Montag, 24. Februar 2020    02:51


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Lust auf Gastronomie - Karrierepotenzial für Multitalente

Die Gastronomie ist eigentlich eine grenzenlose Branche, die jedem, der gerne mit und für Menschen arbeitet, viele Möglichkeiten und Karrierechancen in der Berufswelt eröffnet. Der Aufstieg vom Azubi zum Küchenmeister mit Sterne-Potenzial, zum Hoteldirektor oder der Weg in die Selbstständigkeit sind keine Seltenheit. Auch der Arbeitsplatz kann letztendlich auf der ganzen Welt sein. Eines muss jedoch auch gesagt werden: Arbeiten, wenn andere frei haben, immer freundlich und zuvorkommend sein, körperlich ständig gefordert werden - der Job kann ganz schön anstrengend sein. Doch wer gerne im Team arbeitet und kreativ ist, ist mit einer Ausbildung in der Gastronomie gut aufgehoben.

Bewerber sollten je nach Berufssparte mindestens einen guten Hauptschulabschluss mitbringen. Mittlere Reife oder Abitur sowie Fremdsprachenkenntnisse sind auf jeden Fall von Vorteil. Viele Ausbildungsbetriebe sehen die sogenannten Soft Skills als wichtiger als die Schulnoten an. Angehende Fachleute fürs Gastgewerbe müssen kommunikativ, aufgeschlossen, flexibel und engagiert sein. Ebenso spielen Sorgfalt, Pünktlichkeit und Fleiß eine wichtige Rolle. Dafür erhalten die Azubis eine umfangreiche Ausbildung, die facettenreich ist und jeden einzelnen zu einem Fachmann auf seinem Gebiet macht. Wer also Karriere machen möchte, hat sein persönliches Sprungbrett dafür gefunden und kann seine berufliche Zukunft individuell selbst bestimmen. Wie in so manchen anderen Wirtschaftsbranchen ist auch in der Gastronomie betriebswirtschaftliches Knowhow gefragt. Märkte verändern sich, neue Trends müssen erkannt und Innovationen umgesetzt werden. Dafür sind unter anderem die management- und marketingorientierten Studiengänge Bachelor (B.A.) Hotel- und Restaurantmanagement, Gastronomie-Management (B.A.) Fachrichtung Food, Beverage and Culinary Management oder der Studiengang Hotel- und Tourismusmanagement da.

Koch / Kochmeister: Das Auge isst mit

Der Kochberuf ist neben dem Hotelfachmann der zweitgrößte Ausbildungsberuf im Gastgewerbe. Koch sein ist noch ein richtiges Handwerk, für das man zunftgemäßes Geschick benötigt, Durchhaltevermögen, Motivation und jede Menge Kreativität. Drei Jahre dauert die Ausbildung, die viele Sparten abdeckt. Wer also gerne Gerichte zubereitet und Rezepte ausprobiert, ist hier genau richtig. Ein Irrglaube ist, dass der Koch sich nur auf die Zubereitung von Mahlzeiten zu konzentrieren hat. Das Berufsbild erfordert mehr als man denkt. Die Erstellung eines Speiseplans, der Einkauf von Zutaten, Produkten und Nahrungsmitteln sowie deren fachgerechte Lagerung fallen in den Aufgabenbereich.

Nicht zu unterschätzen ist der kreative und künstlerische Aspekt in diesem Beruf. Oft entscheidet die Darbietung der Mahlzeiten über das Urteil des Konsumenten. Es heißt: „Das Auge isst mit“ - ein ausschlaggebender Umstand, der über eine gelungene Mahlzeit entscheiden kann.

„Eine gute Grundausbildung, insbesondere neben der Berufsschule, ist sehr wichtig“, sagt Hans Jürgen Thomsen und fügt hinzu: „Darauf legen wir unseren Fokus. Alle Auszubildenden erlernen den Beruf von der Pike auf.“ Dabei wird großer Wert auf Kommunikation und Korrektheit - auch im Umgang mit den Gästen - gelegt. Den Mut zur Veränderung und die Kreativität für Neues spiegelt sich auch in der Küche von Hans Jürgen Thomsen wider. Alle Gerichte tragen die unverwechselbare Handschrift des Küchenchefs. „Die Küche ist meine Welt. Ich versuche immer wieder etwas Neues auszuprobieren.“ Kulinarische Pionierarbeit am Herd könnte man das nennen.

Er weist darauf hin, dass es jede Menge Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. "Man kann Küchenmeister werden, interne Fortbildungen besuchen oder sich über die Kammern fortbilden", macht Hans Jürgen Thomsen deutlich. Der Kochberuf ist breit gefächert: "Ob es nun das Kreuzfahrtschiff ist, die Spitzengastronomie, die Kantine, Pflegeheime, Catering-Firmen oder öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser – gute Köche werden immer händeringend gesucht."

