Montag, 28. Mai 2018    09:29


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Genossenschaften: Eine starke Idee!

Gemeinsam sind wir stark“ – das ist ein Slogan, den sich die Musketiere zu Eigen gemacht haben, der aber auch für Mitglieder einer Genossenschaft zutrifft. Ein gemeinsames Ziel mit persönlichem Einsatz erreichen, so könnte man die Genossenschaften schnell umschreiben. Dass dies ein Vorteil für alle Beteiligten birgt, wussten übrigens schon die alten Ägypter, verrät Joachim Burgemeister: „Damals gab es bereits Steuerpachtgenossenschaften für Wein- und Obstgärten.“ Burgemeister ist Geschäftsstellenleiter und Gründungsberater des „Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V.“. Das Unternehmen mit Geschäftsstelle in Rendsburg ist Prüfungs- und Beratungsverband, Bildungsträger und Interessenvertretung für rund 2.900 Mitgliedsgenossenschaften. Der „Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V.“ betreut  Genossenschaften aus den Bereichen Kreditwirtschaft, Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen mit rund acht Millionen Mitgliedern in 14 Bundesländern. Die eigentlichen Vorreiter dieser Dienstleistungsform waren Hermann Schulze-Delitzsch, der Darlehenskassenvereine für Landwirte gründete  und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der die Kreditgenossenschaften für Handwerker ins Leben rief. Der feiert in diesem Jahr übrigens Jubiläum – seinen 200. Geburtstag. Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist einer der Väter der modernen Genossenschaftsidee. Seine Heimat hat er nie verlassen, seine Idee jedoch machte weltweit Karriere. Er hat mit seinem Wirken das Leben und das Wirtschaften der Menschen spürbar verbessert. Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe waren für ihn der Weg zum Erfolg. Selbst zwei Jahrhunderte später ist die Form einer Genossenschaft so modern und zielorientiert wie zuvor. Vorsatz und Zweck seien schnell in drei Worte fassen, sagt Joachim Burgemeister: „Es ist ein Zusammenschluss Gleichgesinnter nach dem Prinzip der Selbsthilfe, der Selbstverwaltung und der Selbstverantwortung.“ Das Konstrukt selbst sei jedoch viel komplexer, fügt der Fachmann hinzu: „Es gibt spezielle Kriterien, die berücksichtig werden müssen. Am Anfang steht die Idee und es gibt einen gemeinsamen Bedarf an einem gemeinschaftlichen Unternehmen, dessen Leistungen die zukünftigen Mitglieder nutzen sollen. Ausgehend von dieser Idee wird die Genossenschaft gestaltet. Und bei dieser Umsetzung sind wir behilflich, informieren und unterstützen.“

Gemeinsam seine Ziele besser zu erreichen - das ist der Grundgedanke einer jeden Genossenschaft. Diese Art der Kooperation bietet sich immer dann an, wenn das Verfolgen eines wirtschaftlichen Ziels die Leistungsfähigkeit des Einzelnen übersteigt, zugleich aber die selbstständige Existenz gewahrt werden soll. Mit Hilfe eines gemeinschaftlich betriebenen Unternehmens wird die wirtschaftliche Tätigkeit der Genossenschaftsmitglieder ergänzend unterstützt. Man tritt gemeinsam am Markt auf, erzielt günstige Absatz- und Beschaffungskonditionen oder aber kann betriebliche Funktionen effizienter und qualitativ besser ausüben. Überall dort, wo Politik und Wirtschaft nicht greifen oder unterstützen können, steht die Genossenschaft im Fokus. Die Bürger sind gefragt und können ihr persönliches Projekt selbstständig mitgestalten, sie können mitreden und Entscheidungen treffen.

Heute gibt es eine Vielzahl an Genossenschaften in den unterschiedlichsten Bereichen: Einkaufsgenossenschaften, der bekannte Markttreff für die Nahversorgung auf dem Lande, Kindergärten, Windparks und sogar ein komplettes Stadtmarketing. In Deutschland sind 22,6 Millionen Menschen Mitglied einer Genossenschaft – mit steigender Tendenz. Weltweit sind heute über eine Milliarde Menschen in Genossenschaften organisiert. Immer wenn es einer allein nicht schaffen kann, ist der Zusammenschluss Gleichgesinnter Erfolg versprechend, und es entsteht eine Genossenschaft: So modern, wie schon vor 200 Jahren!

Text: Andrea Weide, Foto: Jörg Weide