Mittwoch, 25. April 2018    04:31


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Schleitaucher Christian Hüttner geht der Schlei auf den Grund

Was macht der Urlauber, wenn ihm die Sonnenbrille in die Schlei fällt oder der Spaziergänger gar das Portemonnaie in den Ostseefjord "versenkt"? Ganz klar, er ruft Christian Hüttner zur Hilfe. Denn wenn der 44-Jährige "auftaucht", dann ist es meist aus den Tiefen der Schlei. Christan Hüttner ist Taucher aus Leidenschaft. Doch damit nicht genug, er ist zudem der einzige Berufstaucher an der Schlei, der sich auf die kleineren Unterwasser-Probleme spezialisiert hat. Die Schlei ist übrigens sein Lieblingstauchrevier, wie er selber sagt. Nicht etwa die Malediven oder das klare Wasser des Mittelmeeres reizen ihn, sondern der eher schlammige Boden und das trübe Wasser der Schlei. Warum das so ist, beantwortet der Berufstaucher mit einem Augenzwinkern: "Da gibt es so gut wie keine anderen Taucher." Ganz allein in den Tiefen der sich durch die Region schlängelnden Schlei? Da ist doch ein wenig mehr, gibt er zu: "Schon von Anfang war mein Anspruch an das Tauchen, unter Wasser zu arbeiten. Das Tauchen allein wäre mir zu langweilig." Eigentlich sei alles so nebenbei entstanden, erzählt er. Die Unterwasserwelt aus der Sicht des Sporttauchers zu erobern, war schon sehr früh sein Wunsch. Dort, wo sich heute der Ankerplatz seines Bootes namens "Alpha" befindet, hat er einst seine erste Berufsausbildung zum Industriemechaniker gemacht, nämlich bei der Bundesmarine im Stützpunkt Olpenitz. "Da wollte ich schon Berufstaucher werden", erinnert er sich. "Das hat aber leider nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe." Was natürlich nicht heißt, dass seine Leidenschaft zum Tauchsport aufgehört hat. "Der Sport hat immer eine besondere Rolle in meinem Leben gespielt", bringt er es auf den Punkt. "Ich habe dann gespart, einen langen, unbezahlten Urlaub genommen und bin ins Ausland gegangen, um meinen Traum zu verwirklichen." Damals setzte er alles auf eine Karte und ging für drei Monate nach Schottland, um sich dort zum Berufstaucher ausbilden zu lassen. "Das meiste konnte ich schon. Die ganze Zeit lang ununterbrochen tauchtauglich zu bleiben, war dagegen eine echte Herausforderung", erzählt er mit einem charmanten Lächeln. "Ziel war es die Lizenzen zu erhalten und mich hier als Profi anbieten zu können - was besonders wichtig ist, wenn man auch für größere Unternehmen Arbeiten erledigen möchte." Heute ist Hüttner als Taucher "nebenberuflich hauptberuflich" tätig. Tagsüber sitzt er am Schreibtisch und ist vor dem Bildschirm kreativ. Nach Feierabend und am Wochenende tauscht er Maus und Laptop gegen Saustoffflasche und Taucherbrille. "Eigentlich ist immer etwas zu tun", meint er und gibt zu: "Ich tauche mit meinem kleinen Gewerbe hier an der Schlei deutlich weniger, als ein bei einem großen Tauchunternehmen angestellter Berufstaucher. Aber ich habe mir immer das Hobby in diesem Job bewahrt." Über 25 Jahre Erfahrung in der Schlei und Ostsee - eine Kenntnis, die sich Hüttner hart erbeitet hat. Typische Einsätze sind die Suche nach verlorenen Propellern, Segelmasten und kleineren Wertgegenständen. Aber auch die Reparatur- und Reinigungsarbeiten am Rumpf, Propeller oder Unterwasserinstallationen bei Schiffen, kleinere Schweiß- und Brennarbeiten, Videoinspektion und Dokumentation. Jede dieser Arbeiten führt der Berufstaucher fachmännisch und zuverlässig durch - mit Erfahrung und dem notwendigen Equipment. Über 40 Kilo wiegt die Ausrüstung, die der Taucher auf dem Rücken trägt. "Aber auch nur an Land", sagt er und berichtet dann auch schon von der schönen Unterwasserwelt, von den zahlreichen Schiffswracks, die dort als natürlich Riffs liegen, in dem sich die Fische tummeln, wo sich Seeanemonen zuhause fühlen und wo bei der Abenddämmerung das Licht sich ausdrucksvoll bricht. "Das zu beobachten ist schon einzigartig." Dabei stößt er aber auch immer wieder auf Munition oder Wasserbomben, die dann genauestens verzeichnet werden müssen, um die Daten an die entsprechenden Behörden zur Räumung weiterzugeben. Aber man kann auch wertvolle Artefakte finden, wenn man denn an den richtigen Stellen sucht. Dann werden aus den Tauchern wahre Schatzsucher: "So haben wir auch schon drei Einbäume gefunden." Wer mehr über den "Lütten Tauchbetrieb von der Schlei" erfahren möchte, kann unter www.schleitaucher.de mehr erfahren.

Text: Andrea Weide, Fotos: Jörg Weide