Samstag, 18. November 2017    20:22


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Ein Leben lang lernen: Studium für die Generation 50 plus

Wer sich im Alter jenseits der 50 für die Aufnahme eines Studiums entscheidet, möchte seinen Horizont erweitern oder sich endlich einen lebenslang gehegten Wunsch erfüllen, vielleicht aber auch – trotz aller Berufserfahrung - das bisherige Berufsleben weiter ausbauen. Grundsätzlich steht der Weg zu Universitäten allen offen, die eine Hochschulzugangsberechtigung besitzen. In den 1980er Jahren wurden an deutschen Hochschulen die ersten Angebote für ältere Menschen eingerichtet als „Studium 50plus“ beziehungsweise „Studium 60plus“. Manche Universitäten bieten einzelne Lehrveranstaltungen für Senioren an, andere wiederum ein strukturiertes Studienprogramm für diese Altersgruppe.

Fördermöglichkeiten
Die Grenzen hierfür sind eng, um „ewige Studenten“ von einer Dauerförderung auszuschließen. Insofern sind staatliche finanzielle Unterstützungen für Studenten an ein Höchstalter geknüpft. BAföG wird nur Studenten gewährt, die bei Studienbeginn unter 30 Jahre alt sind. Ausnahmen werden beispielsweise gemacht für Zeiten der Kindererziehung. Auch Stipendien haben normalerweise eine Altersgrenze. Möglich ist es auch, berufsbegleitend zu studieren: Dabei bieten sich verschiedene Fernstudiengänge an.

Studium als Gasthörer
Viele Ältere sind als Gasthörer an einer Hochschule immatrikuliert. Gasthörer sind auf eigene Initiative dabei und haben nicht die Pflicht, Vorlesungen zu besuchen. Die Zulassungsvoraussetzungen sind bei jeder Hochschule unterschiedlich. Manche setzen Abitur oder die Mittlere Reife voraus, andere Hochschulen fordern keinen Nachweis über die schulische Vorbildung. Ältere Gasthörer finanzieren ihr Studium aus eigener Tasche, entweder aus der beruflichen Tätigkeit oder der Rente. Es besteht auch an der FH Westküste die Möglichkeit, sich für eine Gasthörerschaft einzuschreiben. „Interessenten hierfür melden sich bei unserer Studienberatung und Zulassungsstelle und erhalten dort alle weiteren Informationen beziehungsweise den erforderlichen Antrag. Mit dem Antrag muss ein Abitur, eine Fachhochschulreife oder eine vergleichbare Qualifikation - beispielsweise eine Meisterausbildung - nachgewiesen werden“, sagt der Pressesprecher der Fachhochschule Westküste, Diplom-Pädagoge Carsten Friede. Vorbehaltlich verfügbarer Kapazitäten stehen dann prinzipiell alle Veranstaltungen offen.

An der Christian-Albrechts-Universität in Kiel (CAU) ist die Gruppe der eingeschriebenen Personen über 50 Jahren – also geboren vor dem 1. Oktober 1967 - ist eine bunte Mischung. Insgesamt sind es 270 Studierende, wie Raissa Maas von der dortigen Pressestelle mitteilt. Beliebte Studiengänge sind Schulmanagement und Rechtswissenschaften. 39 Personen promovieren. Die älteste Person ist derzeit 80 Jahre alt. Von insgesamt über 26.400 Studierenden gehören etwa 0,9 Prozent zu der altersgruppe jenseits der 50. Auch sie können einen regulären, anerkannten Studienabschluss erwerben. Unter allen Absolventinnen und Absolventen der CAU befinden sich rund 0,3 Prozent Personen, die älter als 50 Jahre sind.

Neben diesen offiziellen eingeschriebenen Studierenden über 50 Jahre gibt es weitere Personen aus dieser Altersgruppe, die andere Angebote der CAU nutzen, wie beispielsweise als Gasthörer zu studieren (www.studium.uni-kiel.de/de/bewerbung-einschreibung/einschreibung/gasthoererschaft) oder das sogenannte „Kontaktstudium“. Viele dieser Hörerinnen und Hörer studieren aber nicht im eigentlichen Sinne, heißt es. Sie möchten Bildungsangebote nutzen, die wissenschaftsnah sind und auch so vermittelt werden, ohne Leistungsnachweise erbringen zu müssen. „Es werden normalerweise keine Karriereerwartungen damit verknüpft“, sagt Diplompädagoge Michael Vesper, Geschäftsführer der CAU-Geschäftsstelle „Allgemeine Wissenschaftliche Bildungsangebote“. Mitunter werde aber eine Nutzungsoption im ehrenamtlichen Bereich angestrebt. Das Angebot des Kontaktstudiums ist zu finden unter: www.kontaktstudium.uni-kiel.de

Text: Sonja Wenzel