Mittwoch, 20. September 2017    07:48

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Nachdenken über die Frage nach dem „Woher und Wohin“

Er ist eher ein Aktionstag als ein Tag zu „verordneter“ Trauer: Am dritten Wochenende im September, dieses Jahr am 16. und 17. September, findet wieder der „Tag des Friedhofs“ unter dem Motto „Raum für Erinnerung“ statt. Er geht zurück auf eine Initiative des Bundes deutscher Friedhofsgärtner (BdF), der Steinmetze, Bestatter und Floristen, der sich Städte, Religionsgemeinschaften und Kommunen sowie Vereine angeschlossen haben. Seit dem Jahre 2001 wird an diesem Tag auf die Bedeutung von Friedhöfen für unsere Gesellschaft aufmerksam gemacht. In größeren Städten werden ökumenische Gottesdienste abgehalten, Friedhofsführungen oder Präsentationen zur Grabgestaltung vorgenommen.

Der Friedhof als Zeitzeuge  

Friedhöfe sind viel mehr als die letzten Ruhestätten Verstorbener. Bei einem stillen Gang zwischen den Gräbern gelingt es Frieden zu tanken, sich zu verpusten und innerlich zu sortieren. Wer sich auf die gemessene, würde- und pietätvolle Friedhofs-Atmosphäre einlässt, kann sich eine kleine Zeit lang von der Hektik des Alltags freimachen und den Geist öffnen für die philosophische Betrachtung der immer wieder bewegenden Frage nach dem Woher und Wohin allen Lebens. Hier weht der Hauch längst vergangener Zeit und mitunter scheint sie sogar stillzustehen; steinerne oder bronzene Engel, pompöse marmorne Platten und Grabmäler, schlichte Steine und das Herz ergreifende Inschriften zeugen nicht nur von unglaublicher Handwerkskunst ganzer Generationen von Steinmetzen, sondern auch von Liebe und Traurigkeiten, Erinnungen, Mut und Zuversicht; sie erzählen Geschichten von Menschen oder deuten sie an, sie offenbaren Moden und spiegeln Moralvorstellungen verschiedener Epochen wider. Friedhöfe sind alles in allem ein wichtiger Teil unserer abendländischen Kultur.

Friedhöfe als Parkersatz und grüne Lunge

Wer geliebte Menschen verloren hat, kann den Tag des Friedhofs dazu nutzen, ihnen einen Besuch abzustatten, eine Kerze und frische Blumen zu bringen, oder vielleicht ohnehin einmal nach dem Rechten zu schauen, den Zustand des Grabes zu taxieren und unerwünschte Wildkräuter zu entfernen. Handelt es sich um alte Friedhöfe, ist der ebenso alte Baumbestand, die Vielzahl an verschiedenen Büschen, an blühenden und nicht blühenden Pflanzen reizvoll und wohltuend. Oft fungieren Friedhöfe als „grüne Lunge“, filtern Schadstoffe aus der Luft und haben damit eine reinigende Funktion im Klima einer Stadt. Sie sind  überdies Lebensraum für viele Tiere: Eichhörnchen und Marder, Insekten, Vögel, Kaninchen und sogar Füchse haben hier ihren Wigwam aufgeschlagen. In vielen Religionen ist der Friedhof heilig, oder Gräber sind manchmal für die Ewigkeit angelegt worden. Friedhöfe sind regelrechte Touristenattraktionen und können ihre Besucher mit Ehrfurcht erfüllen, wenn dort berühmte Persönlichkeiten beerdigt sind. Sie haben eine Vielzahl von Gesetzen begründet, aber auch Tabus, gesellschaftliche und familiäre Pflichten und Haltungen. Sie erfüllen aber auch pragmatische und nüchterne Ziele und dienen der öffentlichen Hygiene, seit die Menschen erkannten, dass ein festgelegter Ort für die Bestattung Verstorbener der Ausbreitung von Seuchen und der Verunreinigung des Grundwassers vorbeugt.

http://www.tag-des-friedhofs.de/

Text: Sonja Wenzel, Fotos: pixelio.de