Sonntag, 26. Januar 2020    16:52


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Bäcker oder Bäckerin:
Kreativität in der Morgenfrühe

In Deutschland gibt es immer weniger Bäckereien. Seit dem Jahre 2012 ist die Zahl der Bäckereien in Deutschland von 13.400 auf nur noch gut 11.500 gesunken, meldete der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks in einer Pressemitteilung im September 2019. „Sorgen macht uns wie vielen anderen Branchen der Nachwuchsmangel, denn die Zahl der Auszubildenden ist um fast 40 Prozent auf 17.300 im Jahre 2017 zurückgegangen“, wird die Präsidentin des Verbandes Deutscher Großbäckereien e.V., Professor Dr. Ulrike Detmers, zitiert. Im Jahre 2018 sei die Zahl weiter auf 16.000 gesunken - der Wettbewerb innerhalb der einzelnen Branchen um Auszubildende werde in den nächsten Jahren sicherlich weiter zunehmen.

Die Bäcker-Innung Nord teilt mit, dass in Schleswig-Holstein 2012 noch 447 Auszubildende das Bäcker-Handwerk erlernten, in 2018 waren es nur noch 279 (davon 69 Frauen). Das entspricht einen Rückgang um rund 38 Prozent – ähnlich wie der Bundestrend. Wer sich für den Beruf des Bäckers interessiert findet hierzu in einem Steckbrief der Arbeitsagentur folgende Berufsbeschreibung: „Bäcker/innen stellen Brot und Brötchen, Backwaren aus Blätter-, Mürbe- oder Hefeteig, Torten und Süßspeisen, Partygebäck und kleine Gerichte her. Dazu wiegen und messen sie die Zutaten, wie Mehl, Milch, Eier, Hefe, Gewürze und Zucker ab und mischen sie nach Rezept zusammen. Sie überwachen die Teigbildungs- und Gärungsvorgänge und beschicken die Öfen. Schließlich glasieren oder garnieren sie die Waren, um sie zu verfeinern und sie noch appetitlicher aussehen zu lassen.“

Die abwechslungsreiche Ausbildung dauert normalerweise drei Jahre. Die praktische Ausbildung in der Backstube wird ergänzt durch regelmäßigen Berufsschulunterricht, so werden sowohl die richtigen handwerklichen Fähigkeiten und Rezepturen für die Herstellung einer großen Vielfalt von Backwaren vermittelt, als auch theoretische Grundlagen, beispielsweise Warenkunde, Betriebswirtschaft und Lebensmittelhygiene. Teamarbeit wird groß geschrieben, denn bei vielen Produkten greifen die Arbeitsschritte buchstäblich Hand in Hand.

Der Anteil schwerer körperlicher Arbeit ist durch den Einsatz von Maschinen deutlich zurückgegangen - ein Grund, warum immer mehr Frauen den Bäckerberuf erlernen - zur Zeit ist etwa ein Viertel aller Bäckerlehrlinge weiblich. Eine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung ist nicht vorgeschrieben. Hauptschulabschluss oder ein mittlerer Bildungsabschluss sind wünschenswert, aber auch Auszubildende mit Abitur sind gern gesehen und können mit einer verkürzten Ausbildungszeit rechnen. Der Arbeitstag eines Bäckers beginnt meist zwischen zwei und vier Uhr morgens und endet gegen Mittag. Gerade im Sommer sei so der Gang ins Freibad gesichert und im Winter habe man genügend Freizeit bei Tageslicht. Trotz oder gerade wegen dieser Arbeitszeiten, sei Bäcker oder Bäckerin ein familienfreundlicher Beruf, meint Jens-Uwe Böhling, Obermeister der Bäcker-Innung im Kreis Schleswig-Flensburg. Der Ehe- oder Lebenspartner könne nachmittags in Vollzeit arbeiten, so bräuchte man keine zusätzliche Kinderbetreuung.

Der Weg muss nach der Ausbildung zum/zur Bäckergesellen/in noch lange nicht zu Ende sein. Die wichtigste aller Weiterbildungen im Bäckerhandwerk ist die Meisterprüfung. Man hat als Bäckermeister/in viele verschiedene Möglichkeiten Karriere zu machen: ein Studium, als Fachlehrer/in, um anderen das eigene Wissen beizubringen, oder man übernimmt eine leitende Position, führt Mitarbeiter oder macht Karriere als eigener Chef. „Das schönste am Bäckerberuf ist die Kreativität. Man kann sich ausprobieren und spezielle Kundenwünsche umsetzen“, heißt es. Die Bäckereien im Land haben für jeden Geschmack das richtige Angebot. Neue Trends und Vorlieben werden von den Betrieben aufgegriffen und in entsprechenden Produkten umgesetzt. Der Bäckerberuf ist kreativ, vielseitig und bietet gute Zukunftschancen.

Text: Jörg Kasischke, Fotos: AdobeStock