Samstag, 21. Oktober 2017    23:19


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Erntedank - Ein großes Fest für alle

Eine Pastorin und ein Landwirt erzählen ihre Geschichte zum Erntedank

Das Erntedankfest erinnert an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Immer schon war es den Christen ein Grundbedürfnis, Gott für die Ernte zu danken. Der Termin für Erntedank ist in der Regel der erste Sonntag im Oktober, der besondere Tag, an dem die Altäre zum Abschluss der Ernte traditionell mit Feldfrüchten geschmückt werden.  Das Fest macht deutlich, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Viele Christen kritisieren die Zerstörung der Umwelt oder Manipulationen am Erbgut. In der heutigen Zeit spielen die Themen Umweltschutz und Gentechnik eine immer größere Rolle bei dem Kirchenfest, das etwa seit dem dritten Jahrhundert begangen wird. Die in den Mittelpunkt gerückte Bitte des Vaterunsers "unser tägliches Brot gib uns heute" erinnert gleichzeitig an die katastrophale Ernährungssituation in den ärmsten Ländern der Erde. Das Danken und das Teilen gehören im christlichen Verständnis zusammen.

Luise Jarck-Albers (34), Pastorin in Heide: 

Ich bin in Hamburg aufgewachsen, ein richtiges Stadtkind eben, das mit der Ernte eigentlich gar nicht so viel in Berührung gekommen ist. Für mich ist Erntedank der Gedanke vom Teilen, und weil uns allen so viel geschenkt worden ist, sollten wir großzügig sein und aus der Freude von dem, was wir haben, etwas überfließen lassen auf diejenigen, denen es nicht so gut geht in unserer Gesellschaft. Vor zwei Jahren, als die Flüchtlingskrise auf dem Gipfel war, habe ich die Erntedankpredigt in der St.-Jürgen-Kirche gehalten. Damals machte ein Bild im Internet die Runde, das ich für meine Predigt verwendet habe: eine lange Tafel, reich gedeckt. Der Text dazu: "Wenn Du mehr hast als Du essen kannst, dann vergrößere die Tafel und baue keine Mauern." Mein persönlicher Gerechtigkeitsgedanke bezieht sich auf die großen Agrarkonzerne, die den kleinen Landwirten im In- und Ausland das Leben schwer machen. Dort sollten wir Kritik anbringen. Der biblische Bezugspunkt ist ein reicher Kornbauer, der damals schon sein Korn gehortet hat, um den Preis zu steigern. Es ist Gottes Stimme, die ihm sagt: "Was hast Du davon, wenn ich heute noch Dein Leben und Deine Seele fordere?"

Ernst Honnens (75), Landwirt aus Koldenbüttel:

Ich verbinde den Begriff Erntedank nicht unbedingt mit der Kirche, sondern mit der großen Dankbarkeit, die alle Landwirte erfüllt, wenn sie ihre Ernte unter guten Bedingungen einbringen können. Als kleines Kind schon spürte ich die Erleichterung meiner Eltern an dem Tag, wo das sonnengetrocknete Heu endlich "drin" war. An diesem Sommerabend gab es immer ein schönes Fest für die Familie und alle Helfer. Es hat nur ein Jahr gegeben, in dem die gesamte Heuernte wertlos war. Das war das Jahr, in dem Rudi Carrell sang: "Wann wird es endlich wieder Sommer". Es macht bewusst, wie wertvoll eine gute Ernte ist. Während meiner aktiven Zeit als Landwirt gehörte der Ernteball, der immer am Samstag vor dem Erntedankfest stattfand, zum Pflichtprogramm. Der findet heute leider nicht mehr statt. Aber viele Landwirte feiern am Ende der Erntezeit ein großes Fest mit ihren Mitarbeitern. Wir alle sollten wieder bewusster mit den Lebensmitteln umgehen, denn früher wurde nichts weggeworfen, es wurde alles verwertet. Es gibt für mich zwei Termine im Jahr, an denen ich hundertprozentig den Gottesdienst in der St. Leonhard-Kirche besuche: Volkstrauertag und Erntedank.

Text und Fotos: Bärbel Sommer