Montag, 16. Juli 2018    02:36


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Tischler - moderne Kreativität und alte Handwerkskunst vereinen sich zu einem vielfältigen Beruf

Max Hansen hat gerade seine Arbeit an der Tischkreissäge beendet. Die Maschine macht ziemlich Krach, wenn sie in Gang ist – deshalb trägt er zum Schutz seiner Ohren „Mickymäuse“. Er nimmt sie ab und gibt gern Auskunft über den Beruf, den er sich ausgesucht hat und der ihm schon seit Kindertagen im Blute zu liegen scheint. „Als ich noch ein kleiner Junge war, hat mir mein Vater immer alle möglichen Werkzeuge in die Hand gegeben – und ich hatte genug zu schrauben, zu hämmern und zu basteln“, erzählt der 18-Jährige. So stand seine berufliche Ausrichtung sehr bald fest. Max ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Tischler bei der „Bau- und Möbeltischlerei mmp“ in Husum. Darüber hinaus nahm er in der Schule an einer Projektarbeit „Möbelbau“ teil: „Er hat die Arbeit sorgfältig mit Beschreibungen und Fotos dokumentiert“, erläutert Firmenchef Maik Petersen. 

Wer Tischler werden will, muss einen Hauptschulabschluss mitbringen. Die Ausbildungszeit umfasst drei Jahre. Freilich ist es förderlich, wenn angehende Auszubildende über räumliches Vorstellungsvermögen verfügen und die Grundrechenarten beherrschen; gleichwohl sind menschliche Stärken, wie Sauberkeit auf der Baustelle, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und freundliches Auftreten – auch und vor allem den Kunden gegenüber – mindestens genauso wichtig. Und wer sich für den gewählten Beruf ehrlich interessiert, wer ihn mit Liebe, innerem Feuer, handwerklichem Geschick und einigem Einfallsreichtum auszufüllen vermag, wird seine Entscheidung nicht bereuen. Damit weder zukünftige Auszubildende noch der Ausbildungsbetrieb „die Katze im Sack“ kaufen, ist, so Maik Petersen, ein Betriebspraktikum unerlässlich. Moderne Technik in der Werkstatt und auf Baustellen – wie unter anderem die dreidimensionale Darstellung von Werkstücken oder die Dokumentation per Tablet – garantieren eine ebenso zeitgemäße wie fachgerechte Ausbildung. 

Das Tischlerhandwerk verbindet modernste maschinelle Errungenschaften mit dem Charme alter, traditioneller Handwerkskunst: Diese Mischung ist der Humus für einen ungeheuer vielseitigen Beruf, der kreativ ist, der Querdenken zulässt bis hin zur gelinden Provokation und bereit, auch einmal unkonventionelle Wege zu beschreiten. Von der Neuerschaffung und -gestaltung bis hin zur Reparatur von Oma’s aus dem Leim gegangener Kommodenschublade ist für einen Tischler alles drin. Handwerkliche Kreativität kann sich auf die Gestaltung eines Raumes beziehen, aber auch auf Improvisationstalent im Rahmen einer Baustelle. Denn es läuft nicht alles immer so wie geplant. Ein Tischler muss pfiffig sein, aus der Not eine Tugend machen, nicht Fehler, sondern Lösungen finden können. 

Betriebe, die die Ausbildung des Berufsnachwuchses ernst nehmen, sorgen dafür, dass die jungen Leute im ersten Ausbildungsjahr den Betrieb kennenlernen und erfahren, wie und mit welchen Werkzeugen auf Baustellen gearbeitet wird. Nach einer Phase der Mit- und Zuarbeit sowie der Unterstützung kommt später das Ausführen kleiner selbstständiger Arbeiten unter Aufsicht hinzu. „Im zweiten Halbjahr des dritten Ausbildungsjahres lassen wir unsere Auszubildenden weitgehend eigenverantwortlich tätig sein“, sagt Maik Petersen.  

Der Tischlerberuf hat in den letzten Jahrzehnten eine Wandlung durchgemacht. Der Wunsch nach Möbeln, die bedenkenlos weitervererbt werden konnten und „für die Ewigkeit gemacht“ waren, ist verebbt. Früher gab es langfristige Epochen – heute eher sich rasch verändernde Stile. Dennoch muss  ein Tischler immer am Ball bleiben, Trends sehen und „riechen“, bevor sie offensichtlich sind – und immer gleichbleibende, hervorragende Qualität liefern. 

Text und Fotos: Sonja Wenzel