Mehr als nur Zimmerservice: Hotelfachfrau / Hotelmeisterin

Die Reiselust ist sowohl im In- als auch im Ausland ungebrochen. Wer sich an seinem Urlaubsdomizil richtig wohlfühlt, hat dies letztendlich einer Person zu verdanken, die im Hintergrund agiert und die Abläufe im Hotel managt. Die Hotelfachfrau muss flexibel sein und sich um alle Bedürfnisse der Gäste kümmern. Der Gast ist König und soll sich einen gelungenen Urlaub gönnen oder eine schöne Zeit verleben, zufrieden abreisen und gern wiederkommen. „Die Ausbildung dauert drei Jahre. Diese Zeit benötigt man auch, um alle Abteilungen in einem Hotel zu durchlaufen – von der Rezeption bis zum Zimmerservice“, erklärt Hotelmeisterin Katrin Hanke. Sie hat sich für den nicht immer leichten Beruf bewusst entschieden und dies auch nie bereut, sagt sie: „Selbst die manchmal ungünstigen Arbeitszeiten habe ich nie als unangenehm empfunden. Ich konnte so meinen Tageablauf flexibel gestalten.“ Für den Beruf der Hotelfachfrau muss man den Umgang mit Menschen lieben und einen großes Potenzial an Dienstleistungsbereitschaft mitbringen, weiß sie aus Erfahrung zu berichten und rät interessierten Jugendlichen: „Einfach mal in den Beruf reinschnuppern und ein Praktikum in einem Hotelbetrieb machen. Dann findet man schnell heraus, ob einem der Beruf liegt, denn ohne die bedingungslose Leidenschaft geht das nicht.“ Mindestvoraussetzung ist auch hier die Mittlere Reife – in manchen Häusern ist sogar ein höherer Abschluss gewünscht. Da in Hotels auch internationales Publikum logiert, sind teilweise auch Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil. Neben kaufmännischem Verständnis braucht die angehende Hotelfachfrau Organisationstalent, Verhandlungsgeschick und eine ausgeprägte Teamfähigkeit. „Ein freundlicher und zuvorkommender Umgang mit anderen Menschen ist die Schlüsselkompetenz, über die jede angehende Hotelfachfrau verfügen sollte“, bringt es Katrin Hanke auf den Punkt. Kein unwesentlicher Aspekt sei auch, dass nach der Ausbildung alle Türen offen stehen: „Man hat sämtliche Entfaltungsmöglichkeiten in dieser Branche und man kann sich nach dieser komplexen Ausbildung individuell spezialisieren – im Restaurant, für Veranstaltungen oder man geht ins Ausland. Die Welt steht einem auf dem Passagierschiff für eine oder mehrere Saisons offen.“ Wer Lust auf Weiterbildung hat, kann als Hotelmeister ein Hotel führen, sich selbstständig machen oder ins Hotel-Management gehen. „Die Möglichkeiten sind vielseitig und verdammt interessant“, so Katrin Hanke abschließend.

Ketchup im Blut - Systemgastronom

Mit Pommesschütteln und Burgerbraten hat der Beruf des Systemgastronomen schier gar nichts zu tun. „Vielmehr muss man Ketchup im Blut haben, um die Leidenschaft für diesen Beruf zu entwickeln“, erklärt Systemgastronom Andreas Troczynski mit einem Augenzwinkern und fügt hinzu: „Es gibt zum einen die Fachkraft für das Gastgewerbe, hier dauert die Ausbildung zwei Jahre – gefordert ist mindestens ein Hauptschulabschluss. Für den Beruf des Systemgastronom dauert die Ausbildung drei Jahre mit der Voraussetzung des Realschulabschlusses.“

Als Fachkraft für Systemgastronomie durchläuft man alle Stationen mit den geforderten Standards einer Restaurantkette. Aber auch die Betreuung von Gästen, die Aufnahme von Bestellungen und Wünschen gehören zu den Aufgaben. „Wer teamfähig ist und bereit ist in drei Schichten zu arbeiten, ist bei uns im Hause McDonald‘s genau richtig. Hier erhält man eine umfangreiche Allround-Ausbildung mit System, in der man Schritt für Schritt alles lernt, was für die Zukunft in der Gastronomie benötigt wird – von der Produktzubereitung bis hin zum Service.“ Mit der abgeschlossenen Ausbildung und guten Leistungen kann man unter anderem als Crew-Trainer einsteigen und kümmert sich um Produkt- und Servicequalität und um das Training der Crew-Mitarbeitenden. Wer genügend Ehrgeiz besitzt, kann interne Fortbildungen nutzen, um so den Weg ins Restaurant-Management zu gehen. Mit entsprechendem Engagement kann man es vom Schichtführer bis zum Restaurant-Manager schaffen. 

Beim Systemgastronom laufen alle Fäden zusammen, so beschreibt Andreas Troczynski seinen Beruf: „Wir sagen immer: Das Herz sollte für die Gastronomie schlagen. Es stehen Fächer wie beispielsweise Betriebswirtschaft, Mitarbeiterführung und Marketing auf dem Ausbildungsplan.“ Zu den Aufgabengebieten gehören unter anderem die Überwachung und Organisation sämtlicher Bereiche des Restaurants und die Regelung der Arbeitsabläufe in Einkauf, Lagerhaltung, Küche, Service und Verkauf. Darüber hinaus werden Personalplanung, die Qualitätskontrolle der Produkte und die Umsetzung von Marketingmaßnahmen übernommen. Nach der Systemgastronomie-Ausbildung ist noch lange nicht Schluss und man kann in Selbstbedienungsrestaurants, bei Fast-Food-Ketten, in Gaststätten und Restaurants, in Betriebskantinen und bei Catering-Unternehmen oder bei der Deutschen Bahn sowie der Lufthansa tätig sein, dort dann in allen Arbeitsbereichen wie Service, Büro, Küche und Lager.

Text: Andrea Weide, Foto: Jörg Weide