Samstag, 20. Oktober 2018    06:31


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Das Eider-Sperrwerk - Ein Jahrhundertbauwerk

Das Eider-Sperrwerk verbindet die Kreise Dithmarschen und Nordfriesland. Wenn im Sommer die Gäste aus dem Süden anreisen, begegnet ihnen automatisch dieses eindrucksvolle Bauwerk mit seinen fünf Durchflussöffnungen, die jeweils 40 Meter breit sind. Bevor sie in den 236 Meter langen Autotunnel fahren, können sie Rast auf dem Parkplatz vor dem Eider-Sperrwerk machen. Mehrere Infotafeln auf der Südseite beschreiben den Bau und die Funktion des Eider-Sperrwerks, und wer gut zu Fuß ist, der kann jederzeit dieses Bauwerk betreten und auf die andere Seite wandern. Dort befindet sich die Waagebalken-Klappbrücke, diese dient dem Straßenverkehr zur Überquerung der Schleuse. Außerdem befindet sich auf der Nordseite die Schifffahrtsschleuse und der Leitstand, ein hoher Turm mit guter Sicht über die ganze Anlage. Diese Zentrale ist rund um die Uhr besetzt und die Mitarbeitenden steuern den normalen Betrieb des Eider-Sperrwerkes und der Schleuse. Im außerordentlichen Betrieb, bei kritischen Entwässerungssituationen zum Beispiel oder schweren Sturmfluten, kommt Veit-Hinnerk Bayer als Ingenieur für Wasserwirtschaftswesen zum Einsatz. Er selbst bezeichnet sich daher auch als Wetterfrosch, der Wetter und Wasserstände immer im Blick haben muss. Hierzu werden im gewässerkundlichen Büro des WSA die Pegelstände der Nordsee und der Eider minütlich in Echtzeit erfasst. Vor einer angekündigten Sturmflut werden die Tore des Eider-Sperrwerks geschlossen. „Das Eider-Sperrwerk ist sicher“, verspricht Bayer. 

Bei einer Führung mit Geologiestudenten aus Erlangen bezeichnet Veit-Hinnerk Bayer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning (WSA) das Eider-Sperrwerk als Jahrhundertbauwerk. Im Jahre 1962 wurde die deutsche Nordseeküste von einer sehr schweren Sturmflut heimgesucht. Diese Sturmflut verursachte Schäden in Millionenhöhe und forderte 335 Menschenleben. Aufgrund dieses Ereignisses wurde 1963 der Generalplan Küstenschutz für Schleswig-Holstein aufgestellt und der Bau des Eider-Sperrwerkes beschlossen. Zielvorgaben für die durch den Bau zu erfüllenden Aufgaben waren: der Schutz vor Sturmflut, die Sicherung der Vorflut (Entwässerung des Binnenlandes) und die Erhaltung der Schifffahrt.  „Damals bedurfte es nur fünf Jahre Planungszeit für das gigantische Bauvorhaben des Eider-Sperrwerks“, sagt Bayer. Im Jahre 1965 wurde im „Eidervertrag“ die Baumaßnahme zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland festgeschrieben; im Frühjahr des Jahres 1967 erfolgte der erste Spatenstich und nur sechs Jahre später war die feierliche Einweihung. Die Bauträgerschaft oblag dem Land Schleswig-Holstein, für den Betrieb ist das WSA zuständig. Im Tidebetrieb strömt eine Wassermenge von etwa 30 Millionen Kubikmeter je Tide durch das Eider-Sperrwerk ungehindert ein und aus. Eine weitere wichtige Aufgabe des Eider-Sperrwerks ist die Sicherung der Vorflut. Rund 2100 Quadratkilometer Einzugsgebiet Schleswig-Holsteins wird in die Eider entwässert und durch den Sielbetrieb unterstützt. Ein  Millimeter Niederschlag im Einzugsgebiet ergeben rund 2,1 Milliarden Liter Wasser, die am Eider-Sperrwerk in die Nordsee fließen. Die Schifffahrt auf der Eider ist durch die am Eider-Sperrwerk befindliche Schleuse in unverändertem Umfang möglich.

Text und Fotos: Bärbel Sommer