Samstag, 20. Oktober 2018    07:13


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Ein Taumhaus am Fluss

Das alte Fährhaus in Delve an der Eider

Es liegt geschützt hinter dem alten Eiderdeich, das reetgedeckte Traumhaus von Cornelia von Madeyski und Andreas Reichert. Das Hamburger Ehepaar kaufte das Haus im Herbst des Jahres 2009. "Wir haben anderthalb Jahre damit verbracht, das Haus von Grund auf zu sanieren", verrät Reichert. Beide waren sich einig, dass der Stil des alten Hauses erhalten bleiben soll. Von außen haben sie kaum etwas verändert, die alten Sprossenfenster sind geblieben und auch die typisch weiße Farbe der reetgedeckten Häuser im Norden ist nur erneuert worden. "Im Innenbereich haben wir die Innenwände entfernt, soweit das möglich war und aus vielen kleinen Räumen ein großzügiges Wohn- und Esszimmer gestaltet", sagt der Bauherr. Bei der Inneneinrichtung konnte sich Cornelia von Madeyski als Einrichtungsfachberaterin einer bekannten Hamburger Firma selbst verwirklichen. "Der alte Charme des Hauses ist erhalten geblieben, aber mit der neuen Einrichtung ist es viel gemütlicher und ein Haus zum Wohlfühlen geworden", schwärmt die Bauherrin. Alles ist in warmen Naturtönen gehalten, das Grau der Fliesen erinnert an Kieselsteine am Meer und die hellen Möbel erscheinen sehr gemütlich. Sie verbringen viel Zeit in ihrem Traumhaus am Fluss, jenseits der Hektik der Elbmetropole. Es ist ein Paradies für Kinder mit einer Badestelle direkt vor der Haustür. "Als unsere beiden Söhne noch jünger waren, haben sie die gemeinsamen Wochenenden mit uns am Wasser genossen. Mittlerweile kommt der Ältere lieber mit Freunden aufs Land, und der Jüngere schätzt das Leben in der Hansestadt", sagt Cornelia von Madeyski mit einem Augenzwinkern.

Das ehemalige Fährhaus der Bargener Fähre wurde zirka 1850 erbaut, weiß der Delver Dorfchronist Ingo Wichmann. In seinem Archiv befindet sich eine Aufnahme aus dem Jahre 1953, diese zeigt den ursprünglichen Fachwerkbau mit rotem Backstein. Damals wohnte Familie Warner in dem Haus, zuvor war es Rudolf Vollmert, er war der letzte Nachtfährmann der Bargener Fähre, deren Betrieb im Jahre 1961 eingestellt wurde. Anfang der 1960er Jahre kaufte Karl Westphalen aus Delve das marode Gebäude und sanierte es gründlich. Später erwarb Dachdeckermeister Bernhard Johannßen von der Insel Sylt das kleine Häuschen an der Eider und seine Erben verkauften das Haus im Jahre 2009 an das Hamburger Ehepaar.

"Wir haben rein zufällig eine kleine Immobilienanzeige mit Foto in der Welt am Sonntag gesehen", sagt Reichert, "wir wussten nicht einmal, wo es liegt, aber das kleine Häuschen hat uns einfach angesprochen." Sie haben es sich angeschaut und den Kauf noch keinen einzigen Tag bereut. "Es sind die Menschen, denen wir willkommen sind, hier gibt es noch eine intakte Dorfgemeinschaft", schwärmt Reichert. Er ist Mitglied geworden im Bargener Fährverein, und sobald es seine berufliche Tätigkeit zulässt, steuert er selbst die Bargener Fähre, die seit dem Jahre 2001 die Kreise Dithmarschen und Schleswig-Flensburg wieder verbindet, zumindest am Wochenende. "Und wenn wir mal nicht da sind, dann sind es die Delver, die auf unser Traumhaus am Fluss aufpassen, allen voran Peter Schlüter", freuen sich die beiden Hamburger. 

Text und Fotos: Bärbel Sommer