Montag, 19. Februar 2018    02:37

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Vom Allgäu an die Nordsee

Der Künstler Wolfgang Gross-Freytag zog vor 23 Jahren nach Eiderstedt

Als Kind dachte er immer, die Berge wandern. Bei klarem Wetter oder gar bei Fön waren sie so nahe, dass man sie zu Fuß hätte erreichen können, bei schlechtem Wetter waren sie nicht einmal mehr zu sehen. Wolfgang Gross-Freytag ist in Kempten im Allgäu aufgewachsen. Jetzt lebt er mit seiner Frau Christina auf einer Warft in Eiderstedt. Von Bergen keine Spur. "Aber wir fühlen uns hier sehr wohl, es ist diese unendliche Weite der Landschaft, die uns fasziniert hat, als wir vor nunmehr 23 Jahren auf der Suche nach einem neuen Zuhause waren", erzählt der 68-jährige Maler.

Auf dem Heuboden des alten Haubargs, einem ehemalig landwirtschaftlich genutzten Gebäude, hat er sich ein großzügiges Atelier eingerichtet. Im Erdgeschoss befindet sich die gemütliche Wohnung, eine Werkstatt und ein Ausstellungsraum für seine Bilder. Nach wie vor leben Tiere auf dem Hof: Hunde, Gänse, Hühner und die robusten Islandpferde, die dank ihres kräftigen Körperbaus auch von Erwachsenen geritten werden können.  

Die 1968er Jahre haben den Künstler geprägt. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche packte den damals 19jährigen Feinmechaniker das Fernweh. Ausgestattet mit einem Schlafsack und 100 Mark trampte er vom Allgäu nach Amsterdam. Nach einem halben Jahr verließ er die Stadt, in der er wegen seiner langen Haare nicht als "Gammler" betitelt wurde und landete für drei Monate in Hamburg und dann in Kiel. Es war die "Erste Kieler Kommune", die für ein Jahr sein Zuhause wurde. "Die Erfahrung war exzessiv und die Menschen, denen ich begegnete, prägend und inspirierend. Die Kunst fraß mich mit Haut und Haaren", erinnert sich Gross-Freytag. Nach einem Jahr bekam er über den dritten Bildungsweg einen Studienplatz an der Pädagogischen Hochschule Kiel mit dem Hauptfach Kunsterziehung. Seine Laufbahn als Künstler hatte begonnen. Im Jahre 1978 landete er in der Malklasse von Harald Duwe (1926-1984), einer der bekanntesten und einflussreichsten Künstler im Norden.  Unter den Werken von Gross-Freytag gibt es durchaus kritische Themen, so hat er sich unter anderem mit dem Fracking auseinandergesetzt. "Kunst entsteht, indem ich in die Welt hinaus gehe", sagt er. Er nimmt die Situationen wahr, er beobachtet und erst dann formen sich seine Bilder immer mehr. Er arbeitet nicht fotografisch. Bei ihm müssen der Farb-, Pinsel- oder Spachtelstrich erkennbar bleiben. Er liebt großformatige Bilder, die sich auch für den Aussenbereich eignen. So schmücken seine gemalten Islandpferde diverse Pferdehöfe weltweit.

In den Kurkliniken von St. Peter-Ording gibt der freischaffende Künstler aus Welt regelmäßig Aquarellmalkurse. Er ist Mitglied im Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt e.V. und gibt für den Verein regelmäßig sein Wissen weiter im Kinder-Werkstatt-Atelier (KiWA) im Alten Rathaus in Garding. "Wenn das Kind zu Hause zeichnet und malt, sollte man das auf jeden Fall fördern", versichert der Künstler. Kinder ab zehn Jahren aus dem Raum Eiderstedt sind jederzeit herzlich willkommen. Wer Lust hat, das einmal auszuprobieren, kann sich gerne bei ihm melden unter der Telefonnummer: 04862-1516.www.atelier-rungholt.de

Text und Fotos: Bärbel Sommer