Sonntag, 26. Januar 2020    10:43


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Heinz Rudolf Kunze:

„Musik und Bücher sind mein Lebenselixier“

Der Künstler erfindet sich nach über 30 Jahren auf der Bühne und unzähligen ausverkauften Shows mit Band und Streichern noch einmal ganz neu. So persönlich wie nie präsentiert er sich in seinem neuen Soloprogramm "Wie der Name schon sagt” am 15. Februar 2020 im Elbeforum Brunsbüttel.
Heinz Rudolf Kunze ist ein Künstler mit vielen Facetten. Er wurde im Jahre 1956 Espelkamp geboren.
Ab 1975 studierte er Germanistik und Philosophie in Münster und Osnabrück und beendete es mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Kunze ist ein bekannter deutscher Schriftsteller, Rocksänger, Liedermacher, und Musicaltexter und -übersetzer. 1980 begann er seine künstlerische Karriere mit einem erfolgreichen Beitrag beim deutschen Pop-Nachwuchs-Festival in Würzburg. Ein Jahr später schloss er seinen ersten Plattenvertrag ab und veröffentlichte sein Debütalbum „Reine Nervensache“, worauf die erste Deutschlandtour startete. Nur wenige Zeit später, erschien die Single „Dein ist mein ganzes Herz“ – sie erlangte kurz nach Veröffentlichung Goldstatus. Darauf folgten mehrere Deutschland-Tourneen, die längste 1987 mit 70 Konzerten. Kunze veröffentlichte bis heute 24 Studioalben. Mit dem Künstler sprach unsere Mitarbeiterin Andrea Weide.

Sie treten am 15. Februar im Elbeforum Brunsbüttel auf. Es ist ein Solo-Programm mit dem Namen „Wie der Name schon sagt“. Was sagt uns der Name denn?
Dieser Programmtitel ist ein bisschen augenzwinkernd und bedeutet: Da kommt was Merkwürdiges auf die Besucher zu. Ich bin schon eine eigene Marke. Den Namen Heinz Rudolf Kunze gibt es nicht so oft. Kunze wohl schon, insbesondere im Osten, Heinz Rudolf hört man auch schon mal. Aber alles zusammen ist schon einzigartig, und so ist auch mein Soloprogramm. Und ich glaube, dass das, was ich mache, auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat.

Was erwartet die Gäste an diesem Abend?
Das, was man mit einem Flügel, drei Gitarren und einer Mundharmonika so darstellen kann. Sozusagen ein bunter Strauß meiner Musik von alten Hits bis hin zu neuen Stücken. Es ist nicht ganz so einfach aus dem großen Repertoire der Lieder, die schon so lange vorhanden sind, die passenden herauszufiltern. Aber ich habe versucht einen attraktiven Bogen über den musikalischen Anfang bis zum heute Tage zu spannen.

Sie haben hunderte an Songs geschrieben. Nach welchen Kriterien haben Sie die Lieder für diesen Abend ausgesucht?
Kriterien würde ich das nicht nennen. Eher Instinkt und Bauchgefühl. Natürlich ist nicht jeder meiner Songs für ein Soloprogramm geeignet. Manche sind einfach nicht „allein“ spielbar, weil sie beispielsweise sehr stark von dem Arrangement einer größeren Zahl an Musikern leben. Andere Lieder hingegen eigenen sich hervorragend zum „allein spielen“. Ich habe geschaut: Was geht – was geht nicht. Dafür habe ich jetzt vier Jahre Erfahrung gesammelt. Ich müsste eigentlich sagen: erste vier Jahre. Denn erst seit 2015 bin ich solo unterwegs. Vorher habe ich das nie gemacht.

