Dienstag, 28. Juni 2022    08:28

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Flower-Power für Balkon und Garten: Paradiese für Insekten

Zahlreiche Studien belegen, dass das Insektensterben rasant fortschreitet. Gründe dafür sind neben dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft auch unsere Städte, die mit asphaltierten Straßen, versiegelten Gehwegen und Vorgärten aus Schotter und Stein alles andere als insektenfreundlich sind. Dabei sind die kleinen Tiere enorm wichtig für unser Ökosystem: Experten gehen davon aus, dass sie etwa drei Viertel der Kulturpflanzen bestäuben, die uns mit Nahrung versorgen. Doch mittlerweile gelten 41 Prozent der in Deutschland beheimateten Wildbienen-Arten als gefährdet und stehen auf der Roten Liste, und auch um die Hummeln und Schmetterlinge ist es nicht gut bestellet. Privathaushalte können ganz einfach helfen, diesem Rückgang entgegenzuwirken. Denn schon ein üppig bepflanzter Balkon oder ein buntes Blütenbeet im Garten kann zum Paradies für Insekten werden.

 

Nahrung für das ganze Jahr

Wer die Außenflächen seiner Wohnung insektenfreundlich gestalten möchte, sollte sich zunächst Gedanken über passende Pflanzen machen. Dabei ist es sinnvoll, einen Mix aus früh-, mittel- und spätblühenden Arten zu wählen. Denn so finden Bienen, Schmetterlinge und Co. das ganze Jahr über Nahrung. Im Frühjahr bieten sich etwa Zwiebel- und Knollenpflanzen, wie Schneeglöckchen, Narzissen oder Krokusse an. Wenn es wärmer werde, sind Sommerblumen, wie Kugeldisteln, Glockenblumen, Kornblumen, Mohn oder Ringelblumen gefragt. Im Herbst sind Astern, Dahlien oder Sommerheide gute Nahrungslieferanten. Heimische Wildpflanzen sind in der Pflege recht genügsam, einige der Arten sind auch auf dem Balkon winterhart. Zudem haben sie meist ungefüllte Blüten, was für Insekten besonders wichtig ist, da sich darin ausreichend Nektar befindet. Blumen mit mehrfach gefüllten Blüten sind für Insekten oft nicht zugänglich. Spezielle insektenfreundliche Samenmischungen mit Wildblumen verwandeln Balkonkästen im Handumdrehen in ein buntes Blumenmeer. Und wer auch für sich selbst etwas pflanzen möchte, entscheidet sich für mediterrane Kräuter, wie Oregano, Thymian, Salbei oder Lavendel, die ebenfalls ein Mekka für Bienen sind.

Auch das Angebot an insektenfreundlicher Rosen ist heute groß. Es gibt sie in allen Größen und Farben, wichtig ist nur, dass sie ungefüllte Blüten haben. Sie passen in jede Gartenanlage und können mit insektenfreundlichen Stauden, Lavendel, Verbenen oder auch wilder Malve angepflanzt werden. In jeden Garten macht sich eine „verwilderte“ Ecke aus Brennnesseln oder eine Blühinsel aus pflegeleichten Wildblumen gut, die man an einem warmen, trockenen Ort mit Totholz oder einem Steinhaufen kombiniert. Schnell werden sich hier nestbauende Wildbienen oder Hummeln ansiedeln.

 

Das mögen Insekten außerdem

Neben den richtigen Pflanzen freuen sich kleine Krabbler besonders auf dem Balkon über ein Insektenhotel in dem sie nisten können. Es sollte an einem sonnigen Ort aufgestellt oder aufgehängt werden, an dem es vor Regen und Wind geschützt ist. Wichtig ist, dass das Insektenhotel im Winter hängen bleibt, sonst schlüpfen die Nachkömmlinge zu früh und sterben. Auch eine flache Trinkschale mit Steinen lockt Bienen, Schmetterlinge und Co. an und lädt sie zum Verweilen ein. Und wenn sich dann auch noch Spinnen und Marienkäfer einfinden, geht es auch gleich den lästigen Blattläusen an den Kragen, was den Einsatz von Chemie unnötig macht.

Text: Sabine Fleischmann, Fotos: pixabay.com & djd