus-Enkelin‘“, sagt Nielsen. „Bonus“, das sagen Dänen manchmal zu neuen Mitgliedern in Patchworkfamilien. „Bonus ist etwas Positives. Das passt gut!“ Mit ihrer Geschichte sind die beiden Teil einer Kurzfilmreihe geworden. Hintergrund ist das „Projekt 2020 – Eine Grenze. Die Menschen. Ihre Geschichten.“ der Forward Filmproduktion aus Sörup. In dem ersten Kurzfilm lässt Regisseur Sönke Lassen Menschen in kurzen Episoden erzählen, welche Bedeutung die deutsch-dänische Grenze für sie hat.

Seit Juni ist das Video, in dem auch Christa Nielsen und Katrine zu sehen sind, auf YouTube. Außerdem erzählen ein dänischer Landwirt und ein junger Mann, der eine grenzüberschreitende Ausbildung absolviert, ihre persönlichen Grenzgeschichten.

Sieben weitere Interviews haben die Söruper Filmemacher bereits abgedreht, unter anderem in Flensburg, Kolding (DK) und Harrislee. Der zweite Kurzfilm ist seit August online, weitere folgen, auch solche mit „eckigen Themen“, wie Forward-Geschäftsführer Thomas Dethleffsen betont. Unter anderem erzählt eine Dänin über ihre Strahlentherapie, für die sie aufgrund einer Gesetzesänderung nun weiter ins Landesinnere fahren muss, statt wie bisher ins nahe gelegene Flensburg. 

Geschichten-Schätze aus der Region

Wie viele Grenzgeschichten es letztlich werden, ist momentan noch offen. „Im Gegensatz zu unseren sonstigen Filmen, die im Werbebereich angesiedelt sind, lassen wir hier die Menschen einfach erzählen. Ehrlich, authentisch und direkt. Insofern sind wir ständig auf der Suche nach spannenden Geschichten aus unserer Heimat“, so Regisseur Sönke Lassen. „Mit dem Projekt wollen wir Geschichten-Schätze aus der Region heben. Es ist unser Beitrag zu dem Jubiläum, das wir mit allen Menschen feiern wollen, die in unserer Region leben oder sich für sie interessieren“, erklärt Thomas Dethleffsen. 

Die Filme werden unter anderem im Rahmen der Feierlichkeiten im kommenden Jahr gezeigt. Vielleicht können Christa Nielsen und Katrine sich dann ja auch einmal auf großer Leinwand sehen. 

Kontakt: Forward Filmproduktion, Thomas Dethleffsen , Tel.: 04635 294 88 77,
Mail: projekt2020(at)forward.sh, Web: www.forward.shwww.facebook.com/Projekt2020/

Text: Imke Voigtländer, Fotos: Forward Filmproduktion