Dienstag, 16. Juli 2019    23:10

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Abgehärtet und ausgeglichen mit den Anwendungen von Kneipp

„Kneippen“ wird im Allgemeinen mit Wassertreten verbunden: Man stelzt minutenlang wie ein Storch im Salat durch ein Becken mit knietiefem Wasser. Sebastian Kneipp (* 17. Mai 1821 in Stephansried bei Ottobeuren, † 17. Juni 1897 in Wörishofen) war ein katholischer Pfarrer. Um das Jahr 1845 brach bei ihm eine Lungenerkrankung aus. Er kurierte sie nach eigenem Bekunden mit Bädern in der Donau, Halbbädern und Güssen. Seine Heilmethode mit Wasser stieß auf ständige Skepsis in der Öffentlichkeit. Kneipp erkannte jedoch, dass Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit sind und hielt überall Vorträge über eine gesunde Lebensweise. Er wurde europaweit bekannt und wirkte später in Wörishofen, das im Jahre 1920 die Auszeichnung „Bad“ erhielt. „Kneippen“ ist das Zusammenspiel von Bewegung in frischer Luft, gesunder Ernährung und der Verwendung von Wasser und Heilpflanzen zum Kurieren verschiedener Erkrankungen – und zwar so, dass die zur Gesunderhaltung notwendigen Kräfte und die Belastungen, die sich aus den Anforderungen des Alltags ergeben, stets in der Waage sind.

Wasser

Kneippsche Wasseranwendungen sind als vorbeugende Heilmaßnahme immer noch aktuell. Hydrotherapie ist heute ein hochentwickeltes Heilverfahren, passgenau abgestimmt auf die Bedürfnisse des Einzelnen. Die Temperatur des Wassers oder - unter anderem - mechanische Reize beeinflussen den Organismus positiv.
Sportliche Betätigung
Massagen, aber auch selbst aktiv sein – Kneipp hatte erkannt, dass man „in Bewegung“ bleiben muss. Er war Verfechter des Barfußgehens. Schwimmen, Radfahren und Joggen: So wird der Körper abgehärtet und ist stabiler gegen psychische Anfechtungen.

Lebensordnung

Hier wird der Ausgleich angestrebt zwischen Hektik und Stress des Alltags auf der einen Seite und einer gesunden Lebensweise auf der anderen Seite, die körperliche Kraft und seelische Ausgeglichenheit spendet und Stresstoleranz zulässt.

Ernährung

Gesundheit ist essbar: Möglichst naturbelassen, schmackhaft mit Kräutern zubereitet und vollwertig – so sah schon Sebastian Kneipp die ideale Ernährung. Genussgifte wie Nikotin und Alkohol haben keinen Platz in diesem Gefüge. Und: Wer in Gesellschaft am Tisch sitzt und isst, dabei Freude, Unterhaltung und Spaß hat, fördert so die Schutzsysteme des eigenen Organismus.

Heilpflanzen

Kneipp empfahl, beginnende Krankheiten „im Keim“ zu ersticken mit Hilfe der Apotheke, die die Natur bietet. Er hatte dabei die Kraft der Pflanzen aus uralten Klostergärten im Auge. Tinkturen, Tees, Aufgüsse, Säfte und Salben aus traditionellen Heilpflanzen sind noch heute wertvolle Unterstützer beim Heilen von Erkrankungen. Übrigens: Viele „kräuterige“ Zutaten für hausgemachte Tees und Speisen kann man heute noch an vielen Stellen unbesorgt selbst sammeln und sich damit etwas Gutes tun! Kneipp-Vereine gibt es in Flensburg, Kiel, Niebüll und Gelting. Deutschlandweit gibt es über 600 Kneipp-Vereine mit rund 160.000 Mitgliedern. Hier werden Kurse, Workshops und Vorträge angeboten. „Kneippen“ wurde von der UNESCO als „traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Kneipp starb an einem Tumor im Bauchraum. Er wollte sich nicht operieren lassen, sondern ließ sich – erfolglos - mit Wassertherapie behandeln.

Text: Sonja Wenzel, Fotos: fotolia.com