Freitag, 21. September 2018    01:47

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Haithabu und Danewerk sind UNESCO-Weltkulturerbe

Das UNESCO-Welterbekomitee hat im bahrainischen Manama den Archäologischen Grenzkomplex, die Befestigungsanlage Danewerk und den Handelsplatz Haithabu, in die Welterbeliste aufgenommen. Die beiden bedeutendsten archäologischen Zeugnisse Nordeuropas reihen sich nun ein in weltweit bekannte Komplexe wie die Pyramiden von Gizeh, der Yellowstone Nationalpark oder die alte Brücke von Mostar.

Die beiden Stätten sind ein einzigartiges Zeugnis der Wikingerzeit und ihrer kulturellen Traditionen, begründet das Komitee seine Entscheidung. Haithabu und das Danewerk waren bereits 2015 gemeinsam mit Stätten der Wikingerzeit aus Island, Dänemark, Lettland und Norwegen für das Welterbe nominiert. Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein bereitete damals unter dem langjährigen Leiter Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim den Welterbeantrag für Haithabu und Danewerk vor. Der internationaler Antrag unter dem Thema „Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“ wurde damals vom Welterbekomitee zur weiteren Überarbeitung zurückverwiesen und auch nicht mehr weiterverfolgt. Vielmehr formulierte das Archäologische Landesamt seinen Antrag um und fokussiere nunmehr nur noch auf Haithabu als einzigartigem wikingerzeitlichen Handelsknotenpunkt und das Grenzbauwerk Danewerk.

„Ich freue mich sehr, dass das Welterbekomitee mit seinem heutigen Beschluss den Weltrang von Haithabu und dem Danewerk anerkannt hat. 14 Jahre Arbeit an dieser herausragenden Nominierung sind damit erfolgreich zu Ende gegangen. Jetzt gilt es, Haithabu und das Danewerk als Erbe der Menschheit zu erhalten und Menschen auf der ganzen Welt die Geschichte dieses herausragenden Ortes zu erzählen“, erklärte Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. Aufgrund seiner Lage zwischen dem fränkischen Reich und dem dänischen Königreich war Haithabu ein herausragender Knotenpunkt in der Wikingerzeit. Hier kreuzten sich die wichtigsten Handelswege und führten Menschen und Waren aus aller Welt zusammen. „Noch heute finden Archäologen rund um diesen Ort der Weltgeschichte Zeugnisse der damaligen Zeit wie Schmuck oder Werkzeuge. Die Stätte macht deutlich, dass unsere Geschichte seit jeher vom Handel und Austausch über nationalstaatliche Grenzen hinweg geprägt ist“, so Böhmer weiter. „Für uns als Gemeinde ist diese Auszeichnung auch eine Verpflichtung“, betont Anke Gosch, Bürgermeisterin von Dannewerk.  Alle Gemeinden werden davon profitieren, ist sie sich sicher. Auch Nis Hardt, Museumsdirektor Danevirkegarden sieht die langjährige Arbeit nun belohnt. „Man stellt nicht einfach nur einen Antrag auf einem Stück Papier“, betont er und zeigt dabei auf ein 300 Seiten starkes Buch. „Das ist nur der Antrag, Hinzu kommt ein ausführlicher Managementplan. Das ist schon ein enormer Aufwand.“ Dabei sei er nur ein „kleiner“ Partner, der die Arbeit von dem Archäologischen Landesamt unterstützt: „Darauf sind wir natürlich sehr stolz.“ Jetzt sei es an der Zeit eine neue archäologische Ausstellung aufzubauen und die Voraussetzungen für eine Präsentation der aktuellen Ausgrabungen am neu entdeckten Tor zu schaffen.

 

Info:

Das UNESCO-Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit Bedrohungen eingeschriebener Stätten. Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit 1.082 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. Deutschland verzeichnet 43 Welterbestätten. Kriterien für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe sind unter anderem der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte und ein Managementplan, der die Erhaltung des Erbes für aktuelle und zukünftige Generationen sicherstellt. Mit der Einschreibung in die Welterbeliste verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Welterbestätten auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu schützen und ihren Wert der Gesellschaft zu vermitteln.

Text: Andrea Weide, Fotos: Jörg Weide