Dienstag, 12. Dezember 2017    05:19


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In 18 Jahren um die Welt

„Eigentlich war es nie geplant, die Welt immer wieder zu umsegeln. Das hat sich über die Jahre so ergeben. Aber wir haben viele schöne Orte und nette Menschen kennengelernt, so dass wir immer unterwegs waren“, erzählt Helmut Siebrecht. Über 18 Jahre dauert die Reise mit seinem Segelboot „Lop To“. Vor einigen Wochen ist er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Neermann nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Im Kappelner Yachthafen liegt ihr Schiff, beide richten sich gerade häuslich in der Nähe von Flensburg ein. „Die Idee war 1999, dass meine Frau Claudia und ich unser weiteres Leben auf dem Wasser verbringen wollten“, so Siebrecht. Aber die Entdeckungsfreude und Reiselust wuchs von Törn zu Törn und der Radius der Ziele wurde immer größer.

Im Jahr 2005 verstarb Siebrechts Frau. Der heute 66-Jährige war dann zunächst drei Jahre allein auf den Weltmeeren unterwegs. Dann traf er Kerstin Neermann und die Reise wurde wieder zu zweit fortgesetzt. „Ich bin in Neuseeland zugestiegen und unsere erste Station war Asien, bevor wir weiter nach Tahiti und Hawaii gesegelt sind“, so Neermann. „Ich habe mich auf dem Boot schnell wohlgefühlt. Es war unser Zuhause.“ Vor allem die Inselwelt der Südsee hatte es den beiden Weltumseglern schnell angetan. „Das ist ein herrliches und sicheres Segelgebiet“, so Siebrecht. Auch die Menschen waren zu den beiden immer freundlich und hilfsbereit. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Fischer mit seinem kleinen Ruderboot an unserem Schiff festgemacht hat.“

Die Menschen und ihre Geschichten zogen Siebrecht und Neermann immer wieder in ihren Bann. „Man merkt schnell, dass die Wünsche fast überall auf der Welt gleich sind: Glücklich sein und in Frieden leben“, erzählt Helmut Siebrecht. Auch wenn viele Menschen, die sie trafen, in Armut leben. „Es kam trotzdem kein Neid auf, wenn wir uns unterhielten“, so Neermann. Ein Ziel gefiel beiden mit am besten: Madagaskar. Die Insel liegt vor der Ostküste Mosambiks im Indischen Ozean. „Es ist als normaler Tourist schwer in das Land zu reisen. Wir hatten einen völlig anderen Zugang, und die Menschen und das Land haben uns schnell in ihren Bann gezogen“, schildert Neermann.

Vor ein paar Jahren machten beide dann wieder einmal Station in Schleswig-Holstein an der Schlei. „Da haben wir gemerkt, dass es hier auch ganz schön ist“, so Siebrecht schmunzelnd. Langsam reifte dann der Plan, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. In der Nähe von Flensburg haben die beiden nun ihren neuen Heimathafen gefunden. Aufs Wasser wird es Kerstin Neermann und Helmut Siebrecht aber immer wieder ziehen. „Sobald die ‚Lop To‘ wieder bereit ist, geht es sicher wieder los“, versichert Siebrecht. „Das Schiff ist ein fester Teil von uns. Es war unser Zuhause und hat uns sicher über die Weltmeere gebracht.“ Darum wird es bestimmt wieder auf große Fahrt gehen – allerdings keine 18 Jahre mehr.

Text: Thomas Meiler, Fotos: Siebrecht/Neermann