Dienstag, 12. Dezember 2017    05:24


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Sagenhafte Schleiregion:

Fischerlegenden von der Schlei

Das Fischerhandwerk ist eng mit der Schlei verbunden. Vor allem die Holm-Fischer in Schleswig gehören zu den bekanntesten ihrer Zunft. Seit dem Jahr 1000 etwa gibt es die Fischersiedlung vor den Toren Schleswigs. Die Holmer Fischer genossen auch früh besondere Rechte. So durften nur sie etwa lange Zeit auf der Schlei ihrem Handwerk nachgehen. Nach Fischen wurde aber am Ostseefjord schon seit Jahrtausenden gejagt. Von der Steinzeit über die Wikinger bis heute – das Fischereihandwerk gehört zur Region. Darum ist es nicht verwunderlich, dass sich auch um sie und ihre Erlebnisse auf der Schlei so manche Sagen und Geschichten ranken.

Eine davon handelt von der „Schwarzen Greet“. Zwei arme Holmer Fischer hatten die ganze Nacht vergeblich gearbeitet und zum letzten Mal ihre Netze leer aus dem Wasser gezogen. Als sie nun traurig nach Hause fahren wollten, erschien ihnen die schwarze Greet in königlicher Pracht mit Perlen und Diamanten geschmückt, aber im schwarzen Gewand. Diese sagte zu den Fischern: „Legt eure Netze noch einmal aus. Ihr werdet einen reichen Fang tun. Den besten Fisch aber, den ihr fangt, müsst ihr wieder ins Wasser werfen.“ Sie versprachen es und taten, wie die Greet gesagt.

Der Fang war unbeschreiblich groß, so dass der Kahn fast kenterte. Einer der Fische hatte allerdings Goldmünzen statt Schuppen, Flossen aus Smaragd und auf der Nase Perlen. „Das ist der beste Fisch“, sprach der eine Fischer und wollte ihn wieder ins Wasser setzen. Der andere Fischer versteckte den Fisch aber unter der übrigen, dass die Greet ihn nicht sähe.

Dann ruderte dieser hastig nach Hause, denn er bekam es mit der Angst zu tun. Aber wie sie noch auf der Schlei fuhren, fingen die Fische im Boote allmählich an zu blinken wie Gold. Grund war der Goldfisch, der die anderen auch golden machte. Der Kahn wurde dadurch immer schwerer und sank. Der Fischer, der den Fisch versteckte, versank mit ihm in der Tiefe. Mit Not entkam der andere und erzählte die Geschichte den Holmer Fischern. Diese wollten ihm aber nicht glauben.

Diese Sage steht in enger Verbindung mit Königin Margarete Sambiria, die im 13. Jahrhundert lebte. Sie soll keine Ruhe im Grabe gefunden haben als göttliche Strafe für ihr wildes Leben. Nach ihr ist der knapp dreieinhalb Kilometer lange Margaretenwall, ein Teil des Danewerks, benannt. Forschungen haben ergeben, dass dieser Wall viel älter ist. Dennoch: Möglicherweise hat die „Swarte Greet“ dazu beigetragen, dass der Wall immer weitergebaut wurde.

Text: Thomas Meiler, Fotos: Uwe-Jens Kahl