Erwartet die Gäste denn auch Songs, bei denen sie mitsingen können?
Aber sicher. Es wäre ja auch unfair, den Gästen dies zu verweigern. Die Konzertbesucher wollen doch ihren Spaß haben und nicht nur die ganze Zeit aufmerksam lauschen. Etwas Vertrautes und Bekanntes steht ganz sicher auf dem Programm.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Norden?
Letzten Endes bin ich im Süden vom Norden, also am Südrand von Niedersachsen aufgewachsen. Ich habe mein gesamtes Leben in Niedersachsen zugebracht, bis auf eine kurze Episode in Nordrhein-Westfalen. Zum Teil im Harz, an der niederländischen Grenze, in Osnabrück und in Hannover. Ich sehe mich also schon als einen norddeutschen Menschen. Ich komme zwar viel rum und kenne das Land inzwischen sehr gut. Es dürfte keine Stadt geben, in der ich noch nicht gespielt habe. Am Ende bin ich aber immer wieder ein Norddeutscher.

Was bedeutet Ihnen diese Freundschaft – oder besser: gibt es überhaupt Freundschaften mit anderen Künstlern?
Freundschaften mit anderen Künstlern sind eher selten. Deswegen freut es mich immer besonders, wenn man sich gewogen ist. Es gibt bei Künstlern in punkto Freundschaft eigentlich die gleichen persönlichen Verhältnisse wie bei Ärzten, Rechtsanwälten, Polizisten oder Feuerwehrleuten. Da gibt es Kollegen, die kann man besser leiden kann und andere eben weniger. Es ist relativ schwierig mit Musikern befreundet zu sein, weil wir alle ein bizarres Leben führen.
Wenn man sich sieht, dann am ehesten in den Fernsehgarderoben oder auf Festivals. Viel Zeit für Privates bleibt da nicht. Deshalb ist es auch im privaten Leben schwierig Freundschaften zu pflegen – was auch meine „normalen“ Freunde betrifft. Die müssen halt immer zu anderen Zeiten arbeiten als ich. Insofern ist das Aufrechterhalten von Freundschaften nicht einfach in meinem Beruf.

Sie haben Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert. Warum und wie sind Sie dann letztendlich Musiker geworden?
Fakt ist, dass ich nie Lehrer werden wollte. Ich habe auf Lehramt studiert, um einen sinnvollen Abschluss zu haben und nicht den blutleeren Magister. Mein Professor hatte mir ebenfalls dazu geraten und mir an der Uni eine Assistentenstelle in Aussicht gestellt. So sollte das laufen, ist es aber nicht.
Die Assistentenstelle wurde gestrichen und mein eigentlicher Lebensplan als Literaturwissenschaftler rückte in weite Ferne. Dann wurde ich durch eine Verkettung von glücklichen Umständen bei einem Nachwuchsfestival in Würzburg entdeckt. Da saßen gefühlte 50 Spitzenmanager der deutschen Plattenindustrie und überhäuften die Teilnehmer mit netten Angeboten. So bin dem Lehramt von der Schippe gesprungen – Gott sei Dank!

Stellen Sie vor, wir hätten eine Zeitmaschine die sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit fahren kann. Wo würden Sie gerne aussteigen?
Ich glaube, ich würde gerne in die Vergangenheit reisen. Von der Zukunft halte ich nicht viel und ich weiß auch nicht, was uns da blüht. Das wäre mir zu riskant, weil ich nicht weiß, wo ich da überhaupt lande. In der Vergangenheit könnte ich mir zumindest das Ziel aussuchen. Ich würde mich vielleicht zu Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar rückwärts beamen lassen und mit ihm zusammen eine Flasche Moselwein trinken.

Verraten Sie und wofür Sie keinesfalls Geld ausgeben würden …
Ich würde kein Geld für den schönsten, teuersten und elegantesten Sportwagen ausgeben. Wenn ich in Geld schwimmen würde und mit Millionen um mich werfen könnte, würde mich beispielsweise ein Lamborghini überhaupt nicht interessieren. Wenn überhaupt teure Autos, dann geräumige und komfortable Modelle, wie etwa ein alter Jaguar. Aber bitte keine Sportwagen - die sind hart, laut und unbequem.

Und wofür greifen Sie schon mal tief in die Tasche?
Ich habe eigentlich nur zwei Laster, für die ich viel Geld ausgebe. Das sind CDs und Bücher. Was naheliegend ist, denn ich interessiere mich auch in meiner Freizeit fast ausschließlich für Sprache und Musik. Das ist nicht nur mein Beruf, sondern mein Lebenselixier.

Text: Andrea Weide, Foto: Martin Huch