Mittwoch, 25. April 2018    04:32


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Anni Mo - schicke Mode in Husum kreiert

Der Hut aus dunkelpetrolfarbenem Wollfilz ist jetzt auf dem Modellkopf getrocknet und hat eine dauerhafte Form angenommen. Möchte Anita Rabenstein ihr neuestes Modell noch einmal verändern, muss sie es anfeuchten: Frauen mit schmalen, ebenmäßigen Botticelli-Gesichtern steht die gegenwärtige Glockenform mit der rundherum abfallenden Krempe ausgezeichnet. Es geht aber auch kess und sportlich: Mit flinken, geübten Fingern knifft Anita Rabenstein die rechte Seite der Krempe aufwärts und schlägt eine zusätzliche Falte ein, die linke Krempenseite fällt leicht ab - so ist es ein ganz neuer Hut. Oder soll das Kopfteil oben etwas eingedrückt werden? Das kleidet Frauen, die das Klassische lieben, sehr gut. Oder ist vielleicht eine Applikation aus einer gefilzten Rose gefällig?

Die Husumerin Anita Rabenstein ist Designerin und hat an der Fachhochschule in Hildesheim Produktgestaltung studiert. Eine Freundin nannte die heute 62-Jährige stets "Anni". Die sympathische "Anni" hängte daran die ersten beiden Buchstaben ihres Nachnamens aus einem früheren Leben; so entstand der unverwechselbare Markenname "Anni Mo", der für ebenso unverwechselbare, sich aus dem Alltagsgrau sanft und wohltuend abhebende Mode steht: Aus nicht alltäglichen Stoffen - überwiegend aus Wolle - handgefertigt vom federleichten Hut über den Schal aus Seidenstoffstücken bis zu Jacke und Kleid, jedes Teil ein Unikat, universell einsetzbar für ein perfektes Aussehen. "Ich verarbeite nur Stoffe und Farben, die ich mag", sagt Anita Rabenstein. Sie fertigt normalerweise jeweils nur ein Stück nach einem selbst entworfenen Schnitt. Freilich sind Ähnlichkeiten zu anderen Teilen vorhanden - grundsätzlich aber habe sie sich nach einem Bekleidungsstück "ausgetobt - es wäre langweilig, es noch einmal genauso herzustellen."

Das Nähen hat sie als kleines Mädchen bei ihrer Mutter gelernt. "Es war faszinierend zu erleben, wie aus einem einfachen Stück Stoff etwas ganz Neues entstand." Außer mit Wollstoffen arbeitet sie gern mit Leinen und Seide. Als sie nach Nordfriesland kam, hat sie die Wolle fasziniert, die die Schafe an den Zäunen zurückließen: "Die habe ich abgezupft und gesammelt." Später habe sie selbst Wolle gefärbt. Zufällig habe sie in jener Zeit auch ein Spinnrad gefunden und abends, wenn die Kinder zu Bett waren, in der Küche Wolle gesponnen. Den Geruch der Wolle habe sie stets gern gemocht. Damals entstanden mit flinken Stricknadeln Jacken und Pullover - und recht bald habe sie sich dafür interessiert, wie ein Hut entsteht. Es duftet auch jetzt in ihrem Atelier frisch nach Kernseife. Von dem Wollfaserstrang, der auf ein dickes Knäuel gewickelt ist, zupft sie Fasern ab und legt sie auf eine Schablone aus Kunststofffolie - insgesamt vier Schichten kreuzweise übereinander, die nach jeder Schicht mit Wasser und Kernseife benetzt werden. "Dann verhaken sich die Wollfasern ineinander zu Filz", erklärt sie. So entsteht nach und nach der "Rohling" für einen neuen, zweifellos einmaligen Hut.

Durch eine Freundin, die einen riesigen Stoffvorrat hatte und jemanden suchte, der daraus schöne Bekleidung nähen konnte, wurde sie vor rund 20 Jahren angeregt, sich selbstständig zu machen. So hatte sie etwa fünf Jahre lang ein eigenes Geschäft in Husum. Heute näht sie im eigenen Atelier daheim weiter und verkauft ihre hübschen und im Wortsinn "anziehenden" Stücke über die Galerie "Lat die Tied" auf Nordstrand und neuerdings auch bei "Ilse's" in Friedrichstadt - zwei exklusive Adressen, die Mode des Husumer Labels "Anni Mo" im Angebot haben.

Ein Brautkleid, das sie einst unter Verwendung eines indischen Saris nähte, war etwas ganz Besonderes für sie, ebenso die Jacken, die sie aus alten Segeln fertigte: "Wunderschön, obwohl kraftzehrend und ziemlich heftig", resümiert sie. Gleichgültig, was sich unter ihren Händen entwickelt - sei es eine zurückhaltend bestickte Jacke mit seitlicher Samtschleife zum Binden oder eine Art Gehrock, der beidseitig tragbar ist: In jedem Teil steckt ihr Herzblut. An Ideen zum Nähen exklusiver Bekleidung mangelt es Anita Rabenstein nicht - im Gegenteil: Sie spürt eine große Energie in sich, einen Quell stets frischer, origineller Pläne: "Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt, in vorgerücktem Alter, noch aktiver als je zuvor geworden bin", urteilt sie.

Text und Fotos: Sonja Wenzel