Montag, 20. Mai 2019    19:21

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Viele kleine Nadelstiche: Hilfe durch Akupunktur

Für viele Menschen ist die Akupunktur die „ultima ratio“: Wenn bei manchen hartnäckigen Beschwerden nichts mehr hilft, können mit der Akupunktur erstaunliche Erfolge erzielt werden. Sie ist eine Behandlungsmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Vor rund 2.000 Jahren wurden erstmals Behandlungen mit Nadeln aus Stein oder Metall sowie verschiedene Techniken des „Nadelsetzens“ schriftlich dokumentiert.

Akupunktur als wichtiges traditionelles Heilverfahren

Es ist in vielen Fällen möglich, mittels Akupunkturnadeln eine therapeutische Wirkung zu erzielen. Akupunktur ist eine ernstzunehmende Alternative zu anderen, herkömmlichen Behandlungsmethoden. Zu zahlreichen Indikationen gibt es fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Akupunktur. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Heuschnupfen oder Schulter-Arm-Schmerzen sind nur einige wenige Anwendungsmöglichkeiten. Die Akupunktur ist Bestandteil der ärztlichen Gebührenordnung in Deutschland und amtlich anerkannt als Weiterbildung für Mediziner. Unter bestimmten Bedingungen übernehmen auch die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Akupunkturbehandlungen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) räumt der Akupunktur und der Traditionellen Chinesischen Medizin einen wichtigen Platz innerhalb traditioneller Naturheilverfahren ein.

Was geschieht bei der Akupunktur-Behandlung?

Der Patient oder die Patientin liegt entspannt und bequem auf einer Liege. An bestimmten Stellen des Körpers – unter Umständen werden die Ohren oder die Umgebung der Augen nicht ausgespart – werden feine Nadeln eingepiekt, die dort bis zu 30 Minuten bleiben. Dieser Vorgang ist meistens schmerzfrei, höchsten ein kleiner „Pieks“ beim Einsetzen der Nadel ist spürbar. Normalerweise haben gleich die ersten Behandlungen Erfolg: Sie werden als wohltuend empfunden, und oft stellt sich sehr rasch eine positive Veränderung der Beschwerden ein. Wie Akupunktur genau funktioniert, ist noch nicht bis auf den Grund erforscht. Sicher aber ist, dass sie unter anderem Gewebe zum Abschwellen bringt, die Durchblutung fördert und das Immunsystem anregt. Auch auf eine belastete oder verletzte Psyche wirkt sie freundlich ausgleichend und mildernd ein.

Etwas Historisches

Nach der alten chinesischen Lehre ist das „Qi“ die Lebensenergie des Körpers. Sie zirkuliert auf festgelegten Leitbahnen durch den Organismus, den so genannten „Meridianen“, und beeinflusst und steuert maßgebliche alle Vorgänge und Funktionen des Körpers. Ist der Fluss des Qi gestört oder blockiert, entstehen Erkrankungen. Stimuliert man das Qi auf seinem Weg durch die Meridiane mit Nadelstichen, kann die Energie wieder frei fließen. Bereits 200 Jahre nach der Zeitenwende kannten chinesische Heilkundige rund 350 Akupunkturpunkte. Sie wussten auch, wie die Punkte wirken und bei welchen Beschwerden sie behandelt werden sollten. Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die Kunst des Nadelsetzens auch in Europa. In der Niederländischen Ostindien-Kompanie – ein Zusammenschluss von Kaufleuten, die starken Einfluss auf den Handel mit Indien hatte – gab es zwei Ärzte, die die Akupunktur bekannt machten: der Niederländer Willem ten Rhijne aus Deventer und der Deutsche Engelbert Kaempfer aus Lemgo. Sie verhalfen dieser Behandlungsmethode jedoch nicht zum Durchbruch. Dies geschah im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Akupunktur wurde zu einer Art „Modetherapie“. 

Text: Sonja Wenzel, Fotos: fotolia.com