Montag, 16. Juli 2018    02:30

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Der Apotheker* früher und heute

Über Jahrhunderte hinweg war es festzementiert: der Apotheker gehörte zu den gesellschaftlich „Ersten“ im Ort, neben dem Arzt, dem Lehrer und dem Pastor. Alte Bilder zeigen den Apotheker gern im langen weißen Labormantel, den Zwicker auf der Nase und über einen Mörser gebeugt. Bereits gegen Mitte des 13. Jahrhunderts wurde gesetzlich festgelegt, dass Arzt und Apotheker zwei verschiedene Berufszweige und voneinander abzugrenzen sind. Ein Arzt durfte nicht an einer Apotheke beteiligt sein und auch keine besitzen. Die Preise für Arzneien wurden damals gesetzlich festgeschrieben. 

Der Apotheker mixte Tinkturen, fabrizierten Salben und stellte Pillen her. Das Berufsbild des Apothekers hat sich grundlegend gewandelt. „Noch bis in die 1950-er Jahre wurde die klassische Pille in der Apotheke ‚gedreht‘ – im Unterschied zu den heutigen ‚Tabletten‘, die maschinell gepresst werden“, führt Dr. Carl Gerhard Spilcke-Liss aus, Inhaber der „Dithmarscher Apotheke“ in Wesselburen und der „Königlich Privilegierten Apotheke“ in Lunden. Das fünfjährige Studium bereitet für die industrielle Arzneifertigung vor, für die Qualitätskontrolle in der Industrie, für die Forschung und freilich auch für die Arbeit in einer Apotheke. Die Herstellung individueller Arzneien ist zwar nicht mehr die Tätigkeit, die den Tagesablauf des Apothekers bestimmt – doch noch heute fertigt er bestimmte Produkte selbst. „Es vergeht aber kaum ein Tag, an dem wir nicht auf Rezept des Arztes etwas produzieren, beispielsweise Cortisonsalben, deren industrielle Dosierung für die Bedürfnisse des Patienten nicht passt.“ Auch Dr. Holm Schmidt, Inhaber der Wassenberg-Apotheke in Tönning und der Utholm-Apotheke in Sankt Peter-Ording, sieht es ähnlich: „Wir stellen überwiegend Salben nach individuellem Arztrezept her, wenig Lösungen, hin und wieder Kapseln. Einer aus dem Team ist täglich in der Rezeptur beschäftigt.“ 

Der Apotheker als Dienstleister und Lotse 

Heute gibt es noch eine andere, wichtige Funktion: Die beiden Apotheker formulieren es fast übereinstimmend: „Wir sind Lösungsanbieter und Helfer bei Entscheidungen“, erklärt Dr. Spilcke-Liss. Zugenommen habe - sicherlich auch durch zahlreiche Gesetzesreformen - die Selbstmedikation. Aber: „Wir dürfen keine Diagnosen stellen“, betont er. „Wir verstehen uns als Gesundheitsberater und Dienstleister und besprechen mit Patienten oder Kunden ihre Therapien. Wir können bewerten, den richtigen Weg aufzeigen und fungieren oft als Vermittler und Bindeglied zwischen dem Arzt und den Patienten, denn viele Fragen kommen erst später auf“, sagen beide. Motivieren, optimieren und begleiten, manchmal auch dem Patienten kleine, hilfreiche Kniffe und Tricks für die Einnahme bestimmter Medikamente ans Herz legen – das seien die Hauptaufgaben in der Medikamentenabgabe. Die Menschen seien heutzutage gut informiert, stehen aber allein in einer Informationsflut, die beispielsweise das Internet biete. Daher sei ein „Guide durch den Info-Dschungel“ oftmals sehr willkommen. Gleichwohl seien diese Informationen nützlich, denn: „Auch wir suchen dort nach gewissen Präparaten oder Studienergebnissen“, so Dr. Schmidt. 

Glücksgefühl aus der Apotheke

Auch bei Kosmetikprodukten mit medizinischem Sinn und Anspruch stehen Apotheker heute beratend, begleitend und zuhörend zur Seite. „Eine individuelle optimale Basisversorgung erzeugt ein Wohlgefühl“, umreißt es Dr. Spilcke-Liss, oder: „Wir arbeiten nicht nur mit Krankheitsthemen, sondern beraten individuell in medizinischen Pflegeprodukten und haben auch hier eine Lotsenfunktion, können beispielseise etwas Schönes, Mildes bieten gegen Hautalterung mit dezentem Duft für Kunden, die auf ein gutes Lebensgefühl Wert legen, die sich Zeit für sich selbst nehmen und dafür auch Geld ausgeben. Wer in die Apotheke kommt, soll Vertrauen haben, mit einem gewissen Glücksgefühl und mit erhobenem Haupt auch wieder gehen können“, erklärt Dr. Schmidt griffig. 

Was gehört in eine Reiseapotheke?

Dabei gibt es keine Pauschallösungen und es kommt freilich darauf an, was geplant ist: Baden? Wandern? Radfahren? Klettern? Surfen? Und vor allem: Wo liegt das Urlaubsziel? Häufig sind die vorgeschriebenen oder empfohlenen Impfungen wichtig zu wissen. Es gibt auch vorgefertigte Checklisten, die bei der Zusammenstellung einer Reiseapotheke – in Zusammenarbeit mit dem Apotheker – außerordentlich nützlich sind. Was aber in der Reiseapotheke grundsätzlich nicht fehlen sollte, sind Desinfektionsspray, Wundverbände, Nagelschere und Pflaster. 

*) Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde die weibliche Form im Text weggelassen. Anm. d. Red.

Text: Sonja Wenzel, Fotos: Adler Apotheke